Politik
Angela Merkel am Sonntag im ARD-Interview
Angela Merkel am Sonntag im ARD-Interview(Foto: dpa)
Montag, 17. Juli 2017

"Ist doch schön": Die Methode Merkel in einem Satz

Ein Kommentar von Hubertus Volmer

Während SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sich im Wahlkampf abstrampelt, schwebt Angela Merkel über dem Parteiengezänk. Am Sonntag sagt sie einen Satz, der ihre Strategie exakt auf den Punkt bringt.

Für die SPD muss der Wahlkampf frustrierend sein. Jede ihrer Attacken wird von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Schulterzucken beantwortet, während alle übrigen Politiker von CDU und CSU mit voller Wucht zurückschlagen. Inhaltliche Vorstöße der SPD stellt die Union als lächerlich, alt oder gefährlich dar. Merkel tut derweil so, als gebe es gar keine gravierenden Differenzen zwischen den Koalitionspartnern.

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Wie schon in früheren Wahlkämpfen weigert sich Merkel, auf Konfrontation zu gehen. Im Interview mit der ARD am Sonntag sagte die Kanzlerin einen Satz, der ihre Methode auf den Punkt bringt. Moderator Thomas Baumann hatte zuvor gesagt, sowohl die Kanzlerin als auch der SPD-Kanzlerkandidat hätten den Rückstand Deutschlands bei der Digitalisierung beklagt. "Es gibt aber einen Unterschied zwischen Martin Schulz und Ihnen", so Baumann weiter. "Sie sind seit knapp zwölf Jahren Regierungschefin. Haben Sie sich da Versäumnisse vorzuwerfen?"

Merkels Antwort: "Nein, aber wir müssen einfach feststellen, dass andere noch schneller sind." Dann verweist sie darauf, dass die Große Koalition "unglaublich viel mit der digitalen Agenda auf den Weg gebracht" habe. Dabei erwähnt sie ausdrücklich auch Vertreter der SPD. Mit Blick auf ihre weiteren Pläne sagt sie dann den Satz, der die Methode Merkel zusammenfasst: "Und es ist doch schön, wenn es sich deckt mit dem, was die SPD auch will."

Merkel entwaffnet die SPD

Ähnlich hatte Merkel eine Woche zuvor auf einen Angriff von Sigmar Gabriel reagiert. Der Außenminister hatte gesagt, der G20-Gipfel sei ein "totaler Fehlschlag" gewesen und der Wahlkampf der Union gegen die SPD sei geeignet, "die politische Kultur auf viele Jahre hin zu vergiften". Merkel wies diese Kritik nicht etwa zurück, sondern sagte, sie habe sich gefreut, dass der Außenminister Sigmar Gabriel sie nach Hamburg begleitet hat, und sie glaube, er habe "mit zum Erfolg dieses Gipfels beigetragen". Ein solcher Satz ist im wahrsten Sinne des Wortes entwaffnend.

Vor einem Monat warf Schulz Merkel einen "Anschlag auf die Demokratie" vor. Seine Empörung mag überzogen gewesen sein, aber sie ist nachvollziehbar: Gegen den arbeitsteiligen Wahlkampf der Union - präsidiale Kanzlerin, angriffslustige Partei - hat die SPD bislang kein Rezept gefunden. Doch so verständlich der Frust der Sozialdemokraten ist: Die Methode Merkel ist völlig legitim. Mag sein, dass sie die Wähler einlullt, die der SPD nahestehen. Ihre eigenen Anhänger motiviert sie jedoch ganz offensichtlich. Und nicht nur die: Bei den Landtagswahlen in diesem Jahr konnte die Union mehr Nichtwähler mobilisieren als alle anderen Parteien.

Es ist albern, von Merkel zu fordern, eine so erfolgreiche Strategie zu beenden. Im Januar, an dem Tag, an dem die SPD ihn als Kanzlerkandidaten nominierte, sagte Martin Schulz bei Anne Will: "Dinge werden ja nicht dadurch falsch, dass Angela Merkel sie jetzt sagt." Diese Haltung hat Schulz in den vergangenen Monaten verloren, die Kanzlerin dagegen hat sie schon vor Jahren perfektioniert. Vielleicht sollte die SPD darüber nachdenken, Merkel mit ihren eigenen Waffen anzugreifen.

Quelle: n-tv.de

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