Panorama

Wie soll das Schiff nur heißen? "Brillanter Name" gewinnt Netzabstimmung

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Noch ist es nur eine Computersimulation: So könnte "Boaty McBoatface" später aussehen.

(Foto: British Antarctic Survey)

Wie klug ist es, die Namenswahl für ein 200 Millionen Pfund teures Forschungsschiff der Internetgemeinde zu überlassen? Mit dem Ergebnis der Abstimmung muss die zuständige Behörde nun umgehen.

Man könnte den Natural Environment Research Council (NERC) als mutig bezeichnen, denn das britische Forschungsinstitut hat die Internetnutzer um Namensvorschläge für einen Eisbrecher im Polarmeer gebeten.

Die User nahmen sich der Aufgabe beherzt an und das Internet hat nun gesprochen: Der Name für das hochmoderne Forschungsschiff soll "RRS Boaty McBoatface" sein. RRS steht für Royal Research Ship (königliches Forschungsschiff), den Rest könnte man mit "Bötchen McBootsgesicht" übersetzen.

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Das "Zügchen McZuggesicht" verkehrte kurzfristig zwischen Portsmouth und Waterloo.

(Foto: twitter/Mathew Fifield)

Mehr als 7000 Vorschläge waren beim NERC eingegangen. Der Gewinnername war nur einer von vielen lustig gemeinten Vorschlägen: Nach Meinung der Internetgemeinde hätte das Schiff auch "RRS Its Bloody Cold Here" ("RRS Es ist arschkalt hier", etwa 10.000 Stimmen) oder "RSS Usain Boat" heißen können, ein Wortspiel mit dem Namen des Athleten Usain Bolt (7000 Stimmen).

"Boaty McBoatface" zog mit knapp 125.000 Stimmen jedoch locker an allen anderen Bewerbern vorbei - zeitweise brach die Internetseite des NERC unter dem Ansturm der User zusammen.

Traditionelle Namen ohne Chance

Eigentlich hatte das britische Forschungsinstitut nach einem "inspirierenden" Namen gesucht, angelehnt etwa an eine historische Figur oder nationale Sehenswürdigkeit.

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Beim "Cheesy McCheeseface" handelt es sich um einen milden Hartkäse mit Milch aus der Region.

(Foto: twitter/StarrFaithful)

Die Rechnung hatten die Forscher jedoch ohne James Hand gemacht, einen ehemaligen Moderator der BBC mit Sinn für Humor und offensichtlich großer Fangemeinde. Er hatte seine Einreichung damit begründet, dass bis zu diesem Zeitpunkt 90 Prozent aller Einreichungen witzig gewesen seien. "Ich dachte, dann mache ich auch einen Vorschlag und schaue was passiert." Sein Vorschlag, den 129 Meter langen Koloss "Boaty McBoatface" zu nennen, wurde schnell zum Favoriten.

Traditionelle Namensvorschläge wie "RRS Henry Worsley", benannt nach dem britischen Entdecker, der im Januar beim Versuch gestorben ist, die Antarktis alleine und ohne Hilfe zu durchqueren, hatten kaum eine Chance.

Namensvorschlag zieht weite Kreise

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Die Namen von Rennpferden können mitunter recht exotisch sein - "Horsey McHorseface" wurde für 45.000 Dollar an einen Australischen Rennstall verkauft.

(Foto: twitter/BBCSport)

Wie so oft im Internet, begann die Geschichte ein Eigenleben zu entwickeln. Ex-Moderator Hand sah sich bald zu einer "offiziellen Entschuldigung" beim NERC genötigt. Er glaube aber immer noch, dass es sich um einen "brillanten Namen" handle. Inzwischen steht Hand für Presseanfragen nicht mehr zur Verfügung.

Doch auch ohne sein Mitwirken inspiriert sein Namensvorschlag Menschen weltweit: Die Zugverbindung zwischen Portsmouth und Waterloo wurde kurzfristig in "Trainy McTrainface" umgenannt, ein Supermarkt brachte eine neue Käsesorte namens "Cheesy McCheeseface" auf den Markt.

Ein neuseeländisches Rennpferd wurde auf den Namen "Horsey McHorseface" getauft. Der Zoo im Britischen Chester schloss bei der ebenfalls zur Abstimmung gestellten Namenswahl für sein Pinguin-Küken "Penguin McPenguinface" aber als Option aus.

Wissenschaftsminister nicht sehr amused

Wie geht es nun mit "Boaty McBoatface" weiter? Der zuständige Wissenschaftsminister Jo Johnson, für die finale Namenswahl zuständig, hat den Namen inzwischen als "nicht geeignet" abgestempelt - und damit die Hoffnungen und Träume der humorvollen Internetgemeinde zerstört. Johnson hatte von vornherein die Abstimmung als "Ideensammlung" und "nicht bindend" eingestuft.

Quelle: ntv.de, lvb