Marktberichte

Hoffnung und Ängste Furcht vor "zweiter Welle" drückt Kurse

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Kommt eine zweite Corona-Welle? US-Anleger werden wieder vorsichtiger.

(Foto: picture alliance / dpa)

An der Wall Street kippt die Kauflaune der Anleger: Ein Hochkochen des Handelsstreits zwischen den USA und China ist dafür aber nicht der Hauptgrund. Den liefert stattdessen die Corona-Krise und die Angst vor einer weiteren Infektionswelle.

Furcht vor einer zweiten Coronavirus-Infektionswelle hat die US-Börsen am Dienstag belastet. Nach Einschätzung des US-Gesundheitsexperten Anthony Fauci dauert es noch, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt und auf dem Markt ist. Daher sollte sich der Staat auf die bewährten Maßnahmen und Beschränkungen konzentrieren, um eine Verbreitung des Virus einzudämmen, sagte der Berater von US-Präsident Donald Trump zu Beginn seiner Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des Senats. Fauci warnte auch vor einer zu frühen Lockerung der Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Dies könne nicht nur Menschen, sondern auch die Erholung der Wirtschaft gefährden.

Auch aus Sicht eines führenden Notenbankers der Federal Reserve sollte die Wiedereröffnung der US-Wirtschaft nach den Werkschließungen und Kontakteinschränkungen nicht zu schnell erfolgen. Denn dies könnte zu einer zweiten Infektionswelle führen, warnte der Chef des US-Notenbank-Ablegers von Philadelphia, Patrick Harker. "Das wäre nicht nur eine Gesundheitskatastrophe, sondern würde auch die Erholung ins Gegenteil verkehren", sagte er.

Dow Jones
Dow Jones 24.465,16

Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 1,9 Prozent tiefer bei 23.764 Punkten. Der Nasdaq Composite gab 2,1 Prozent auf 9002 Punkte nach. Der breit gefasste S&P-500 büßte 2,1 Prozent auf 2870 Punkte ein. Auch der Dax schloss tiefer.

Und immer wieder der Handelsstreit

Sorgen bereiteten Börsianern auch die wieder steigenden Infektionszahlen in Ländern wie Südkorea, sagte Analyst Lee Hardman von der Bank Mitsubishi UFJ. "Zwar sind die Fallzahlen relativ gering, sie werfen aber ein Schlaglicht auf den holprigen Weg, der vor der Weltwirtschaft liegt."

Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China tauchten Investoren in ein Wechselbad der Gefühle. Die wieder wachsenden Spannungen lasteten auf der Stimmung, da die Regierung in China offenbar über eine Nachverhandlung des Handelsabkommens mit den USA nachdenke, sagte Hareesh V, leitender Analyst des Brokerhauses Geojit. US-Präsident Donald Trump hatte China zuletzt wegen der Coronavirus-Krise schwere Vorwürfe gemacht und auch Konsequenzen im Handelsstreit angedroht.

Gleichzeitig stellte die chinesische Regierung Ausnahmen von Strafzöllen auf weitere US-Produkte in Aussicht. Parallel dazu betonte das Außenministerium, sowohl die USA als auch China profitierten von dem Handelsabkommen.

GrubHub im Höhenflug

Die Titel von Blackrock gehörten mit einem Minus von fast acht Prozent zu den Verlierern. Der größte Aktionär, die Bank PNC, will beim weltgrößten Vermögensverwalter aussteigen. Offenbar wolle PNC seinen Anteil versilbern, um das Geld für eine größere Akquisition zu nutzen, sagte Analyst Kyle Sanders vom Vermögensverwalter Edward Jones. Die Bank habe schon in der Vergangenheit Börsenturbulenzen für solche Geschäfte genutzt. PNC-Aktien büßten rund zwei Prozent ein.

Übernahmespekulationen bescherten GrubHub dagegen den größten Kurssprung der Firmengeschichte. Die Aktie des US-Essenslieferanten stieg zeitweise um fast 38 Prozent auf 64,40 Dollar. Am Ende stand noch ein Plus von 29 Prozent. Einem Insider zufolge will der Fahrdienst-Vermittler Uber, der mit UberEats auch Essen ausliefert, das Unternehmen schlucken. Dieser Zusammenschluss werde nach einer genauen Prüfung sicher genehmigt, sagte Analyst Robert Mollins vom Research-Haus Gordon Haskett. GrubHub und Uber könnten argumentieren, dass sie nur so aus den roten Zahlen herauskämen. Uber-Aktien gewannen 2,4 Prozent.

Quelle: ntv.de, bad/rts