Panorama

Zweifel an Astrazeneca-Impfstoff Auch Italien und Frankreich sperren Vakzin

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Italien hatte spezielle Chargen des Impfstoffs gestoppt, ihn aber weiter für sicher befunden.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Immer mehr Länder setzen Impfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca aus. Bis die Europäische Arzneimittelbehörde ihre Einschätzung abgibt, legen auch Frankreich und Italien Impfungen mit dem Vakzin vorerst auf Eis. Die EMA kündigt für Donnerstag eine Sondersitzung an. Die WHO berät schon morgen.

Nach Deutschland setzen auch Frankreich und Italien die Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca vorsorglich aus. Frankreich wolle bis zur Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff erstmal nicht mehr einsetzen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim französisch-spanischen Gipfel mit dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez im südwestfranzösischen Montauban. Es handle sich um eine "Vorsichtsmaßnahme", und es bestehe die Hoffnung, dass die Impfungen mit Astrazeneca schnell wieder aufgenommen werden könnten. Macron gab an, Astrazeneca bis mindestens Dienstagnachmittag aussetzen zu wollen.

Auch die italienische Arzneimittelbehörde in Rom erklärte, sie warte die Stellungnahme der EU-Aufseher ab. Bis dahin sei der Einsatz des Impfstoffs in ganz Italien untersagt. Die Behörde nannte den Schritt eine "vorsorgliche und vorübergehende Maßnahme". In der vergangenen Woche und am Wochenende waren in Italien Menschen gestorben, die zuvor mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft worden waren. Die Arzneimittel-Agentur hatte die Verwendung der betreffenden Chargen zunächst gestoppt. Italienische Experten hatten das Vakzin zuletzt weiter für sicher befunden, und auch betont, dass es zwar einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Todesfällen gegeben habe, jedoch kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen wurde.

Am Abend zog dann auch Spanien nach. Als "Vorsichtsmaßnahme" werde der Impfstoff für mindestens zwei Wochen nicht mehr eingesetzt, sagte Gesundheitsministerin Carolina Darias.

Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden am morgigen Dienstag über den Impfstoff von Astrazeneca beraten. Das Beratergremium zur Impfstoffsicherheit habe die verfügbaren Daten des Vakzins geprüft, stehe in "engem Kontakt" mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und werde sich am Dienstag zusammensetzen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die EMA kündigte für Donnerstag eine Sondersitzung zu dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers an.

Berichte von Blutgerinnseln

Deutschland hatte die Impfungen mit dem Impfstoff ab diesem Montag ausgesetzt. Vorausgegangen waren Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung mit dem Präparat, wie das Bundesgesundheitsministerium in Berlin mitteilte. Es handele sich um einen vorsorglichen Schritt, dem eine entsprechende Empfehlung des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vorangegangen sei, sagte ein Sprecher.

Auch in anderen Ländern waren die Impfungen mit Astrazeneca vorerst ausgesetzt worden. Zunächst hatte am Donnerstag Dänemark bekannt, die Impfungen mit dem Vakzin vorerst auszusetzen. Darauf folgten Norwegen, Island sowie die EU-Länder Bulgarien, Irland und die Niederlande. Österreich, Estland, Lettland, Litauen und Luxemburg setzten die Nutzung von einer bestimmten Astrazeneca-Charge aus, Italien und Rumänien stoppten die Nutzung einer anderen Charge. Thailand und die Demokratische Republik Kongo verschoben den Impfstart.

Zuletzt hatte die EMA an ihrer Bewertung des Astrazeneca-Impfstoffes festgehalten. Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass das Mittel ein ernstes Gesundheitsrisiko darstelle, sagte der Chef der EMA-Abteilung für Impfstrategien, Marco Cavaleri, am Montag bei einer Anhörung im EU-Parlament. "Wir sehen kein Problem darin, die Impfkampagne mit diesem Impfstoff fortzusetzen." Cavaleri sprach im Gesundheitsausschuss des Parlaments, kurz bevor Deutschland, Frankreich und Italien die Verabreichung des Mittels aussetzten.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

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