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1992 galt der Subaru SVX als einer der innovativsten Sportwagen auf dem Markt.
1992 galt der Subaru SVX als einer der innovativsten Sportwagen auf dem Markt.(Foto: Walter Tillmann)
Montag, 12. Juni 2017

Futuristisch in die Neunziger: Subaru SVX - Porsche-Konkurrent wird 25

Von Axel F. Busse

Um als automobiles Kulturgut mit einem "H"-Kennzeichen geadelt zu werden, fehlen dem Subaru SVX noch fünf Jahre. Seinen Exoten-Status wird ihm aber bis dahin niemand streitig machen. Vor 25 Jahren kam der Porsche-Konkurrent in Deutschland auf den Markt.

Schon damals galt für den Subaru SVX: Nur Fliegen ist schöner.
Schon damals galt für den Subaru SVX: Nur Fliegen ist schöner.(Foto: Walter Tillmann)

Konzept-Fahrzeuge und Prototypen gehören zur Grundausstattung jedes Automobil-Salons, weshalb die Aufregung sich in Grenzen hält, wenn ein Hersteller, der sonst eher für solide Hausmannskost bekannt ist, seinen Messestand mit einer gewagten Design-Studie garniert. Nur die wenigsten dieser Hingucker schaffen es bekanntlich bis auf die Straße. Umso größer das Erstaunen, als Subaru 1992 den futuristischen Entwurf des italienischen Blech-Couturiers Giorgetto Giugiaro fast unverändert in die Serie übernahm. Das Modell SVX gehört zu den fast vergessenen Kostbarkeiten einer Marke, die damals seit noch nicht einmal 40 Jahren Autos baute.

Subaru ist der japanische Name des Sternbilds der Plejaden und als das Unternehmen Fuji Heavy Industries seine Autosparte aufmachte, war an ein Hochleistungscoupé mit erlesenem Komfort noch lange nicht zu denken. Heute hat die Marke in Deutschland bei Rallye-Fans oder Jagd-Freunden einen soliden Ruf, gehört aber mit rund 0,2 Prozent Marktanteil nicht gerade zu den Schwergewichten in der Zulassungsstatistik. Die ersten Erzeugnisse der Firma waren nicht zum Fahren, sondern zum Fliegen gedacht und als stilistische Anleihe aus dem Sportflugzeugbau war wohl das Detail des Subaru SVX zu verstehen, das ihn so einzigartig machte.

Jet-Kanzel statt Coupé-Blechdach

Statt harter Sportschalen offerierte Subaru für den SVX sportliche Luxussitze.
Statt harter Sportschalen offerierte Subaru für den SVX sportliche Luxussitze.(Foto: Walter Tillmann)

Eine spezielle Biegetechnik war nötig, um Front-, Seiten- und Heckscheiben zu einer Kuppel zu verschmelzen, die wie eine Flugzeugkanzel aussah. Die Glasflächen an der Seite waren zu groß, um sie vollständig in den Türen und Flanken zu versenken. Die Teilung der Scheiben und der zusätzliche schwarzen Rahmen verstärkten den optischen Eindruck einer Kampfjet-Kuppel noch. Doch auch an den übrigen Fahrzeugteilen war das Design seiner Zeit weit voraus. Extrem schmal fielen Kühleröffnung und Scheinwerfergläsern aus. Heute wundert sich über solche stilistischen Kunstgriffe niemand mehr, Anfang der Neunziger war das unerhört.

So verwegen die Optik, so selbstbewusst war auch die Technik. Wo gab es sonst einen mehr als drei Liter großen Alu-Boxermotor mit über 200 PS und Multipoint-Einspritzung? Der einzig nahe liegende Vergleich führt zu Porsche. Deren 911 Carrera hatte in der damals aktuellen Baureihe 964 ebenfalls einen Sechszylinder-Boxer, der 250 PS leistete. Den Reisekomfort eines ausgewachsenen Gran Tourismo nebst 240 Litern Kofferraum konnte der aber nicht bieten. Überdies glänzte der Subaru mit einem elektronisch geregelten Allradantrieb, der je nach Bedarf bis zu 90 Prozent der Kraft an eine Achse leiten konnte. Ein Spurtvermögen von 8,6 Sekunden auf 100 km/h sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern ließen keinen Zweifel an seinen sportlichen Ambitionen aufkommen. So viel Fitness verlangt angemessene Pflege: Der Hersteller empfahl alle 2500 Kilometer einen Ölwechsel.

