Frage & Antwort

Gefahr durch Hitzewellen Ab welcher Temperatur wird es tödlich?

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Durch Schwitzen kühlt sich der Körper herunter. Doch unter bestimmten Bedingungen wird das immer schwieriger.

(Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Blend Images)

Bei Hitzewellen gerät der menschliche Körper an sein Limit. Aber ab welcher Temperatur wird es auch für gesunde Menschen lebensgefährlich? Ein weiterer Faktor hat darauf entscheidenden Einfluss - erst durch ihn wird Hitze zur tödlichen Gefahr.

Der Klimawandel lässt die Temperaturen auch in Deutschland steigen. Zuletzt wurde das Land 2018 und 2019 von Hitzesommern und neuen Höchstwerten heimgesucht. Der aktuelle Temperaturrekord liegt mittlerweile bei 41,2 Grad. Der Klimawandel dürfte in Zukunft noch weitere Höchstwerte bringen. Welche Temperatur hält ein gesunder Mensch maximal überhaupt noch aus?

Um zu überleben, muss der Mensch seine Körpertemperatur bei 37 Grad Celsius halten, auf der Haut sind es etwa 33 bis 34 Grad. Steigt die Temperatur dauerhaft darüber, wird es lebensgefährlich. Welchen Wert muss das Thermometer dafür anzeigen? Das kommt ganz darauf an. Unter bestimmten Umständen können 35 Grad Lufttemperatur nach einigen Stunden tödlich sein. Doch unter anderen Umständen lässt es sich bei 50 Grad gut leben.

Der entscheidende Faktor dabei: die Luftfeuchtigkeit. Je niedriger sie ist, desto höhere Temperaturen erträgt der Mensch. Denn unser Körper kann dann einen Trick nutzen, der den Körper ausreichend abkühlt: Er schwitzt. Der Schweiß verdunstet auf der Haut, wodurch angenehme Verdunstungskälte entsteht. In trockener Wüstenluft sind daher auch hohe Temperaturen kein Problem. Doch je höher die Luftfeuchtigkeit, desto schlechter funktioniert diese natürliche Klimaanlage. In tropischen Gefilden mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit werden daher bereits Temperaturen in den 30ern unerträglich.

Die tödliche Grenze

Ab welcher Kombination von Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit wird es gefährlich? Aus beiden Faktoren lässt sich die Kühlgrenztemperatur ableiten - sie entsteht durch die Verdunstung des Schweißes auf der Haut. Nur wenn die Kühlgrenztemperatur deutlich unterhalb der Hauttemperatur liegt, kann der Körper genügend Wärme an die Umgebung abgeben. Über einem gewissen Wert ist das nicht mehr möglich - die Klimaforscher Steven Sherwood und Matthew Huber hatte diesen für die Kühlgrenztemperatur im Jahr 2010 bei 35 Grad festgelegt.

Das bedeutet: Selbst wenn sich ein kerngesunder Mensch unter diesen Bedingungen im Schatten aufhält und unbegrenzt Wasser zur Verfügung hat, wird er nach einigen Stunden an Überhitzung sterben. Eine Studie aus dem Frühjahr 2022 ermittelte bei Versuchen mit jungen, gesunden Testpersonen eine noch niedrigere Schwelle bei etwa 31 Grad Kühlgrenztemperatur. Für ältere Menschen, die anfälliger sind für Hitze, dürfte diese sogar noch tiefer liegen, schrieben die Autoren.

Aber woher weiß man, welche Kühlgrenztemperatur an einem Hitzetag bevorsteht? Eine sehr bequeme Lösung ist der Online-Rechner Omnicalculator. Dort können beliebige Werte für Lufttemperatur und -feuchtigkeit eingegeben werden, woraus die Kühlgrenztemperatur ermittelt wird. Praktischerweise warnt der Rechner den Nutzer gleich, sollte das Ergebnis im kritischen Bereich liegen.

Und das zur Beruhigung: Bisher wurden potenziell tödliche Kühlgrenztemperaturen nur in bestimmten subtropischen Regionen der Erde gemessen, und dann auch nie länger als ein bis zwei Stunden. Betroffen waren bisher etwa Indien und Pakistan, der Nahe Osten und die südwestlichen Küstengebiete Nordamerikas, wie eine Analyse von Wetterdaten der Jahre 1979 bis 2017 ergab. Allerdings gehen Experten davon aus, dass Dauer und Häufigkeit dieser Hitze-Todeszonen mit dem Klimawandel zunehmen werden.

Auch Hitzewellen in Deutschland gefährlich

Aber auch in Deutschland kann Hitze für Menschen zur tödlichen Gefahr werden. Die Zahl der Hitzetoten pro Jahr schwankt zwischen einigen Hundert und vielen Tausend. Gefährdet sind hierzulande vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und kleine Kinder, die besonders sensibel auf hohe Temperaturen reagieren. Der Biometeorologe Andreas Matzarakis betont jedoch gegenüber ntv.de, dass alle Menschen bei einer Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Vorsichtsmaßnahmen ergreifen sollten. "Das ist eine Situation, die jeden betrifft."

Hitzewarnungen werden vom DWD ausgegeben, wenn eine starke Wärmebelastung für mindestens zwei Tage in Folge vorhergesagt wird. Wie sollte man sich dann verhalten? Die pralle Sonne meiden, viel Flüssigkeit zu sich nehmen und leicht essen, so Matzarakis, der das DWD-Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung in Freiburg leitet. "Manche machen den Fehler, im Biergarten bei hohen Temperaturen schweres Essen zu sich nehmen. Dabei muss der Körper aber mehr Energie aufwenden, wodurch sich auch die Körpertemperatur erhöht."

Auch Aktivitäten wie Joggen sollten bei Hitze vermieden und die Innenräume durch Abdunkeln kühl gehalten werden. Lüften sollte man erst, wenn es draußen kühler ist als im Inneren. "Und achten Sie auf Ihre Mitmenschen", empfiehlt Matzarakis. Jeder sollte ein Auge auf ältere Nachbarn haben - und in Notlagen medizinische Hilfe holen.

(Dieser Artikel wurde am Samstag, 18. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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