Panorama

Beleidigung und Körperverletzung Hunderte Verfahren nach "Querdenker"-Demo

Tausende Menschen protestieren in Leipzig gegen die bestehenden Corona-Maßnahmen. Dabei kommt es immer wieder zu Rangeleien. Mehrere Polizisten werden verletzt, mehr als 500 Menschen in Gewahrsam genommen. Gegen Dutzende Teilnehmer wird nun ermittelt.

Rund um die Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen in Leipzig hat die Polizei 48 Straftaten und mehr als 600 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten aufgenommen. Gegen 43 Beschuldigte werde etwa wegen Beleidigung, Körperverletzung, Angriffs auf Polizisten, Landfriedensbruchs oder Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt, zog Polizeisprecher Olaf Hoppe vorläufig Bilanz.

Ein unbekannter Täter habe einem Polizisten Reizgas unter das Visier seines Helmes gesprüht, hieß es. Der Beamte erlitt Augenverletzungen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Fünf weitere Polizisten wurden bei dem Einsatz am Samstag verletzt, waren aber weiter dienstfähig. In einem Fall werde auch wegen Körperverletzung im Amt ermittelt.

Am Samstag hatten in Leipzig einige Tausend Menschen gegen Corona-Maßnahmen protestiert. Dabei kam es immer wieder zu Rangeleien, als Demonstranten versuchten, Polizeiketten zu durchbrechen. Den Polizeiangaben nach wurden zudem mehr als 300 Platzverweise ausgesprochen. 24 Personen der rechten Szene seien in Gewahrsam genommen worden. Weil sich zahlreiche Demonstranten an mehreren Stellen zu Aufzügen formiert hätten und gegen die Corona-Verordnung verstießen, wurden laut Polizei zeitweise mehr als 500 Menschen festgesetzt und kontrolliert.

Oberbürgermeister: "Unsägliche Proteste"

Zur Demonstration hatte die "Bewegung Leipzig" aufgerufen. Ursprünglich war sie für 3000 Teilnehmer angemeldet samt Zug über den Leipziger Ring. Wegen der verschärften Corona-Lage in Sachsen sind aber nur noch stationäre Kundgebungen mit maximal 1000 Teilnehmern zulässig. Schon am frühen Nachmittag wurde der Versammlungsort abgeriegelt, nachdem diese Zahl erreicht war. Jedoch hielten sich außerhalb noch viele weitere Anhänger auf. Die Polizei versuchte daraufhin, weitere Demonstranten auf eine alternative Fläche umzuleiten.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung verurteilte die Proteste scharf. "Spätestens seit gestern muss allen klar sein, dass die sogenannte Querdenker-Bewegung nicht nur die Begleitung von rechtsextremistischen Kreisen in Kauf nimmt, sondern sich kalkuliert gewalttätig unterstützen lässt", erklärte er in einer Mitteilung. Es gebe keinerlei Berührungsängste zur radikalen Rechten und man verbünde sich sogar offen mit Neonazis. "Diese unsäglichen Proteste sind antidemokratisch unterwandert, verletzen bewusst die Regeln und Gesetze und sind Ausdruck einer egoistischen, unsolidarischen Haltung."

Vor einem Jahr, am 7. November 2020, hatte es eine "Querdenken"-Demonstration mit mindestens 20.000 Teilnehmern in Leipzig gegeben. Auch damals war ein Zug über den Leipziger Ring nicht gestattet. Nachdem die Kundgebung wegen zahlreicher Verstöße gegen Auflagen aufgelöst worden war, hatten jedoch Tausende den Gang über den Ring erzwungen. Der Ring war der Ort der Montagsdemonstrationen während der friedlichen Revolution 1989, die zum Ende der DDR geführt hat.

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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