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Drosten zu Corona-Variante Mutation in Deutschland "bisher nicht gesehen"

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Ersten Analysen britischer Wissenschaftler zufolge verfügt die neue Variante über ungewöhnlich viele genetische Veränderungen.

(Foto: imago images/photothek)

In Südengland breitet sich eine neue Variante des Coronavirus schnell aus. Der britische Gesundheitsminister bezeichnet die Lage als "todernst". Laut Deutschlands bekanntestem Virologen Christian Drosten ist der veränderte Erreger allerdings in Deutschland noch nicht aufgetaucht.

In Deutschland ist die neue Coronavirus-Variante, die sich derzeit in Großbritannien ausbreitet, nach Angaben von Christian Drosten bisher nicht aufgetaucht. Die Verbreitung könne Zufall sein, schreibt der Coronavirus-Experte der Berliner Charité auf Twitter. Die Mutationen verschafften dem Virus nicht zwingend einen Selektionsvorteil, auch wenn das möglich sei. Ein Selektionsvorteil kann dazu führen, dass sich ein Virus leichter ausbreiten kann.

Die neue, ansteckendere Variante des Coronavirus ist nach den Worten des britischen Gesundheitsministers "außer Kontrolle". "Wir müssen es unter Kontrolle bringen", sagte Matt Hancock im Sender Sky News. Die Lage sei "todernst". Die einzige Möglichkeit sei eine Verringerung der sozialen Kontakte. Die Virus-Mutation wird für einen starken Anstieg der Infektionszahlen im Süden Englands verantwortlich gemacht.

Die Bundesregierung prüft inzwischen Schutzvorkehrungen. Einschränkungen der Flüge aus Großbritannien und auch aus Südafrika seien "eine ernsthafte Option", hieß es aus Kreisen des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte, sie stehe in Kontakt mit den britischen Behörden. Andere Länder reagierten bereits: Die Niederlande sagten Flüge von und nach Großbritannien ab, auch Belgien schließt für mindestens 24 Stunden seine Grenzen zu Großbritannien. Das betrifft auch den Eurostar durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal. Die italienische Regierung will die Flugverbindungen mit Großbritannien wegen der Corona-Lage in England aussetzen.

Veränderungen am Spike-Protein

Ersten Analysen britischer Wissenschaftler zufolge verfügt die neue Variante über ungewöhnlich viele genetische Veränderungen, vor allem im Spike-Protein. Dieses Protein benötigt das Virus, um in Zellen einzudringen. Der in Großbritannien eingesetzte Impfstoffe des Mainzer Unternehmens Biontech erzeugt eine Immunantwort gegen genau dieses Protein. Deswegen gibt es die Befürchtung, dass der Impfstoff gegen die neue Variante möglicherweise nicht wirkt. Nach Angaben des britischen Premierministers Boris Johnson gibt es aber keine Hinweise darauf.

Weitere Experten sehen ebenfalls keinen Anlass zur Sorge, dass die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes entscheidend beeinträchtigt wird. "Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm", sagte Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Auch Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien hält die derzeitige Entwicklung nicht für "wahnsinnig alarmierend". Dass Mutationen auftauchen, sei nicht ungewöhnlich. Derzeit wisse man nicht, ob die beobachteten Veränderungen die Eigenschaften des Erregers überhaupt entscheidend verändern.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP

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