Panorama

Thüringer Bilanz eines Monats 253 Todesfälle mit Covid-Bezug in Pflegeheimen

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In diesem Heim in Rudolstadt starben 18 Bewohner nach einer Covid-Infektion - 14 von ihnen waren nicht geimpft.

(Foto: dpa)

In einem Pflegeheim in Rudolstadt sterben 18 Bewohner in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Der Großteil von ihnen war auf Anraten der Angehörigen nicht geimpft. In Thüringen stieg die Zahl der Todesfälle in Heimen damit auf mehr als 250 - in nur einem Monat.

In Thüringer Pflegeheimen sind binnen vier Wochen 253 Senioren an oder mit einer Corona-Infektion gestorben. Die Zahl der registrierten Todesopfer stieg von Anfang November bis Anfang Dezember von 1474 auf 1727, wie aus Zahlen des Landesverwaltungsamtes hervorgeht. Hinzu kommen 160 Fälle, die 2020 händisch erfasst wurden, wie eine Sprecherin mitteilte. Für ganz Thüringen registrierte das Robert-Koch-Institut seit Anfang November 539 Todesfälle in Verbindung mit einer Corona-Infektion.

Am 3. Dezember verzeichnete das Amt, das auch für die Heimaufsicht zuständig ist, 1185 Corona-Infektionen in 142 Einrichtungen. Davon wurden 414 Infektionen bei Mitarbeitern registriert. Der steile Anstieg bei den täglichen Infektionszahlen in den Heimen hat sich somit nicht fortgesetzt. Am 18. November hatte es noch 1135 positiv getestete Fälle gegeben und damit doppelt so viele wie zu Monatsbeginn. In den vergangenen zehn Tagen gab es den Zahlen zufolge sogar einen leichten Rückgang der täglichen Infektionszahlen.

In Thüringen hatte es zuletzt immer wieder größere Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen gegeben. In Rudolstadt etwa starben im Laufe des Novembers 18 Bewohner - bei 14 von ihnen bestand kein vollständiger Impfschutz. Von den 141 Heimbewohnern war rund ein Drittel nicht geimpft, hieß es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Bei einer ersten Meldung von vergangener Woche hatte das Landratsamt berichtet, dass Angehörige von Heimbewohnern diesen von der Impfung abgeraten hatten.

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Auch in Jena hatte es im November einen Ausbruch mit acht Todesopfern in einem Pflegeheim gegeben. Dort waren nach Betreiberangaben 88 Prozent der 120 Bewohner geimpft gewesen. Nach Angaben der Stadt habe es Hygienemängel im Heim gegeben, die Heimaufsicht stellte nur leichte Mängel in der Dokumentation fest.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte fassungslos auf die Todesfälle in Rudolstadt reagiert. "Das ist traurig und das Ende von völliger Unvernunft", sagte der SPD-Politiker mit Blick auf den Impfstatus der Verstorbenen. Offenbar sei weder den Angehörigen noch der Heimleitung ausreichend bewusst gewesen, dass sie Leben auf Spiel setzten. "Das ist unverzeihlich." Er könne nur appellieren, Impfmöglichkeiten zu nutzen, um solche Fälle künftig zu verhindern, so Lauterbach weiter. Auch der scheidende Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, hatte sich schockiert gezeigt: "Das macht ein Stück weit sprachlos. Impfen hilft zumindest gegen schwere Verläufe. Man kann das nur immer wieder wiederholen. Mehr nicht", sagte der dem RND.

Quelle: jwu/dpa

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