Panorama

Grundimmunisiert oder mehr Welche Impfkombination zählt jetzt wie?

da3ed80162baee55a4573a44ad85542b.jpg

Der Status, vollständig geimpft zu sein, ist ein Punkt. Der tatsächliche Schutz ein anderer.

(Foto: dpa)

Durch den Einsatz verschiedener Impfstoffe und die Berücksichtigung von Covid-19-Erkrankungen ist der Impfstatus für den Einzelnen gerade etwas unübersichtlich. Wie zählt was - und ist man gerade ausreichend geschützt?

Im Lauf der Pandemie und der begleitenden Impfkampagne sind Begriffe wie Impf- oder Genesenenstatus in den Wortschatz aufgenommen worden. Was nach einer reinen Zustandsbeschreibung klingt, hat inzwischen auch immer öfter Auswirkungen für die Teilnahme am öffentlichen Leben, beispielsweise für Einkäufe oder Restaurantbesuche. Aber auch der angenommene Schutz gegen eine Infektion mit der aktuell in immer mehr Bundesländern vorherrschenden Omikron-Variante des Coronavirus hängt von der jeweiligen Kombination ab. Dabei wird die Lage schnell unübersichtlich. Ein Überblick über mögliche Konstellationen.

Impfempfehlungen für Genesene

In einigen Fällen fällt die Einschätzung recht klar aus. Wer zu Beginn der Corona-Pandemie erkrankt ist und sich noch immer auf seinen Genesenenstatus verlassen hat, sollte das nicht mehr tun. Als genesen gilt man nach der neuesten Anpassung der Corona-Maßnahmen nur noch drei und nicht mehr sechs Monate nach einer eigenen Infektion. Wer also 2020 erkrankt war, hat diesen Status längst verloren, und auch eine bestätigte Infektion 2021 hat für die Einstufung kaum noch eine Wirkung. