Frage & Antwort

Immunisierung gegen Covid-19 Kann Alkohol die Impfwirkung stören?

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Im Zusammenhang mit einer Covid-19-Impfung sollte Alkohol lediglich als desinfizierendes Mittel für die Haut zum Einsatz kommen.

(Foto: imago images/Andia)

Manche freuen sich so sehr über ihre Corona-Impfung, dass sie danach am liebsten mit einem oder auch zwei Gläschen darauf anstoßen würden. Aber ist das wirklich eine gute Idee oder können durch alkoholhaltige Getränke die gewünschten Impf-Effekte nachlassen?

Zu der Frage nach den Effekten von Alkohol auf die Wirksamkeit einer Covid-19-Impfung gibt es derzeit keine belastbaren wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse. Die verschiedenen Impfstoffe sind noch zu jung, die Liste der zu untersuchenden Fragen noch zu lang. Bekannt ist aber: Alkohol schwächt das Immunsystem. Dieser Effekt entsteht, weil Alkohol, der relativ schnell ins Blut gelangt, die weißen Blutkörperchen lähmt. Diese sind auch als Fresszellen oder Leukozyten bekannt und wichtige Bestandteile bei der komplexen Bekämpfung von Krankheitserregern. Und: Je höher der Promillewert im Blut ist, umso schwächer werden die Abwehrkräfte.

Und genau um diese geht es bei der Immunisierung durch die verschiedenen Impfstoffe gegen Covid-19. Entweder werden mit den Vektorimpfstoffen kontrollierte Mini-Infektionen im Körper ausgelöst oder der Körper mit Teilen des genetischen Bauplans des Erregers konfrontiert. In beiden Fällen soll die Arbeit des Immunsystems gezielt angekurbelt werden. So sollen beispielsweise Antikörper gebildet werden, die Sars-CoV-2 bekämpfen und neutralisieren. Gleichzeitig soll die Information, wie der Körper gegen den Erreger vorgeht, gespeichert werden. So kann er optimal auf zukünftige Infektionen mit dem Erreger vorbereitet und geschützt werden.

Alkohol würde bei diesen Abläufen nicht nur stören, sondern den Körper zusätzlich belasten. "Alkohol stört die Immunwege auf komplexe und scheinbar paradoxe Weise", schreiben die Forscherinnen und Forscher zu den Ergebnissen ihrer Untersuchung, die bereits 2015 im Fachjournal "Alcohol Research" veröffentlicht wurden. Mediziner hätten demnach seit Langem einen Zusammenhang zwischen übermäßigem Alkoholkonsum und nachteiligen immunbedingten Auswirkungen beobachtet. Dazu gehören beispielsweise die Anfälligkeit für eine Lungenentzündung, Blutvergiftung, Lebererkrankung und bestimmten Krebsarten.

Eine Woche lang abstinent

Schon vor der Covid-19-Pandemie rieten Ärzte, nach einer Impfung möglichst auf Alkohol und starke körperliche Belastungen ganz zu verzichten. Manche empfahlen Abstinenz und Schonung für eine ganze Woche danach. Das wurde von einigen als übertrieben und als übervorsichtig wahrgenommen. Doch hinter dieser Empfehlung steckt das Wissen, dass jede Art der Immunisierung eine besondere Herausforderung für das Immunsystem darstellt.

Alkoholkonsum wäre dann eine zusätzliche Belastung für den Körper - und könnte sogar die Nebenwirkungen von Impfungen verstärken oder vernebeln. "Das ist ganz sicher eine gute Empfehlung. Wir wissen, dass Alkohol die Nebenwirkungen von Medikamenten stärken kann, und wir wissen jetzt schon von dem Biontech-Impfstoff, dass da eine der Nebenwirkungen Kopfschmerzen ist", erklärte der Hygieniker Dr. Georg-Christian Zinn noch vor Beginn der Impfungen in Deutschland gegenüber ntv.de.

Da es immer mal wieder zu unerwünschten Nebenwirkungen bei Impfungen kommen kann, ist der Griff zur Flasche weder davor noch danach empfehlenswert. Denn zum einen könnten Betroffene dann vielleicht nicht mehr unterscheiden, ob es sich bei einem Symptom um eine Impfnebenwirkung oder um Wirkungen des Alkohols handelt - und dementsprechend darauf reagieren. "Wenn es wirklich mal zu einer Nebenwirkung kommt und ich bin benebelt durch Alkohol, dann kann ich mich auch nicht rechtzeitig melden", erklärt Zinn weiter. Wer sich nach einer Impfung schlecht fühlt, sollte auf gar keinen Fall versuchen, die Symptome mit etwas Alkoholischem zu betäuben, sondern sich bei einem Arzt melden.

Es kommt auf den Impfstoff an

"Die genauen Effekte von Alkohol auf die Wirksamkeit von Impfstoffen unterscheiden sich von Impfstoff zu Impfstoff" schreibt die Barmer Krankenkasse dazu. So wirkten Injektionen gegen Hepatitis A und Hepatitis B trotz starken Alkoholgenusses ähnlich gut wie bei nüchternen geimpften Probanden. Hingegen könne das Genussgift die Wirkung einer Pneumokokkenimpfung schmälern: "In einer Studie produzierte das Immunsystem von Alkoholkranken weniger Antikörper als das von Gesunden. Daher die klare Empfehlung: Trinken Sie in den ersten Tagen nach einer Impfung möglichst gar keinen Alkohol. Oder Sie trinken lediglich ein Glas Wein oder Bier. Denn der Körper kann nach einer Impfung schlechter Antikörper bilden, wenn er damit beschäftigt ist, den Alkohol abzubauen", fasst die Krankenkasse zusammen.

Doch wie lange sollte man denn nun auf Wein und Bier bei einer Covid-19-Impfung verzichten? Auch zu dieser Frage fehlt es bisher an wissenschaftlichen Daten. Allerdings hatte die Empfehlung der Ärztin Anna Popowa bereits im Dezember 2020 für Wirbel gesorgt. Die oberste Gesundheitsbeauftragte Russlands empfahl eine strikte Alkoholpause vor und nach der Impfung von insgesamt 56 Tagen. So sollte zwei Wochen vor und 42 Tage nach der ersten Spritze kein Alkohol angerührt werden, so die russische Amtsärztin zum Beginn der Sputnik-V-Impfungen. Die Begründung: Sonst könnten weniger Antikörper gebildet werden. Das schien wohl ein unvorstellbar langer Zeitraum zu sein in einem Land, in dem übermäßiger Alkoholkonsum noch immer für den Tod von 70 Prozent der Männer im erwerbsfähigen Alter verantwortlich ist.

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Alexander Ginzburg, der das Moskauer Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie leitet, an dem das Vakzin Sputnik V entwickelt wurde, hält hingegen drei Tage Alkoholverzicht nach jeder Injektion für völlig ausreichend, wie einheimische Medien berichten. Wer immer noch unsicher ist, der sollte sich vor der Covid-19-Impfung Rat bei seinem Haus- oder Impfarzt holen.

Übrigens: Weder in den Aufklärungsbögen noch in den Faktenblättern zu den Covid-19-Schutzimpfungen, die das Robert-Koch-Institut online zur Verfügung steht, kann man etwas zum Konsum alkoholischer Getränke im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung erfahren. Auch im Anamnesebogen wird nicht gefragt, ob jemand vor einer Impfung Alkohol getrunken hat.

Quelle: ntv.de

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