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Startup-News aus Pause zurück "Gründen ist für viele eine Passion"

Seit mehr als 60 Folgen berichten die Startup News bei n-tv über Neues aus der Szene oder Ideen, die früher keiner hatte. Mit n-tv.de spricht Moderator Etienne Bell über Unternehmen, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind, den Schlüssel zum Erfolg bei einer erfolgreichen Gründung, und wie er und sein Team Unternehmen für die Sendung auswählen.

Welchen Eindruck haben Sie von der Startup-Szene in Deutschland?

Sie ist total vielschichtig und wird immer größer. Wir waren bei kleinen Teams, um die vier, fünf Gründer bis hin zu großen Co-Working-Spaces oder Großraumbüros, wo dreißig, vierzig Leute gearbeitet haben.

Welche Idee fanden Sie besonders spannend?

Das kann ich so nicht sagen. Generell ist es unglaublich faszinierend, was sich die Gründer, die wir getroffen haben, ausdenken. Die Vielschichtigkeit, an was alles gedacht wird, in welche Richtungen die Ideen gehen und vor allem, mit wie viel Herzblut viele dabei sind. Wir haben 2016 in Wien auf einer Cannabis-Plantage gedreht. Mittlerweile ist der Gründer in Köln an einem Startup beteiligt, das den medizinischen Cannabis-Markt in Deutschland beliefern will. Das war schon damals sein Ziel. Sich ein Jahr danach dann wiederzutreffen und über die neuesten Herausforderungen seines Modells zu sprechen, ist schon spannend.

Was ist Ihnen noch besonders im Gedächtnis geblieben?

Wir haben auch mit Gründern gedreht, die ein Exo-Skelett entwickeln. Damit können Querschnittgelähmte wieder laufen. Mit einem Protagonisten zu drehen, der so ein Exo-Skelett nutzt, war unglaublich. Generell fasziniert mich die Alltagstauglichkeit vieler Ideen. Eigentlich alles, was wir in den eineinhalb Jahren gesehen haben, drängt in eine Sparte und erfüllt einen Bedarf, der vorher schon da war, aber für den es keine Lösung gab.

Ist das der Schlüssel zum Erfolg bei einer erfolgreichen Gründung?

Ich glaube schon. Natürlich geht es um die Idee. Aber nicht nur das, sondern der Plan, wie du es umsetzen willst, ist entscheidend. Wir haben viele Gründer getroffen, die sich hemmungslos übernommen haben und mit einer guten Idee gescheitert sind. Sie sind zu schnell gewachsen und haben zu viel Geld verpulvert. Deshalb ist es immer interessant, wenn ein Startup eine tolle Idee hat und noch aus einem kleinen Team besteht.

Wo war das der Fall?

Das war zum Beispiel bei Lilium Aviation so. Die Jungs bauen einen Senkrechtstarter. Quasi eine bemannte Drohne und wollen damit die Zukunft der Luftfahrt revolutionieren. Sie sind ein kleines sympathisches Team. Wir haben für einen Beitrag in ihrer Werkstatt gedreht, da gab es keine teuren Siebträgermaschinen oder Club Mate-Kisten, wie man es aus vielen Startups mit großem finanziellen Background kennt. Diesen Background hat Lilium Aviation zwar auch, man sieht es aber nicht. Und das macht oft den Unterschied aus: Viele, die groß mit schicken Großraumbüros und vielen Mitarbeitern auffahren, gehen oft schneller Pleite als kleine Teams, die voll auf ihre Idee fokussiert sind.

Nach welchen Kriterien wählt ihr Startups für eure Sendung aus?

Das kommt drauf an. Natürlich sind Dinge, die man gut im TV zeigen kann, immer spannend für uns. Ein Startup aus Berlin will zum Beispiel zum Mond fliegen, die haben einen kleinen Rover und eine Raumkapsel vor Ort gehabt. Wir merken auch, dass unsere Zuschauer Startups aus dem Bereich Industrie 4.0. offensichtlich total spannend finden. Das ist auch eine Branche, in der Großunternehmen extrem auf die Hilfe und den Input von Startups setzen, weil sie selber nicht so schnell und frei von Konventionen entwickeln könnten.

Wie kann diese Hilfe aussehen?

Wir haben zum Beispiel mit Gründern in Stuttgart gedreht, die einen Handschuh für die Industrie entwickelt haben. Während Lagerarbeiter die Produkte aus Regalen nehmen, scannt der Handschuh die Zahlencodes ein. Der kommt super an. Viele Traditionsunternehmen wollen diesen Handschuh ausprobieren. Das sind Ideen, die auch unsere Zuschauer interessieren, weil diese Branche einfach ganz viel verändern wird.

Warum ist gründen so angesagt?

Weil man sein eigener Chef sein kann, sagen viele, die wir treffen. Und das ist auch keine abgedroschene Phrase, weil genau darum geht es. Die meisten Gründer, die wir treffen, erzählen, dass sie eine sieben Tage Woche haben, seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht und in Zukunft auch erstmal keinen geplant haben. Dabei sehen sie aber nicht genervt aus, sondern haben meistens ein Lächeln im Gesicht. Gründen ist für viele eine Passion. Dieser Aspekt, schnell Dinge anpacken und verändern zu können, beziehungsweise Prozesse in Gang zu bringen oder wieder zu verwerfen, macht für viele junge Menschen den Reiz aus.

Spielt dabei das Alter der Gründer eine Rolle?

Wir haben mit Anfang 20-Jährigen gedreht, aber auch mit Ende 40-Jährigen. Du merkst aber vor allem bei Jüngeren, dass sie keine Lust haben, in ein großes Unternehmen zu gehen und da dann erstmal ein paar Jahre zu brauchen, bis sie richtig mit anpacken können. Die Jungs und Mädels könnten auf Grund ihres Abschlusses definitiv eine gute Stelle bekommen. Das wollen sie aber nicht. Es ist schon erstaunlich zu sehen, dass in Deutschland mittlerweile so eine Mentalität entstanden ist.

Quelle: n-tv.de

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