Panorama

Das Geheimnis des Andreas Lubitz Copilot verbarg Krankheit vor Arbeitgeber

2015-03-27T144836Z_2056796345_PM1EB3R17KT01_RTRMADP_3_FRANCE-CRASH.JPG6388357416348204974.jpg

Die Bergungsarbeiten sind schwierig - und werden wohl noch lange dauern.

(Foto: Reuters)

Die Ermittler präsentieren die schockierende Erkenntnis: Aus medizinischer Sicht hätte Andreas Lubitz am Dienstag nicht seinen Dienst als Copilot an Bord des Fluges 4U9525 antreten dürfen. Atteste, die er bei seinem Arbeitgeber Germanwings nie eingereicht hat, zeugen davon.

Der dritte Tag nach dem Absturz des Germanwings-Airbus' bringt neue Erkenntnisse - langsam entsteht ein vollständiges Bild von dem, was am Dienstagvormittag vor sich ging. Seit heute ist klar: Andreas Lubitz war zum Zeitpunkt des offenbar absichtlich herbeigeführten Absturzes krank. Atteste, die die Ermittler in seinen Wohnungen gefunden haben, belegen dies. Und: Der Copilot der Unglücksmaschine ließ seinen Arbeitgeber wohl über seine Krankheit im Unklaren. Die Krankschreibungen hatte er zerrissen; Germanwings gibt an, sie nie gesehen zu haben. Zudem scheint gesichert: Lubitz litt an einer psychischen Erkrankung.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, war Andreas Lubitz seit längerer Zeit bei mehreren Medizinern in psychiatrischer Behandlung. Die Universitätsklinik in Düsseldorf bestätigte zudem, dass der 27-Jährige dort erst vor Kurzem in Behandlung gewesen sei. Andreas Lubitz ist demnach erstmals vergangenen Monat und zuletzt am 10. März als Patient am Uni-Klinikum vorstellig geworden. Berichte nach denen Depressionen der Grund waren, wies das Krankenhaus jedoch zurück. "Es handelte sich um diagnostische Abklärungen", sagte eine Sprecherin. Einzelheiten unterlägen der ärztlichen Schweigepflicht. Die Krankenakten würden der ermittelnden Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergeben.

Beim Luftfahrtbundesamt deutet in der Akte des Copiloten eine Notiz auf gesundheitliche Probleme hin. Dort findet sich die Codierung "SIC", die Abkürzung für "Specific Regular Medical Examination". Dieser Vermerk im Tauglichkeitszeugnis bedeutet, dass sich der 27-Jährige regelmäßigen medizinischen Kontrollen unterziehen muss. Was sich genau dahinter verbirgt, unterliegt dem Datenschutz.

Auf den vorsätzlich herbeigeführten Absturz reagierte der Lufthansa-Konzern - wie auch mehrere andere Fluggesellschaften - mit der Einführung der Zwei-Personen-Regel. Demnach müssen zu jedem Zeitpunkt immer zwei Personen im Cockpit eines Flugzeuges sein. Die Lufthansa kündigte zudem an, auf Konzernebene den Posten eines Sicherheitspiloten einzuführen. Dieser soll Verfahren überprüfen und weiterentwickeln, die die Flugsicherheit verbessern.

Germanwings richtet Betreuungszentrum ein

In Haltern am See war auch der dritte Tag nach dem Unglück von Trauer geprägt. Am Morgen fand ein Trauergottesdienst für die Opfer statt. Bundespräsident Joachim Gauck war ebenso vor Ort, wie die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft. "Ich habe in der Mitte gesessen und das Schluchzen der Menschen gehört", sagte Gauck nach dem Gottesdienst bei n-tv. Er sei gekommen, weil er gemeinsam mit Menschen trauern wolle.

Für Germanwings stehen neben den Ermittlungen der genauen Vorgänge derzeit die Angehörigen im Fokus. Im südfranzösischen Marseille hat die Fluggesellschaft ein Betreuungszentrum für die Angehörigen der Absturzopfer eingerichtet. Wie eine Sprecherin mitteilte, werde das Zentrum am Samstag seinen Betrieb aufnehmen. Bereits am Donnerstag waren Angehörige der 150 Toten mit drei Sonderflügen aus Düsseldorf und Barcelona nach Frankreich gebracht worden. 

Viele Angehörige sind inzwischen wieder nach Deutschland gereist - ihnen stehe es allerdings jederzeit frei, wieder nach Marseille zu kommen, teilte Germanwings mit. "In diesen dunklen Stunden gilt unsere ganze Aufmerksamkeit der emotionalen Betreuung der Angehörigen und Freunde der Opfer von Flug 9525", erklärte Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann. "Das Leid, das diese Katastrophe verursacht hat, ist unermesslich. Dafür gibt es keine Worte und keinen Trost."

In dem Ort Le Vernet, der am nächsten an der Absturzsstelle liegt, gibt es einen ersten Gedenkort für die 150 Absturzopfer. Dort wurde eine Stele errichtet, auf der in vier Sprachen (Französisch, Deutsch, Spanisch und Englisch) zu lesen ist: "In Erinnerung an die Opfer des Flugzeugunglücks vom 24. März 2015." Hunderte Blumen zeugen dort von der großen Anteilnahme.

Quelle: n-tv.de, fma

Mehr zum Thema