Panorama

Versuchte Gefangenenbefreiung? Clan-Mitglieder behindern Häftlingstransport

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Verkehrskontrolle bei einer Clan-Razzia in Neukölln: Die Behörden erhöhen seit einigen Monaten den Fahndungsdruck.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Angeklagte wird dem Miri-Clan zugerechnet: Seit der "Pate von Magdeburg" wegen Drogenhandels vor Gericht steht, gleicht der Verhandlungssaal einer Festung. Bei einem Gefangenentransport fährt ein Wagen mit Clan-Mitgliedern in die Polizeieskorte rein. Das LKA verstärkt die Sicherheit.

Trotz Blaulicht und Polizeieskorte: Der Gefangenentransport des Clanchefs von Magdeburg ist auf der Autobahn von vier Clanmitgliedern behindert worden. Laut einem Bericht der "Magdeburger Volksstimme" begleitete ein privates Fahrzeug die Polizeikolonne des Häftlings mit hoher Geschwindigkeit. Auf der Fahrt von der Justizvollzugsanstalt zum Landgericht habe sich der Wagen dann zwischen die Fahrzeuge der schwer bewaffneten Polizisten gesetzt. Der Vorfall habe sich bereits am Dienstag zugetragen, bestätigte ein LKA-Sprecher dem Blatt. Der Privatwagen sei nach dem Zwischenfall kontrolliert worden. In dem Auto hätten sich ein Bruder des 35-jährigen Angeklagten und drei mutmaßliche Angehörige des Miri-Clans befunden, schrieb die Zeitung weiter. Unklar blieb, ob die Behörden die Aktion als Befreiungsversuch des Angeklagten oder lediglich als Machtdemonstration einstuften.  

Der Magdeburger Clanchef Abd M., der ebenfalls dem Miri-Clan zugerechnet wird, steht wegen gewerbsmäßigen bewaffneten Drogenhandels seit Anfang Dezember vor Gericht. Da auf der Autobahn keines der Polizeifahrzeuge abgedrängt und bei der Kontrolle auch keine Waffen gefunden wurden, sei es bei der Feststellung der Personalien geblieben, hieß es weiter. Allerdings habe die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen seit dem Vorfall noch weiter verstärkt. Der Prozess wird am 8. Januar fortgesetzt.

Bereits zum Prozessauftakt am 6. Dezember hatten Dutzende mit Maschinenpistolen bewaffnete und vermummte Polizisten den Gerichtssaal und das Landgericht abgeschirmt. Laut "Volksstimme" war die Polizeipräsenz ungewöhnlich massiv. Die Maßnahme sei demnach auf eine Gefährdungsanalyse des Landeskriminalamtes zurückzuführen. Der Angeklagte, den die Ermittler unter dem Namen "Pate von Magdeburg" führen, soll laut Anklage den Drogenhandel der Stadt maßgeblich organisieren.

Zuletzt hatte der Fall des Bremer Clanchefs Ibrahim Miri für Aufsehen gesorgt. Miri war in Deutschland 19 Mal rechtskräftig verurteilt worden, unter anderem wegen Raubes, schweren Diebstahls, Hehlerei und bandenmäßigen Drogenhandels. Im Juli wurde er in den Libanon abgeschoben. Ende Oktober tauchte er plötzlich in seinem alten Wohnort Bremen auf und stellte einen Asylantrag. Er wurde festgenommen und rund einen Monat später wieder abgeschoben. Ein neuerlicher Einreiseversuch über Istanbul scheiterte.

Quelle: ntv.de, mau