Wirtschaft

Virus legt Flugverkehr lahm Wird Tegel jetzt für immer geschlossen?

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Stirbt der Airport Tegel nun den vorzeitigen Corona-Tod?

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Flugverkehr ist in der Corona-Krise zum Erliegen gekommen. Die Berliner Flughafengesellschaft wird es möglicherweise Paris nachmachen und den Betrieb in Tegel einstellen - vorübergehend. Ob der Airport dann wieder eröffnet, ist jedoch ungewiss. Geht der BER im November an den Start, ist ohnehin Schluss.

Am Montag könnte eine wichtige Entscheidung über die Zukunft des Flughafens Tegel in Berlin fallen. Laut Regierungsangaben ist der starke Passagierrückgang in der Corona-Krise Thema der Gesellschafterversammlung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB). Laut dpa-Informationen wird erwogen, Tegel vorübergehend bis Ende Mai zu schließen.

Bei der Telefonkonferenz dürfte es auch um Finanzhilfen für die staatliche Flughafengesellschaft gehen. Weil kaum noch geflogen wird, verbucht das Unternehmen erhebliche Einnahmeausfälle. Der Aufsichtsrat hat bereits zugestimmt, Hilfen zu beantragen. Eigentümer des Flughafens sind zu je 37 Prozent die Länder Berlin und Brandenburg sowie zu 26 Prozent der Bund. Die FBB betreibt den Flughafen Schönefeld und über ihre Tochtergesellschaft BFG den Flughafen Tegel. Im Jahr 2018 wurden an den beiden Flughäfen zusammen gut 34,7 Millionen Passagiere befördert. Das macht Berlin in normalen Zeiten zum drittgrößten Flughafenstandort Deutschlands.

Schließung spart sechs Millionen Euro pro Tag

Zuletzt lagen die Passagierzahlen in Berlin jedoch mehr als 90 Prozent unter dem Vorjahreswert. Für ihre 2200 Beschäftigten hat die Flughafengesellschaft deshalb bereits Kurzarbeit beantragt. Der Finanzbedarf liegt laut Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider im günstigsten Fall bei einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag.

Nach dpa-Informationen kalkuliert die Flughafengesellschaft mit einer Million Euro weniger Umsatz pro Tag. Etwa sechs Millionen Euro ließen sich umgekehrt im Monat sparen, wenn in Tegel nicht geflogen würde, heißt es. Eine vorzeitige Schließung von Tegel scheint auf Basis der Zahlen eigentlich unausweichlich. Die Flughafengesellschaft müsste dafür bei der Luftfahrtbehörde nur die Aufhebung der Betriebspflicht beantragen.

Ob und wann Tegel danach noch mal an den Start gehen kann, ist ungewiss. Dass die Zeit für die Abschaltung möglicherweise früher gekommen ist, wird bereits offen diskutiert. So wie es aussieht, dürfte sich der Flugverkehr bis Ende Oktober nicht annähernd von der Krise erholt haben. Und dann geht nach bisherigen Planungen der BER an den Start. Geht auf den letzten Metern alles gut, geht der neue Hauptstadtflughafen BER in Brandenburg am 31. Oktober ans Netz. Eine Woche später würde dann Tegel stillgelegt werden. Am 8. November soll die letzte Maschine vom Flughafen abheben.

Temporäre oder dauerhafte Abschaltung?

Der Spandauer Umweltpolitiker und SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz plädiert auf seiner Webseite: "Tegel sollte umgehend geschlossen werden!" Die Offenhaltung eines ganzen Flughafens mit allen Teilbereichen und den hohen Sicherheitserfordernissen sei angesichts der "extrem geringen Auslastung nicht mehr sinnvoll". Buchholz spricht sich noch für eine "Aussetzung der Betriebspflicht" aus, nicht für eine endgültige Entlassung aus der Betriebspflicht. Andere SPD-Politiker gehen inzwischen etwas weiter. SPD-Finanzsenator Matthias Kollatz erklärte am Freitag im Interview mit der "B.Z.": "Wenn die Corona-Krise rasch vorbei ist, wird es wieder zu einer Eröffnung von Tegel kommen. Wenn es länger dauert, wird es nicht mehr dazu kommen."

Das setzt allerdings eins voraus: Dass der Tüv die Bauabnahmen am BER zügig abschließt. Und keine neuen Mängel auftreten. Wegen Planungsfehlern, Technikproblemen und Baumängeln hatte sich der Start des BER seit 2011 immer wieder verzögert. Nach fast zweiwöchiger Quarantäne-Unterbrechung nehmen die Prüfer des Tüvs am Montag erst wieder ihre Arbeit auf der Baustelle auf.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa