Panorama

Wachstumswetter kommt Frühlingsregen wird kräftiger und wärmer

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Die Regenwolken bleiben vielerorts, aber es wird wärmer.

(Foto: dpa)

Unter deutschen Regenwolken ist es derzeit in etwa so warm wie am Polarkreis. Doch damit ist nun Schluss. In den kommenden Tagen füllt der Frühsommer mit Regen das Kälteloch, wie n-tv.de Meteorologe Björn Alexander sagt. Dadurch richtet sich der Blick auf die Alpen.

Unter deutschen Regenwolken ist es derzeit in etwa so warm wie am Polarkreis. Doch damit ist nun Schluss. In den kommenden Tagen füllt der Frühsommer mit Regen das Kälteloch, wie n-tv.de Meteorologe Björn Alexander sagt. Dadurch richtet sich der Blick auf die Alpen.

n-tv.de: Vor einem Jahr befanden wir uns zu dieser Zeit bereits im Sommer und zu Ostern konnten wir in diesem schon im T-Shirt in der Sonne sitzen. Doch ausgerechnet der Wonnemonat schwächelt. Wo ist die Wärme hin?

Björn Alexander: Derzeit sind wir in Deutschland im Prinzip das europäische Kälteloch. Spanien bekommt zum Teil 30 Grad und mehr. Auf Zypern sind es sogar Extremwerte bis zu 37 Grad Celsius. Selbst bis herauf nach Skandinavien hat sich die Wärme östlich von uns nach Norden raufgearbeitet. Man muss schon bis rauf den Polarkreis, um Tageshöchstwerte von 6 bis 11 Grad zu finden, die es heute hierzulande unter den Regenwolken gibt. Kurzum: die Eisheiligen, die in Zeiten des Klimawandels schon fast als Auslaufmodell galten, haben dieses Jahr nicht nur ein blitzsauberes Comeback erlebt, sondern waren sogar außergewöhnlich intensiv und lang. Unterm Strich war die erste Maihälfte - gemessen am Gesamtmonat - über 3,5 Grad zu kalt. Jedoch: das Ende der Kaltzeit naht. 

Ab wann wird es wärmer?

Bereits zum Wochenende wird Deutschland vom europäischen Kälteei zu einem der Hotspots. Denn während das europäische Temperaturniveau insgesamt etwas abflacht, klettern hierzulande die Werte in Richtung Frühsommer.

Welche Temperaturen erwarten uns?

Am Samstag werden es zwischen 17 und 25 Grad. Der Sonntag bringt uns sogar 16 bis 26 Grad. Insofern erwartet uns jetzt das erste, deutschlandweit warme Wochenende seit Ostern. Zumal auch die Abende und Nächte wieder deutlich lauer verlaufen als zuletzt.  

Wärme - gut, aber wie sieht es mit der Sonne aus?

Die wird am Samstag bei nur lokalen Gewittern gut im Rennen sein. Am Sonntag werden die gewittrigen Regengüsse in der zum Teil schwülen Luft dagegen häufiger, intensiver und können dementsprechend sogar unwetterartig ausfallen.

Worauf müssen wir uns einstellen?

In erste Linie müssen wir stellenweise mit Starkregen rechnen. Jedoch bringt diese radikale Umstellung der Großwetterlage nicht nur die ersten kräftigen Gewitter mit lokalen Unwettern, sondern erhöht außerdem die Gefahr eines größeren Hochwassers an den Alpen.  

Warum?

Björn Alexander

Björn Alexander prophezeit das Wetter, das die Natur liebt.

Nach dem ohnehin schon schneereichen Winter in den Nordalpen haben die vergangenen drei kalten Wochen in höheren Lagen einerseits nochmals 1 bis 2 Meter Neuschnee gebracht. Andererseits wurde die um die Jahreszeit übliche Schneeschmelze in mittleren Lagen von 1500 Meter bis 2000 Meter bisher extrem verzögert oder sogar gestoppt. Somit liegen auf den Bergen enorme Wassermassen in Form von Schnee und Eis. Zwar kann die Schneedecke erst einmal eine Menge Schmelz- und Regenwasser aufnehmen. Sollte es aber ein massives Tauwetter in Kombination mit Starkregenschauern geben, dann könnte es in einigen Teilen der Alpen jetzt ziemlich gefährlich werden.

Sicher ist das aber noch nicht, oder?

Nein. Denn momentan berechnen die Wettermodelle die Zugbahnen der kleinen Gewittertiefs noch sehr unterschiedlich. Hier sind also noch viele Möglichkeiten gegeben; grundsätzlich ist die Ausgangslage aber aufgrund der Schneelage recht brisant.

Wie außergewöhnlich ist die Schneelage?

Das zeigt uns beispielsweise der Blick auf Deutschlands höchsten Berg. Auf knapp 3000 Metern Höhe türmt sich der Schnee auf der Zugspitze inzwischen auf 5,85 Meter. So viel Schnee lag in dieser Zeit auf der Zugspitze noch nie. Natürlich ist in solchen Höhen die dickste Schneedecke tendenziell immer am Ende des Winters zu beobachten. Allerdings ist das normalerweise schon deutlich früher. Und auch in Österreich gab es aufgrund der winterlichen Nachwehen auf den Bergen und vor allem den hochgelegenen Passstraßen immer wieder Schlagzeilen. So verzögerte sich der traditionelle Durchstich an der Gletscherhochalpenstraße zunächst, gelang dann doch, bevor die letzten Schneefälle dort wieder für Sperrungen inmitten von meterhohen Schneeverwehungen sorgten.

Von Schnee und Eis jetzt zurück zum Frühsommer: was bringt uns das Wochenende?

Bereits zum Freitag setzt sich aus Süden und Südosten spürbar wärmere Luft bei uns durch, die am Samstag oft für frühsommerliche Spitzentemperaturen zwischen 20 und 25 Grad sorgt. Am frischesten bleibt es noch an der Ostsee bei 17 Grad. Dabei ist es verbreitet sonnig und trocken. Nur im Südwesten bilden sich bald gewittrige Schauer, die sich abends nach Nordosten ausbreiten.

Und am Sonntag?

Werden die Gewitter und Platzregen nach teils noch sonnigem Start und bis zu 26 Grad häufiger und kräftiger. Örtlich besteht hierbei Unwetterpotenzial. In erster Linie durch Starkregen. Punktuell sind aber auch Hagelschlag und Sturmböen nicht auszuschließen.

Mit welchem Wetter beginnt die nächste Woche?

Ab Montag stellt sich überall sehr wechselhaftes und lauwarmes Wachstumswetter ein - für die Vegetation in vielen Teilen Deutschlands ein echter Segen. Für alle sonnenhungrigen Sommerfans nicht gerade der Idealfall. Zumal ein Durchbruch zu stabilem Frühsommerwetter erstmal nicht in Sicht ist. Immerhin gibt es auch keinen Rückfall in die Kälte der ersten Maihälfte.

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Quelle: n-tv.de

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