Panorama

Montgomery zu Impfdurchbrüchen "Es gibt in der Medizin keine 100 Prozent"

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Frank Ulrich Montgomery im Gespräch mit ntv-Moderatorin Nele Balgo.

Es werden immer wieder Corona-Infektionen bei bereits Geimpften gemeldet, manche verunsichert das. Weltärzte-Vorstandschef Frank Ulrich Montgomery verwundert dies nicht, er bezeichnet die Zahl bei ntv als "verschwindend gering". In der Debatte über Booster-Impfungen vertritt er eine klare Haltung.

ntv: Das RKI spricht davon, dass die vierte Welle begonnen hat. Was kommt im Herbst genau auf uns zu?

Frank Ulrich Montgomery: Also, die vierte Welle hat mit Sicherheit begonnen. Es gibt viele Indizien: Momentan verdoppelt sich die Inzidenzrate alle zehn Tage, das entspricht ja ungefähr der Inkubationszeit. Und bei den gemachten Tests haben wir inzwischen wieder eine Quote von sechs Prozent positiven Tests. Das ist viel. Das waren letzte Woche noch vier Prozent. Die Infektion kommt bei den Menschen leider wieder an und damit sind wir am Anfang der vierten Welle - etwa fünf bis sechs Wochen früher als im vergangenen Jahr.

Warum zeichnet sich dieser Trend in diesem Jahr schon früher ab, trotz der Impfungen?

Wir haben es ja selber in der Hand. Es ist unser eigenes, persönliches Versagen, dass es jetzt diesen Anstieg gibt. Denn wir haben uns nicht genug geschützt. Die berühmten alten Regeln - Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen - haben nicht gegriffen. Wir sind nachlässig geworden, weil wir uns zu sehr in Sicherheit gewiegt haben, angesichts der vielen Impfungen.

Wie können wir diese vierte Welle jetzt noch brechen? Müssen wir da jetzt auf 2G oder sogar 1G setzen?

Ich glaube, 1G fällt völlig aus, weil wir auch wissen, dass es Impfdurchbrüche gibt. Wir wissen, dass auch Geimpfte, die selber gar nichts merken, die Krankheit übertragen können. Persönlich bin ich ein großer Verfechter von 2G in geschlossenen Räumen, überall dort, wo wir uns nicht sicher schützen können mit Abstand, mit Maske et cetera. Wo das nicht ausreichen könnte, da sollte man mindestens 2G machen. Aber ich kann es nur noch mal sagen: Wir müssen keinen allgemein verordneten Lockdown haben. Wir können uns ja selber, jeder für sich, an die Regeln halten. Dann vermeiden wir härtere Eingriffe, dann könnten wir die Welle - ich weiß nicht, ob wir sie brechen können - zumindest noch zu einem sanften Plätschern am Strand werden lassen und nicht zu einem Tsunami, der im Herbst über uns hinwegfegt.

Was weiß man genau über Impfdurchbrüche?

Erstens hat ein erheblicher Teil der Menschen mit Impfdurchbrüchen schon andere Erkrankungen, die die Immunlage insgesamt ein wenig einschränken. Zweitens haben viele dieser Menschen die Impfung vor langer Zeit gehabt und waren mit die ersten Impfkandidaten. Und drittens ist die Zahl ja, entschuldigen Sie, nun wirklich verschwindend gering. Also, 10.000 Durchbrüche bei 44 Millionen Geimpften, das ist irgendwas im 2-Promille-Bereich. Es gibt in der Medizin keine 100 Prozent. Das kann man nicht oft genug wiederholen. Deswegen machen mir diese Impfdurchbrüche noch keine Sorgen. Ich finde aber auch, dass die Taktik, durch frühzeitige Booster-Impfungen dagegenzuwirken, richtig ist. Wenn wir wirklich so viel Impfstoff haben, wie wir im Moment glauben, und der gar nicht verimpft wird, sollte man ihn lieber als Booster-Impfung verimpfen, bevor man ihn wegschmeißt.

Sollten wirklich alle diese Booster-Impfung erhalten oder nur bestimmte Personengruppen?

Wir müssen mit Sicherheit anfangen mit bestimmten Personen - mit den Höchstgefährdeten, das ist wie bei der Priorisierung das letzte Mal. Dann können wir, wenn der Impfstoff ausreicht, auch alle anderen impfen, aber man sollte schon mindestens sechs Monate seit der letzten Impfung vergehen lassen. Nicht dass jetzt all diejenigen, die vor zwei Wochen ihre letzte Impfung bekommen haben, ins Impfzentrum oder zum Arzt rennen, um die dritte Impfung zu bekommen. Wir wissen, dass die Impfung nicht nur einen erheblichen Boost macht, sondern dann auch sehr viel länger wirkt, als wenn man nur zwei Impfungen hat. Ähnliche Effekte kennt man von anderen Virusimpfungen und ich finde, das ist ein guter Ansatz.

Mit Frank Ulrich Montgomery sprach Nele Balgo

Quelle: ntv.de

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