Kolumnen

Clinton sammelt eifrig Spenden Wie wählt die Wall Street?

328D1E00BA532103.jpg7426592768236020424.jpg

Will US-Präsidentin werden: Hillary Clinton.

(Foto: AP)

Die Wall Street klettert oder fällt, je nachdem, wer der nächste US-Präsident wird... so weit, so falsch. Das Gegenteil ist wahr: Die Kursentwicklung an der Wall Street entscheidet darüber, wer der nächste Präsident wird.

Der amerikanische Vorwahlkampf hat begonnen. Während die ersten republikanischen Kandidaten um die Nominierung der "Grand Old Party" buhlen, hat Hillary Clinton für die Demokraten endlich ihren Hut in den Ring geworfen. Man mag sich darüber freuen oder nicht, überrascht war niemand. Denn Kandidatur der früheren First Lady, die als Senatorin für den Bundesstaat New York und als Außenministerin unter Barack Obama eine beeindruckende politische Karriere hinter sich hat, galt als unvermeidlich – ob Clinton den Sprung ins Weiße Haus schafft, ist indes nicht sicher.

Ronald Reagan schrieb 1980 Wahlkampfgeschichte, als er den komplexen politischen Zirkus für den Wähler auf eine simple Frage reduzierte: "Are you better off than four years ago?" – Geht es Ihnen heute besser als vor vier Jahren? Ist es heute einfacher, Dinge zu kaufen als vor vier Jahren? Gibt es mehr Arbeit? Wird Amerika in der Welt respektiert? Reagan traf einen Nerv, die Wähler waren frustriert mit dem Lauf der Dinge und wählten Jimmy Carter nach einer Amtszeit ab.

Obamas Umfrage gut für Clinton

Seit Reagan stellen sich amerikanische Wähler alle vier Jahre die gleiche Frage, und als Faustregel gilt: Geht es Amerika gut, behält die regierende Partei das Weiße Haus. Geht es Amerika schlecht, will der Wähler etwas Neues – "Change" hieß das zuletzt bei Barack Obama.

Zur Zeit geht es Amerika recht gut. In den sechs Jahren unter Barack Obama ist die Arbeitslosigkeit gesunken, es gibt mehr Unternehmensgründungen und weniger Pleiten, mehr Amerikaner sind krankenversichert... und der Dow Jones hat die steilste Rallye aller Zeiten hingelegt. In einer aktuellen Umfrage sagen 50 Prozent der Amerikaner, dass Barack Obama ein erfolgreicher Präsident ist – 47 Prozent bestreiten das ab. Nicht schlecht, und ein gutes Omen für Hillary Clinton.

Und doch: Der demokratischen Kandidatin steht ein harter Wahlkampf bevor, und der wird teuer: Zig Milliarden Dollar fließen alle vier Jahre in die Kampagne um das Weiße Haus, es zahlen großzügige Spender, meist über sogenannte "Political Action Committees".

Hält Clinton Wall Street in Schach

Ein Großteil von Clintons Spendern kommt von der Wall Street.. Die Liste ihrer Unterstützer liest sich wie ein Who-is-Who der amerikanischen Finanzbranche: Citigroup, Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley stehen an der Spitze. Warum mag man Hillary Clinton an der Wall Street? Vermutlich weil sie in ihrer Zeit als Senatorin so ziemlich bei allen Abstimmungen für die Interessen der Finanzbranche stimmte - manchmal im direkten Gegensatz zu früheren Aussagen. 2001 stimmte sie für ein Gesetz, das Banken mehr Rechte beim Konkurs von Kunden zugestehen sollte, als First Lady hatte sie gegen eine ähnliche Vorlage gewettert. Clinton votierte auch für den Bailout der amerikanischen Banken, und sie verpasste regelmäßig Abstimmungen im Parlament, bei denen sie aus politischen Gründen nicht direkt für die Interessen der Wall Street stimmen konnte.

So stellt sich die Frage: Kann man von Hillary Clinton als Präsidentin erwarten, dass sie die Wall Street in Schach hält, sich für Regulierung einsetzt und die amerikanischen Verbraucher schützt? Wohl kaum, meinen viele im demokratischen Lager, die statt der unvermeidlichen Kandidatin lieber die Verbraucherschützerin Elizabeth Warren auf dem Wahlzettel hätten. Die allerdings will nicht antreten, hätte auch das Geld für einen Wahlkampf nicht.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema