Panorama

Staudammbruch mit 270 Opfern Brasiliens Justiz klagt deutschen Tüv Süd an

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Verheerender Staudammbruch im brasilianischen Brumadinho vor einem Jahr: Noch immer werden elf Menschen vermisst.

(Foto: REUTERS)

Der Jahrestag des verheerenden Staudammbruches in Brasilien steht kurz bevor und noch immer suchen Helfer nach Vermissten. Von 270 Toten gehen die Behörden aus. Nun sollen die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Die Staatsanwälte klagen auch die deutsche Prüfgesellschaft Tüv Süd an.

Nach dem Dammbruch mit zahlreichen Toten in Brasilien vor einem Jahr erhebt die brasilianische Staatsanwaltschaft Anklagen gegen die brasilianische Bergbaufirma, die deutsche Prüfgesellschaft Tüv Süd und 16 Einzelpersonen. Die Ermittler kündigten die Klagen auf Twitter an. Die Zeitung "Wall Street Journal" berichtete, einzelne Personen würden unter anderem wegen Tötungsdelikten angeklagt.

Der Tüv Süd hatte dem Staudamm des Betreibers Vale an einem Rückhaltebecken für Minenabraum im Herbst 2018 ausreichende Stabilität attestiert. Am 25. Januar 2019 brach der Damm. Eine Schlammlawine rollte über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen nahe der Ortschaft Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais hinweg und begrub Menschen, Häuser und Tiere unter sich. Die Leichen von 259 Opfern wurden bereits geborgen und identifiziert. Jetzt suchen die Einsatzkräfte nach den letzten elf Vermissten.

Rund 3200 Feuerwehrleute beteiligten sich in den vergangenen zwölf Monaten an den Sucharbeiten. Sieben Millionen Quadratmeter wurden abgesucht. "Wir werden so lange weitermachen, bis wir die Elf gefunden haben oder die Polizei die Überreste nicht mehr identifizieren kann", sagte Feuerwehrchef Edgard Estevo zum Jahrestag des Unglücks. Der Tüv Süd hatte damals eine Mitschuld seiner Prüfingenieure zurückgewiesen.

Kurz vor Dammbruch Sicherheitszertifikat ausgestellt

Während sich die Einsatzkräfte weiter durch die rotbraune Erde von Brumadinho graben, wühlten sich die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft durch Akten, Gutachten und Dokumente, um die Verantwortlichen für das Unglück zu identifizieren. Die Ermittlungen richteten sich gegen den Betreiber der Mine, den brasilianischen Konzern Vale, eines der größten Bergbauunternehmen der Welt, und das Tochterunternehmen des deutschen Tüv Süd, das kurz vor dem Dammbruch die Rückhaltebecken geprüft und für sicher befunden hatte. 

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wurde das Zertifikat ausgestellt, obwohl dem Tüv der schlechte Zustand der Anlage und das Risiko bewusst waren. Ein verantwortlicher Prüfer hatte in Vernehmungen erklärt, sich von Vertretern des Minenbetreibers Vale unter Druck gesetzt gefühlt zu haben. Im Laufe der Ermittlungen waren 13 Mitarbeiter von Vale und Tüv Süd festgenommen worden. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs waren sie zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Auch die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt nach Anzeigen von Angehörigen gegen die Prüfgesellschaft mit Stammsitz in München.

Quelle: ntv.de, mau/rts/dpa