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Kampf gegen hohe Trennungsrate China zwingt Scheidungspaare zu Bedenkzeit

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Im vergangenen Jahr wurden in China rund 4,15 Millionen Paare geschieden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit einigen Jahren steigt die Scheidungsrate in China. Mit einem neuen Gesetz will die Volksrepublik den Trend eindämmen. Scheidungswillige Paare müssen in Zukunft einige Wochen warten, bevor ihr Antrag bearbeitet wird. Im Netz regt sich bereits Protest gegen die Verordnung.

Ein neues Gesetz mit verschärften Vorschriften für Scheidungen hat in China Empörung ausgelöst. Gemäß dem verabschiedeten Gesetz müssen Paare künftig einen Monat warten, bis ihr Antrag auf Scheidung bearbeitet werden kann.

"Wir können uns nicht einmal frei scheiden lassen", kritisierte ein Nutzer in einem Beitrag auf der chinesischen Internet-Plattform Weibo. "Es gibt immer noch eine Menge Leute, die impulsiv heiraten - dann sollen sie auch eine Bedenkzeit für Hochzeiten vorschreiben", schrieb er weiter. Zahlreiche weitere Menschen übten auf der Plattform Kritik an dem neuen Gesetz. Die Beiträge wurden bislang mehr als 25 Millionen Mal aufgerufen.

Das erste Zivilgesetzbuch des Landes, das am 1. Januar 2021 in Kraft treten soll, enthält Vorschriften, die die bestehenden Gesetze in den Bereichen Ehe, Adoption und Eigentumsrechte ersetzen sollen. Peking will durch die neuen Vorschriften gegen die steigenden Scheidungsraten in China vorgehen. Sollte einer der Ehepartner eine Scheidung nach Fällen häuslicher Gewalt beantragen, gibt es keine verpflichtende Bedenkphase.

"Der Stabilität der Familie nicht förderlich"

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Die Scheidungsrate steigt in China seit 2003 stetig. Zu dieser Zeit wurden die Ehegesetze liberalisiert - seither dürfen sich Ehepaare in gegenseitigem Einvernehmen scheiden lassen. Zuvor konnte eine Scheidung nur eingereicht werden, wenn ein Ehepartner den anderen vor Gericht verklagte. Im Jahr 2003 wurden in China noch 1,3 Millionen Scheidungen verzeichnet, im vergangenen Jahr waren es rund 4,15 Millionen.

Seit damals seien zudem immer mehr Frauen finanziell unabhängig geworden, was dazu geführt habe, dass "unbesonnene Scheidungen" zu einem immer häufigeren Phänomen wurden, das der Stabilität der Familie nicht förderlich sei, sagte ein chinesischer Behördenvertreter kürzlich gegenüber "China Women's Daily".

Weitere neue Gesetze des neuen Zivilgesetzbuches umfassen eine erweiterte Definition von sexueller Belästigung, neue Schutzmaßnahmen gegen Landraub sowie Maßnahmen, die es ermöglichen, Organe von toten Verwandten zu spenden.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP