Panorama

Bereits ein Dutzend Fälle in EU Britische Corona-Variante breitet sich aus

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Bei der neuen Variante wird eine höhere Übertragbarkeit vermutet.

(Foto: dpa)

Noch ist die neue Corona-Variante nicht in Deutschland aufgetaucht. Doch laut WHO gibt es bereits in Dänemark, den Niederlanden und Australien nachgewiesene Fälle. Auch in Italien wird das neue Virus entdeckt - der betroffene Patient war kürzlich aus Großbritannien zurückgekehrt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ihre europäischen Mitgliedstaaten angesichts einer neuen Variante des Coronavirus in Großbritannien zu einer Verschärfung ihrer Corona-Maßnahmen aufgerufen. "In Europa, wo die Übertragung hoch und weit verbreitet ist, müssen die Länder ihre Kontroll- und Vorbeugemaßnahmen verstärken", sagte eine Sprecherin der WHO-Europa. Außerhalb Großbritanniens wurden bisher elf Fälle der Virus-Mutation gemeldet, die deutlich ansteckender sein soll als das bisherige Virus - neun in Dänemark und je einer in den Niederlanden und Australien.

Auch Italien meldet mittlerweile einen Fall mit der neuen Corona-Variante. Das Gesundheitsministerium des südeuropäischen Landes teilt mit, dass die Mutation bei einem Patienten nachgewiesen worden sei. Der Patient sei zusammen mit einer weiteren Person in den vergangenen Tagen aus Großbritannien zurückgekehrt und mit dem Flugzeug in Rom gelandet. Der Patient befinde sich nun in Quarantäne.

In Deutschland ist die Variante nach Angaben des Chefvirologen der Berliner Charité, Christian Drosten, bislang nicht aufgetaucht. "Es ist bis jetzt nicht in Deutschland nachgewiesen worden, aber wir nehmen natürlich die Meldungen aus Großbritannien, aus dem Vereinigten Königreich sehr ernst", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn im ARD-"Bericht aus Berlin". "Die deutlich schnellere Übertragbarkeit, wie sie in diesem Fall vermutet wird, die würde natürlich viel verändern und deshalb ist es wichtig, den Eintrag nach Deutschland, auf Kontinentaleuropa zu unterbinden."

Deutschland, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Italien, Österreich und Irland haben ihre Flugverbindungen mit Großbritannien gekappt oder dies angekündigt. Belgien kappte alle Verkehrsverbindungen. Auch Frankreich stoppt wegen einer neuen Variante für 48 Stunden den gesamten Personenverkehr aus Großbritannien.

*Datenschutz

Nach Angaben des Virologen Julian Tang von der britischen Universität Leicester trat die Virus-Variante mit der N501Y-Mutation sporadisch schon vor einigen Monaten auf, nämlich im April in Brasilien, im Juni und Juli in Australien und im Juli in den USA. Derzeit verursacht die Virus-Variante in Südengland und in der britischen Hauptstadt London einen massiven Anstieg der Corona-Infektionen. Nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler ist eine kürzlich entdeckte Variante des Virus um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. Premierminister Boris Johnson hatte am Samstag betont, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien.

Hoher Anstieg bei Krankenhaus-Einlieferungen

Seit ihrem ersten Auftreten Mitte September in London oder der südöstlichen Grafschaft Kent habe sich diese Variante mittlerweile zur "dominanten" Form von Sars-CoV-2 entwickelt, erläuterte der oberste wissenschaftliche Berater der britischen Regierung, Patrick Vallance. Er führte den "sehr hohen Anstieg" der Krankenhaus-Einlieferungen von Covid-19-Patienten im Dezember auf diese Entwicklung zurück.

Wegen der neuen Variante des Coronavirus beruft die deutsche EU-Ratspräsidentschaft für Montag ein Notfalltreffen mit Vertretern anderer Mitgliedstaaten ein. Berlin rufe im Rahmen des Krisenreaktionsmechanismus der Staatengemeinschaft (IPCR) nationale Experten zusammen, wie ein Sprecher der deutschen Ratspräsidentschaft mitteilte.

Quelle: ntv.de, kst/AFP/dpa