Panorama

Virologe warnt vor Herzproblemen Drosten sieht große Chance in Virus-App

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Drosten würde sich eine Tracking-App sofort freischalten.

Wenn ein Großteil der Menschen im Lande eine App zur Virus-Ausbreitung hätte, wäre das eine große Chance für den Kampf gegen die Pandemie, sagt Virologe Drosten im NDR-Podcast. Er warnt zudem vor Herzproblemen bei einer Infektion und sagt, was er für eine Maske trägt. 

Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie hält der Virologe Christian Drosten die Hilfe durch Apps auf dem Smartphone für "absolut zielführend". Im täglichen NDR-Podcast warnte der leitende Virologe der Berliner Charité zudem vor den Gefahren für das Herz, die eine Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 mit sich bringen könnte. Zu den Chancen einer App sagte er: "Es ist einfach eine ganz wichtige Information, wenn man aufzeichnet, ob jemand als Fall identifiziert wurde." Denn dann könne man andere Personen informieren, dass sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten habe. Das sei durch die Auswertung der Mobilfunkdaten möglich.

*Datenschutz

So könne man als Betroffener besonders auf Symptome achten und auch beispielsweise Besuche bei den Großeltern vorsichtshalber absagen. Es müsse auch nicht jeder mitmachen. Es genüge, wenn ein Großteil der Gesellschaft mit dabei wäre, dann hätte es schon einen Effekt. "Ich bekomme dadurch natürlich auch ein Sicherheitsgefühl", sagte Drosten. Etwa dann, wenn man abends feststelle, dass man wieder keine Warnung bekommen hat. "Als aufgeschlossener Bürger würde ich das sofort freischalten", so der Professor, der bereits in der vorangegangenen Folge des Podcasts betont hatte, dass die Politik diese Fragen entscheidet und nicht Wissenschaftler wie er. In Südkorea sei eine solche App Teil der erfolgreichen Strategie gegen das Virus gewesen.

Viele Wuhan-Patienten hatten Herzprobleme

Drosten berichtete auch von neuen Erkenntnissen darüber, wie das Virus das menschliche Herz in Anspruch nimmt. So hätten im chinesischen Wuhan 20 Prozent der Patienten Herzsymptome gehabt. Bei manchen habe es so ausgesehen, als ob sie einen versteckten Herzinfarkt gehabt hätten. Es würden in der Notaufnahme sogar für Herzinfarkte typische Messwerte ermittelt. "In Wirklichkeit ist das aber ein Herzproblem im Rahmen der akuten Sars-2-Infektion", erläutert der Virologe. Daher sei es derzeit sinnvoll Patienten mit solchen Symptomen auch auf das Coronavirus zu testen.

Dass das Herz beansprucht werde, könne unterschiedliche Ursachen haben: Zytokine etwa, die die Immunreaktion steuern, könnten nebenbei auch Effekte auf den Herzmuskel haben. Auch könnte es Effekte geben, die mit einer veränderten Blutgerinnung zu tun hätten. Die sei ebenfalls Teil der Immunreaktion und in dessen Rahmen sinnvoll. "Wenn diese Substanzen aber im ganzen Körper herumschwimmen, dann führt es zu Veränderungen, wo es gar nicht notwendig ist, zum Beispiel im Herzen", so der Professor. Überdies steige in der entzündeten Lunge der Druck, den das Herz gegenüber dem Lungenkreislauf machen müsse. "Da ist dann ein Herz, das auf Kante genäht ist in seiner Leistungsfähigkeit, plötzlich über die Leistungsgrenze hinaus." Auch eine direkte Schädigung des Herzmuskels durch das Virus sei nicht auszuschließen.

Dass er selbst eine Maske im Supermarkt trägt, hatte Drosten bereits in der Episode am Montag erzählt. Es handele sich dabei um eine Stoffmaske, die ihm Intensivschwestern nach einer Fortbilung geschenkt hätten, erzählte er. Auch er habe beim Betreten eines vollen Supermarkts gedacht: "Gut, dass ich die Maske aufhabe", obwohl genau das ein Trugschluss sei. Denn die Maske schütze ja die anderen, nicht ihn. Er betonte erneut, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gebe, dass eine Maske vor einer Infektion schützt. Sie könne aber helfen, zu verhindern, dass die eigene feuchte Aussprache oder ein Husten die Kassiererin oder andere treffe.

Quelle: ntv.de, vpe