Panorama

Sars-CoV-2 und Schwangerschaft Gebären in Zeiten der Corona-Epidemie

Auch die Geburtshilfe wird von den Auswirkungen des Corona-Virus nicht verschont. Viele Krankenhäuser passen Besuchsregeln an, andere verbieten sogar Begleitpersonen im Kreißsaal. Das verunsichert Schwangere enorm.

Bis vor Kurzem war Tanja H. zuversichtlich was die Geburt ihres zweiten Kindes anging. Die Angestellte eines internationalen Kosmetikkonzerns und ihr Mann Jan freuten sich auf das neue Geschwisterchen für ihr zweijährige Tochter Klara. Sie zählten im Wochenbett auf die Unterstützung von Tanjas Mutter, hatten sich im Heilig Geist-Krankenhaus in Köln zur Geburt angemeldet und trotz des Mangels an Hebammen noch eine gefunden. Dann kam Corona. Tanja ist in der 39. Woche ihrer Schwangerschaft - und die 38-Jährige hat eine Woche voller Panik hinter sich.

"Zu Beginn der Corona-Epidemie war ich sehr ängstlich, auch, weil es in Deutschland zunächst niemand richtig ernstzunehmen schien. Ich konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken, was passiert, wenn ich mich anstecke, dachte auf einmal darüber nach, wie schlimm es wäre, nach der Geburt von meinem Kind getrennt zu sein und es nicht stillen zu können, auch, wenn das irrational klingt", sagt Tanja. Die Aussicht, dass ihre 66-jährige Mutter sich anstecken könnte, stresste die Schwangere zusätzlich.

Mittlerweile habe sie sich etwas beruhigt, auch, weil sie sieht, dass Deutschland sich mit neuen Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus rüstet. "Außerdem konnte ich mit dem Krankenhaus Rücksprache halten und weiß jetzt, dass mein Mann voraussichtlich bei der Geburt dabei sein kann - das heißt, wenn alles gut geht und meine Mutter auch wirklich auf unsere Tochter aufpassen kann." Aus Sorge davor, dass die Mutter sich infiziert und ihr Enkelkind dann nicht hüten kann, bereitet sich Tanja trotzdem mental darauf vor, die Geburt vielleicht alleine durchstehen zu müssen.

Schwangere fürchten Geburt im Alleingang

So wie Tanja geht es gegenwärtig vielen schwangeren Frauen in Deutschland. Eine Geburt ist ohnehin eine Ausnahmesituation, nun sorgt die derzeit unübersichtliche und sich stetig ändernde Epidemie-Lage zusätzlich für Verunsicherung. Besonders die Aussicht, die Geburt ohne den Partner oder eine Begleitperson durchstehen zu müssen, ist für viele schwer zu verkraften.

"Frauen aus allen Teilen Deutschlands melden uns, dass Väter pauschal nicht in den Kreißsaal dürfen. Wir halten das für problematisch, gerade angesichts der ohnehin schon angespannten Personalsituation in der Geburtshilfe. Sollen die Frauen im Kreißsaal alleine sein? Und es gibt für ein Verbot keine Grundlage, selbst die WHO spricht sich nicht dafür aus",  sagt Katharina Desery, Sprecherin vom Verein Mother Hood, der sich für den Schutz von Mutter und Kind in der Schwangerschaft einsetzt.

Frauen sollten sich laut Desery in jedem Fall mit ihrer Hebamme abstimmen, auch wenn sie bei dieser erst zur Nachsorge angemeldet sind. Außerdem sei es natürlich angebracht, sich wie alle anderen an die Gebote zu sozialen Kontakten sowie Hygiene zu halten, denn eine Erkrankung mit dem Corona-Virus könne massive Auswirkungen auf das Vorgehen bei der Geburt haben. Auch der Gynäkologe sei der richtige Ansprechpartner, so Desery. "Die Frauenärzte müssen in dieser Situation ihre Patientinnen psychosozial begleiten, neben den normalen Vorsorgeuntersuchungen."

Sie rät Frauen außerdem dazu, sich auf der Webseite der jeweiligen Klinik zu informieren und gegebenenfalls auf die Unzulässigkeit des Verbots des Vaters oder einer anderen Begleitperson aufmerksam zu machen. "Da sich die Lage ständig ändert und derzeit noch sehr vage ist, ist es in jedem Fall ratsam, sich laufend zu informieren", sagt Desery. Das zeigt auch der Fall des Klinikum Süd in Rostock. Nachdem das Landesamt für Gesundheit und Soziales vergangene Woche dort ein konsequentes Besuchsverbot verordnet hatte, reagierten viele werdende Eltern mit Unverständnis. Am Dienstag gab das Klinikum dann bekannt, dass es ab sofort wieder möglich sei, bei der Geburt eine Begleitperson mitzunehmen. In Berlin wurden lediglich die Besuchsregelungen angepasst. "Neugeborene und deren Mütter dürfen einmal am Tag von einer Person für eine Stunde Besuch empfangen, allerdings nicht von Kindern unter 16 Jahren, ausgenommen Geschwister des Neugeborenen, oder von Menschen mit Atemwegsinfektionen", heißt es in der Verordnung des dortigen Senats.

Ansteckung im Mutterleib ist unwahrscheinlich

Der Berufsverband der Frauenärzte e.V. hat ein Informationsschreiben für Schwangere veröffentlicht. Darin geben die Mediziner zumindest teilweise Entwarnung – auch wenn die Studienlage derzeit sehr dünn ist. Der Großteil der Informationen bezieht sich auf Erfahrungen aus China, wo es bislang rund 20 Fälle von infizierten Schwangeren gab.

Derzeit gebe es "international keinen Hinweis, dass Schwangere durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung." Auch ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder eine Übertragung von der Mutter auf das Baby, im Mutterleib oder bei der Geburt, scheint unwahrscheinlich. Schwangere, die Kontakt zu Personen hatten, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, sollten sich an ihr zuständiges Gesundheitsamt sowie den Frauenarzt wenden. Für sie gilt wie auch für alle anderen: Eine Selbstisolation für 14 Tage einhalten.

Frauen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, können ihr Baby trotzdem auf natürlichem Wege gebären, es wird jedoch empfohlen, dies in einer Klinik zu tun, in der das Baby kontinuierlich elektronisch überwacht werden kann. Und stillende Mütter? Diese müssen sich nach aktuellem Wissensstand nicht sorgen, das Virus über die Muttermilch an ihren Säugling weiterzugeben, sollten sich aber vor jedem Kontakt die Hände gründlich waschen und beim Stillen einen Mundschutz tragen. Was viele Eltern hoffnungsvoll stimmen dürfte: Bei Säuglingen und Kindern, die sich mit Covid-19 angesteckt haben, verläuft die Krankheit nach derzeitigem Wissensstand in den allermeisten Fällen mild.

Quelle: ntv.de