Wirtschaft

Umstrittener Chef muss abtreten "Victoria's Secret" wechselt den Besitzer

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Insgesamt wird "Victoria's Secret" bei dem Deal mit 1,1 Milliarden Dollar bewertet.

(Foto: imago images/Thomas Meyer)

Nicht mehr zeitgemäße "Sex Sells" -Strategien und Belästigungsvorwürfe gegen Manager Wexner setzen dem Dessous-Labels "Victoria's Secret" schon länger zu. Beim Mutterkonzern L Brands gilt das Unternehmen als Problemfall. Jetzt wird das Unternehmen zumindest teilweise an einen Finanzinvestor verkauft.

Image-Probleme und sinkende Verkaufszahlen haben das Dessous-Label "Victoria's Secret" in die Krise gebracht - jetzt übernimmt ein Finanzinvestor die Kontrolle. Die Beteiligungsgesellschaft Sycamore Partners erhält für 525 Millionen Dollar (486 Millionen Euro) die 55-prozentige Mehrheit, wie die Unternehmen mitteilten. Die restlichen 45 Prozent bleiben beim bisherigen Mutterkonzern L Brands. Erwartet worden war eine Vollübernahme.

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L Brands 45,20

Insgesamt werde "Victoria's Secret" bei dem Deal mit 1,1 Milliarden Dollar bewertet. Das ist das unterste Ende der von Analysten erwarteten Bewertungsspanne. Diese habe für die Unterwäschemarke einen Wert zwischen 2 und 3,5 Milliarden Dollar gesehen.

L Brands umstrittener Chef Leslie Wexner wird von seinem Amt zurücktreten, sobald die Transaktion abgeschlossen ist. Er soll aber einen Posten im Verwaltungsrat behalten. Der Ruf des 82-Jährigen hat stark unter seiner Verbindung zum US-Millionär Jeffrey Epstein gelitten, der sich im vergangenen August nach einem Missbrauchsskandal das Leben in einem New Yorker Gefängnis genommen hatte. Wexner soll lange Zeit enge Geschäftsbeziehungen mit Epstein unterhalten haben, was zu heftiger Kritik am L-Brands-Chef führte.

L Brands konzentriert sich auf Bath & Body Works

Ohnehin hat sich "Victoria's Secret" beim Mutterkonzern L Brands längst vom Aushängeschild zum Problemfall entwickelt. Das Reizwäsche-Label, das bei seinen pompösen Modenschauen stets die internationale Elite der Top-Models über den Laufsteg schickte, tut sich schon länger schwer.

Mit seiner "Sex Sells"-Vermarktung, die auf makellose, leicht bekleidete Frauenkörper setzt, wurde das Label in Zeiten reger "Body Shaming"-Debatten und der "#MeToo"-Bewegung zu einem Stein des Anstoßes. Berichte über Belästigungsvorwürfe gegen Manager Wexner brachten die Unterwäsche-Marke zuletzt weiter unter Druck.

L Brands konzentriert sich künftig auf die schnell wachsende Parfüm- und Seifenkette Bath & Body Works. Deren Chef Andrew Meslow werde die Nachfolge von Wexner antreten. An der Börse verlor die L-Brands-Aktie, die zuletzt wegen der Spekulationen über den bevorstehenden Verkauf von Victoria's Secret kräftige Gewinne verbucht hatte, gut 7,2 Prozent.

Quelle: ntv.de, jki/dpa/DJ/rts