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Mercedes-Chef Dieter Zetsche in Detroit.
Mercedes-Chef Dieter Zetsche in Detroit.(Foto: Holger Preiss)

Mercedes-Chef Zetsche im Interview: Ein Hypercar für den Erfolg

Mit zwei Millionen verkauften Fahrzeugen weltweit und einer zweistelligen Wachstumsrate im vergangenen Jahr hat sich Mercedes als Premiummarke vor Audi und BMW gesetzt. Mit Mercedes-Chef Dieter Zetsche sprach n-tv.de am Rande der Detroit Auto Show über den Erfolg, ein Hypercar, die Elektromobilität und über Emotionen.

n-tv.de: Herr Zetsche, wann wussten Sie, dass Sie die Nummer 1 vor Audi und BMW sein werden?

Dieter Zetsche: Im November 2016 war absehbar, dass sich dieser Vorteil in den Verkaufszahlen nicht mehr drehen wird.

Ist das Hypercar, das 2018 in einer limitierten Auflage von 250 Stück kommt, auch ein Geschenk an Sie selbst für den Erfolg, den das Unternehmen hat?

Einen ersten Ausblick auf das Hypercar gibt AMG-Chef Tobias Moers auf der NAIAS in Detroit.
Einen ersten Ausblick auf das Hypercar gibt AMG-Chef Tobias Moers auf der NAIAS in Detroit.

Weder aus ethischen noch aus rechtlichen Gründen kann ich mir selber ein solches Geschenk machen. AMG hat in den letzten Jahren wesentlich zum Erfolg der Marke Mercedes beigetragen und sie auch sportlich definiert. Nicht ohne Grund haben wir uns damals entschieden, dass unser Formel-1-Team ein AMG-Team wird. Um diesen Umstand und natürlich auch den Erfolg in der Formel 1 weiter nach außen zu tragen, wollen wir einen echten Formel-1-Motor in ein Formel-1-nahes Chassis integrieren. Das wiederum ist dann auch der Beweis, dass das physische Zusammenspiel der Komponenten in diesem Bereich funktioniert.

Im Portfolio von Mercedes sind inzwischen sieben Cabrios - ist das nicht etwas viel?

Ich glaube, wir haben insgesamt ein recht gut aufgefächertes Portfolio. Und da Cabrios bis zu einem gewissen Maße Ableitungen von unseren Coupés sind, ist es relativ einfach, diese Fahrzeuge aufzulegen. Ob wir in Zukunft noch genauso viele Cabrios im Programm haben werden, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Letztlich sind unsere Cabrios dazu da, die Marke attraktiv zu halten und Emotionen zu schüren. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Mercedes von der Emotion lebt. Letztlich muss sich jedes Auto aber auch verkaufen. Wenn das nicht mehr der Fall ist, dann haben wir kein Problem, uns wieder von einem zu verabschieden.

SUV sind im Trend. Selbst bei den Kleinstwagen bieten immer mehr Hersteller diese Fahrzeuge an. Können Sie sich vorstellen, bei Smart ein SUV anzusiedeln?

Das Portfolio von Mercedes ist nach Ansicht von Dieter Zetsche gut aufgefächert.
Das Portfolio von Mercedes ist nach Ansicht von Dieter Zetsche gut aufgefächert.

Das Raumkonzept mit dem Heckmotor im Smart ist limitiert. Das hat uns bis jetzt davon abgehalten, hier in die SUV-Richtung zu denken und es gibt diesbezüglich auch keine Pläne.

Wird es bei Mercedes in Zukunft Wasserstoffautos geben?

Ende diesen, Anfang nächsten Jahres werden wir eine vierstellige Serienproduktion von Brennstoffzellen-Fahrzeugen in den Markt bringen. Die stehen dann aber nicht in allen Verkaufshäusern und jeder, der will, kann eines kaufen. Das Thema hat für uns im Augenblick eher einen kommunikativen Charakter. Im Moment geht die Entwicklung mehr in Richtung der batterieelektrisch getriebenen Fahrzeuge, auch weil der angenommene Vorteil der Brennstoffzelle mit Blick auf die Entwicklung der Akkus wesentlich kleiner geworden ist, als wir es noch vor einiger Zeit vermutet haben. In zehn Jahren kann das wieder ganz anders aussehen. Das hängt aber im Wesentlichen davon ab, ob die Speicherung von regenerativem Strom in Zukunft per Wasserstoff stattfindet.

Sie haben mal gesagt: "Mit der Elektromobilität ist es wie mit einer Flasche Ketschup - man weiß nie, wann und wie viel kommt". Ist das tatsächlich Ihre Meinung zu dem Thema?

Mercedes wird noch in diesem Jahr ein Wasserstoffauto bringen.
Mercedes wird noch in diesem Jahr ein Wasserstoffauto bringen.

Wir erwarten, dass wir zwischen 2020 und 2025 mit Blick auf den Gesamtabsatz unserer Fahrzeuge fünf Prozent mit E-Antrieb absetzen werden. Das ist aber eine Setzung, die einen Idealzustand beschreibt. In der Realität werden sich Elektrofahrzeuge dann verkaufen, wenn sie den Verbrennern ebenbürtig sind. In den Eigenschaften sind sie das zu Teilen schon, an Preis und Reichweite arbeiten wir noch. Wann der Punkt erreicht ist, dass alle Komponenten zusammenspielen, kann an dieser Stelle aber einfach nicht gesagt werden.

Wird es, wenn der Punkt erreicht ist, auch Elektroautos mit dem Label AMG geben?

Wir sind jetzt 50 Jahre mit AMG unterwegs und wenn wir mal einen Blick nach vorne werfen, ist es einfach undenkbar, dass AMG in 50 Jahren nicht auch elektrisch bestimmt ist. Insofern ist auch dort lediglich die Frage, wann es so weit ist und wie lange noch Parallelwelten laufen.

Und wo bleibt beim Elektroantrieb die Emotionalität?

Die Emotionalität haben wir bisher immer an bestimmten Themen festgemacht. Auch unsere Kundschaft ist inzwischen nicht mehr aufgeregt, wenn zum Beispiel der Renault- basierte Gemeinschaftsmotor unter der Haube ist, den wir bei unseren Kompakten einsetzen. Für die Emotionen spielt der Antrieb eine wesentlich geringere Rolle, als wir alle glauben. Ich bin mir sicher, dass wir Emotionen auch in Zukunft mit dem Gesamtprodukt Mercedes transportieren werden und natürlich müssen. Andernfalls ist unsere Marke irgendwann irrelevant.

Mit Dieter Zetsche sprach Holger Preiss

Quelle: n-tv.de

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