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Groß wie ein Van und flach wie ein Sportwagen präsentiert sich der Nio Eve.
Groß wie ein Van und flach wie ein Sportwagen präsentiert sich der Nio Eve.

Das Blaue vom Himmel: Nio Eve - von und für Weltverbesserer?

Mit dem elektrischen Supersportwagen EP9 hat Nio gezeigt, wie man sich die Zukunft vorstellt. Nun enthüllt das Startup beim Innovationsgipfel South by Southwest den Vorläufer eines Massenmodells. Der Umwelt verpflichtet und völlig selbstlos?

Der Gedanke mag schön sein, recht glaubhaft klingt er nicht. Der chinesische Internet-Milliardär Wiliam Li will die Welt ein kleines bisschen besser machen: Wo andere Fahrzeughersteller nur ihren eigenen Gewinn im Sinn haben, denkt er an das große Ganze. Deshalb hat Li seine Automarke auch "Nio" genannt, was in seiner Muttersprache für den blauen Himmel steht, den wir bald alle sehen werden.

Vor gut einem Jahr wurde der Elektrosportwagen EP9 mit 1360 PS auf der CES in Las Vegas präsentiert.
Vor gut einem Jahr wurde der Elektrosportwagen EP9 mit 1360 PS auf der CES in Las Vegas präsentiert.

Die logische Folge ist, dass der Mann nach dem ausgesprochen egoistischen Elektro-Supersportwagen EP9 nun ein Auto präsentiert, das tatsächlich nicht nur für die Fahrt gemacht ist, sondern buchstäblich zum Weggefährten in der digitalen Welt werden soll: En Auto, das unsere Wünsche antizipiert und unser Wohlgefühl steigert. "Denn wir denken Mobilität nicht von A nach B, sondern von A bis Z", sagt Designchef Kris Tomasson und zieht das Tuch von einem Showcar, bei dem das Fahren zur Nebensache und das Ankommen zum notwenigen Übel werden. Nicht umsonst übernimmt diesen Job natürlich der Autopilot.

Mehr Platz als im Privatjet

Die neuen Prioritäten erkennt man bereits an der Sitzordnung. Die beiden Plätze in der ersten Reihe sind eher schlicht. Können sie auch sein, denn Lenkrad und Pedale sind ohnehin die meiste Zeit in den knappen Konsolen verborgen. Auch der Blick wird nicht von einem Cockpit blockiert Wie bei einem Helikopter kann man hier ungehindert das volle Panorama erfassen. Im Fond lümmelt man auf einem üppigen Ledersofa mit integriertem Schlafsessel und treibt auf Wunsch Konversation mit zwei weiteren Insassen, die entgegen der Fahrtrichtung auf eigenen, mit den Vordersitzen verschmolzenen Sesseln sitzen.

Große Schiebetüren sollen einen bequemen Einstieg in den Nio Eve ermöglichen.
Große Schiebetüren sollen einen bequemen Einstieg in den Nio Eve ermöglichen.

Für den bequemen Zustieg gibt es zwei riesige Schiebetüren, die ebenfalls gegen die Fahrtrichtung öffnen. Und für den ungehinderten Ausblick gibt es ein transparentes Dach und riesige Scheiben, die fast ohne Karosseriesäulen auskommen. Das wie ein flacher Van gezeichnete Auto misst mit 5,20 Metern etwa so viel wie eine konventionelle Luxuslimousine. Allerdings bietet es bei 3,52 Metern Abstand zwischen den 26-Zoll-Rädern mehr Platz als ein Privatjet. Erst recht, weil es eben keinen Zwölfzylinder hat, sondern zwei kompakte E-Motoren an jeder Achse und statt eines riesigen Tanks eine Lithium-Ionen-Zelle im topfebenen Wagenboden.

Keine Details über die Technik

Während Nio bei seinem Supersportwagen detailliert über die Technik spricht und stolz mit Eckdaten wie den 1360 PS, dem Sprintwert von 2,8 Sekunden, der Spitzengeschwindigkeit von 360 km/h und seinen Rekordzeiten auf den Rennstrecken in Europa und Amerika prahlt, verlieren die Chinesen über die Fahrleistungen ihres Wohnzimmers für Weltverbesserer kein Wort. Selbst die Reichweite geben sie nur vage mit "mehr als 1000 Kilometern" an.

Im Fond des Nio Eve kann der Fahrgast auch ein gepflegtes Nickerchen machen.
Im Fond des Nio Eve kann der Fahrgast auch ein gepflegtes Nickerchen machen.

Erstens, weil es der Eve eben eher Lebensraum als Luxuslimousine ist, der Weg zum Ziel wird und sich niemand fürs Ankommen interessiert, wenn Nomi, das Herz und Hirn des Wagens, alle Wünsche im vorauseilenden gehorsam erfüllt und sich automatisch auf die Stimmungen der Insassen einstellt. Und zweitens, weil es ohnehin noch drei Jahre dauert, bis die Studie zunächst ausschließlich für den US-Markt in Serie geht. "Und leider werden wir nicht alle Ideen aus dem Showcar in die Produktion retten können", muss Designer Tomasson einräumen. Wer jetzt glaubt, dass Li das Auto nur aus Liebe zur Natur zum Selbstkostenpreis abgeben wird, der dürfte sich aber gewaltig geschnitten haben.

"Designed in Germany"

Wenn der Luxus-Gleiter in drei Jahre in den USA an den Start gehen wird und in Europa im Jahr 2025, dann wird er auch eine ordentliche Stange Geld kosten. Wieviel verrät der Chinese natürlich noch nicht, aber vorzugsweise wird man sich wohl den Preisen des direkten Konkurrenten Tesla anpassen.

Eigentlich könnte man Eve aus heimischer Perspektive fürs erste geflissentlich ignorieren. Doch viel eher muss man dem Team die Daumen drücken. Denn auch wenn das Geld aus China kommt, die Fabrik in Shanghai steht und die Software fürs autonome Fahren im Silicon Valley geschrieben wird, hat das Auto im Grunde sogar deutsche Wurzeln. Schließlich sitzen über 100 der mittlerweile 2000 Nio-Mitarbeiter in München und entwickeln dort nicht nur die Marke, sondern verantworten auch das Design. Deshalb werben die Chinesen ganz offiziell mit einem Gütesiegel, das man bei einem US-Auto aus Shanghai nun wirklich nicht erwartet hätte: "Designed in Germany".

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Quelle: n-tv.de

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