Panorama

Amokfahrer von Trier Bernd W. - Einzelgänger mit Alkoholproblem

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In Trier herrscht blankes Entsetzen über die Tat.

(Foto: REUTERS)

Was bringt einen Menschen dazu, gezielt mit dem Auto Menschen zu töten? Bei dem Trierer Amokfahrer schließen die Ermittler politische Motive aus und vermuten eine psychiatrische Ausnahmesituation. Die hat sich vermutlich über Jahre entwickelt.

Fünf Menschen sind tot, 14 verletzt, zahlreiche weitere schwer traumatisiert. Die Einwohner von Trier stehen seit der SUV-Attacke vom Dienstag unter Schock. Bürgermeister Wolfram Leibe sprach aus, was viele denken. Er wolle wissen, "warum jemand so etwas tut".

Noch ist nicht viel über den mutmaßlichen Täter Bernd W. bekannt. Doch die Polizei legt sich zumindest bereits darauf fest, dass er nicht aus einem politischen Motiv heraus handelte. Vielmehr vermutet sie eine "psychiatrische Ausnahmesituation", die zu dem Amoklauf führte.

W. lebte demnach in den letzten Tagen in dem SUV, mit dem er auch die Tat verübte und der ihm von einem Bekannten überlassen worden war. Als er bereits vier Minuten nach dem Eingang des ersten Notrufs von Einsatzkräften der Polizei gestoppt und festgenommen wurde, leistete er erheblichen Widerstand.

Bei Tat betrunken

"Der Tatverdächtige ist in der Vergangenheit noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten", teilte die Polizei am Dienstagabend mit. Der deutsche Staatsbürger stammt aus dem Kreis Trier-Saarburg. Nach dem Tod seiner Eltern verkaufte er dem "Focus" zufolge sein Elternhaus und lebte überwiegend von dem dabei erlösten Geld, das jedoch nach etwa einem Jahr aufgebraucht gewesen sei. Immer wieder wechselte er den Wohnsitz, arbeitete gelegentlich als Elektriker. Zuletzt war er offenbar arbeitslos. Der Kontakt zu seiner Familie riss offenbar ab.

Bekannte berichten, W. sei als Kind von seinem Vater heftig geschlagen worden. Das sei "nicht spurlos an ihm vorübergegangen". "Ich habe ihn aber oft schreien gehört, wenn es Streit im Elternhaus gab. Er war aufbrausend, manchmal auch aggressiv", erzählt demnach eine Nachbarin, die ihn aufwachsen sah. Von einem "sonderbaren Einzeltypen" ist die Rede, einem Mann mit einer "labilen Persönlichkeit" und massiven Alkoholproblemen. Nach der Tat teilt Oberstaatsanwalt Peter Fritzen mit, W. sei betrunken gewesen, der Atemalkoholwert habe bei 1,4 Promille gelegen. Fritzen sagte auch, es gebe Anhaltspunkte für ein psychiatrisches Krankheitsbild. Kurz vor der Amokfahrt soll W. auf Facebook gepostet haben: "Auf meinem Grabstein sollte stehen: Spart euch die Tränen, wo wart ihr, als ich noch lebte?"

Aus Ermittlerkreisen heißt es, W. habe sich geäußert. Was er zu seiner Tat gesagt hat, ist bisher nicht bekannt. Der Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz, hatte am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz berichtet, dass W. die Zickzacklinien gezielt gewählt hatte, "um Menschen zu suchen und ihnen weh zu tun". Zeugen zufolge raste er durch die Innenstadt und hielt dabei immer wieder direkt auf Menschen zu. Am Vormittag soll W. dem Haftrichter vorgeführt werden. Dann wird entschieden, ob er zunächst in Untersuchungshaft kommt oder in eine psychiatrische Einrichtung verlegt wird.

Quelle: ntv.de, sba

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