Wirtschaft

Großveranstaltungen trotz Corona "Wir können beweisen, dass es geht"

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Eishockeyfans in der Berliner Mercedes-Benz-Arena. Einen Teil von ihnen will der Veranstalter schnell zurückholen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gerade kehren erste Kinder wieder in Schulen und Kitas zurück, Friseure dürfen kommende Woche wieder arbeiten. Doch ein Bündnis aus Kultureinrichtungen, Veranstaltungsstätten und Sportverbänden will viel mehr: Es hat mit wissenschaftlicher Unterstützung ein Konzept auch für Corona-konforme Großveranstaltungen mit Tausenden Gästen vorgelegt. Uwe Frommelt, COO der Anschutz Entertainment Group, die unter anderem die Mercedes-Benz-Arena in Berlin und die Barclaycard Arena in Hamburg betreibt, erklärt im ntv.de-Interview, warum solche Veranstaltungen wichtig sind - selbst wenn sie unter Corona-Bedingungen keinen Gewinn abwerfen.

Die Veranstaltungsbranche, Kultureinrichtungen und Sportverbände haben ein umfangreiches Konzept vorgestellt, mit dem auch Massenveranstaltungen unter Pandemiebedingungen möglich sein sollen - unter sehr hohem Aufwand mit einer Auslastung der Publikumskapazität von 25 bis 35 Prozent. Lohnt sich das überhaupt? Wäre es nicht wirtschaftlicher, die Veranstaltungsorte zu schließen und die Fixkosten so weit wie irgend möglich herunterzufahren?

Das jetzt vorgestellte Konzept soll für die gesamte Branche den so dringenden Wiedereinstieg aufzeigen. Es gibt uns endlich eine Perspektive. Es stellt auch eine erhebliche Verbesserung gegenüber der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Lockdown dar, als in den Bundesländern unterschiedlich starre Obergrenzen für alle Veranstaltungen galten, egal ob Stadion, Klub oder Konzertsaal. Dem neuen Konzept zufolge orientiert sich die mögliche Besucherzahl dagegen auch an der Größe des Veranstaltungsortes und kann auch durch zusätzliche Maßnahmen wie zum Beispiel Belüftung erhöht werden. Dauerhaft ist es sicher für niemanden wirtschaftlich, mit einer Auslastung von 25 Prozent zu arbeiten. Aber wir hoffen natürlich, dass wir das Schritt für Schritt erhöhen können in dem Maße, wie die Bevölkerung durchgeimpft wird und wir die Pandemie hoffentlich weiter in den Griff bekommen.

Wer wird die Einnahmeverluste beziehungsweise die Mehrkosten tragen? Künstler, Veranstalter?

Ich bin sicher, da wird es in der Branche unkomplizierte, flexible Lösungen geben. Klar ist: Alle von den Veranstaltungsstätten über die Veranstalter, Künstler bis zu den Caterern, alle wollen unbedingt wieder arbeiten. Die ganze Branche braucht aber dringend eine Perspektive, wie und nach welchen Regeln es weitergehen kann.

Das heißt, alle Beteiligten müssen sich zunächst auf Einbußen einstellen?

Ja, es wird am Anfang finanzielle Kompromisse geben müssen. Wie viele Menschen sind bei ihnen betroffen, wie viele könnten sie mit dem Öffnungskonzept wieder aus der Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit zurückholen? Bei einer Veranstaltung in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin arbeiten an einem Abend bis zu 500 Menschen. Viele davon, Reinigungskräfte, Roadies, Techniker beispielsweise, bemerken unsere Gäste ja kaum. Wie viele wir jetzt bei einem Wiedereinstieg benötigen, hängt natürlich sehr von der Größe und Art der Veranstaltung ab. Dabei entlasten wir ja mit jedem, den wir aus der Kurzarbeit zurückholen, auch den Staat in dieser Krise.

Gibt es für Sie bei der angestrebten Öffnung Unterschiede zwischen verschiedenen Arten von Großveranstaltungen, zwischen Pop-Konzerten, Fußball- oder Eishockeyspielen?

Zunächst geht es einfach nur darum, dass überhaupt wieder etwas mit Zuschauern stattfindet. Wir können und wollen beweisen, dass es geht. Wir rechnen nicht in erster Linie durch, welche Veranstaltungen sich finanziell mehr oder weniger lohnt. Der Konzertbetrieb wird sich allerdings zunächst auf deutsche Künstler konzentrieren. Internationale Tourneen wird es aufgrund der unterschiedlichen Reisebeschränkungen und Quarantäneregeln in vielen Ländern in diesem Jahr wohl nicht mehr geben.

Mit Uwe Frommhold sprach Max Borowski

Quelle: ntv.de