Der Alu-Boxermotor im Subaru SVX leistet 230 PS.
Der Alu-Boxermotor im Subaru SVX leistet 230 PS.(Foto: Walter Tillmann)

Wer heute das Glück hat, einen SVX fahren zu dürfen, ist erstaunt über das hohe Komfortniveau, das bis auf die damals noch nicht erfundenen Fahrassistenten alles bietet, was auch heute ein Coupé der Luxusklasse auszeichnet. Lenkradverstellung, elektrisch verstellbare Außenspiegel, elektrische Sitzverstellung und elektrisches Schiebedach, beheizbare Polster, Klimaautomatik, Soundsystem, Durchladeeinrichtung. Da in den Neunzigern noch Radiogeräte mit normierten Abmessungen üblich waren, die eine große Anziehungskraft auf Autoknacker und Diebe ausübten, griff man bei Subaru zu einem Trick. Hinter einer Abdeckung in der Mittelkonsole, die sich bei Druck sanft gedämpft öffnete, war die Audio-Anlage verborgen, zu der auch ein Kassettenspieler gehörte.

Überzeugendes Statement als Cruiser

Während heute Innendesigner Holzverkleidungen entwerfen, die so aufwendig geschliffen, poliert und glanzlackiert werden, dass sie wie Plastik aussehen, stand man vor 25 Jahren zum Kunststoff-Zeitgeist – nicht ohne die Bakelit-Ästhetik mit großflächigen Ornamenten in Vogelahorn-Optik zu veredeln.

Der Subaru SVX verzichtet auf sportliche Straffheit.
Der Subaru SVX verzichtet auf sportliche Straffheit.(Foto: Walter Tillmann)

Dem GT-Konzept folgend, muss man sich nicht in schmal geschnittene Sportschalen zwängen, sondern gleitet auf breite Ledersessel. Den Platz zwischen Fahrer und Beifahrer beanspruchen die Hebel für die Viergang-Automatik und die Handbremse komplett für sich. Ihren Bedarf an Getränkehaltern hatten offenkundig noch nicht genug Kunden artikuliert. Der Zustieg nach hinten fällt konzeptbedingt beschwerlich aus, ist man aber erst einmal drin, kann man entspannt die helle und freundliche Atmosphäre genießen.

Erstaunlich ruhig geht es während der Fahrt zu und selbst, wenn der Boxer gefordert wird, hält er sich mit Missfallenskundgebungen zurück. Die Gasannahme fällt erwartungsgemäß nicht ganz so spontan und unmittelbar aus, wie man es von heutigen Sportcoupés kennt, aber ein überzeugendes Statement als cooler Cruiser kann der SVX jederzeit abgeben. Der Geradeauslauf ist vorbildlich, enge Kurven geht man besser mit Respekt an, will man nicht eine Seitenneigung riskieren, die der Flugzeug-Tradition des Herstellers Ehre machte. Etwaiger sportlicher Straffheit setzt der Subaru-Überflieger eine weiche und kuschelig-kommode Abstimmung des Fahrwerks entgegen.

Der nostalgische Ausflug in die Neunziger mündet in die Frage: Warum hat es nicht funktioniert? Der SVX vermochte zwar sportliche Fahrleistungen mit einem hohen Komfort zu verbinden, doch Marken-Image und Kaufpreis waren nicht zur Deckung zu bringen. 73.530 D-Mark verlangte Subaru bei der Einführung in Deutschland, auch dieser Wert durchaus konkurrenzfähig zum Porsche. Wie viele von den 854 hierzulande verkauften Exemplaren noch fahrfähig sind, ist nicht bekannt. Die Liebhaber dürften ihre SVX aber eisern festhalten, denn sie wissen, dass er das Potenzial zu einem gefragten Oldtimer hat.

Quelle: n-tv.de

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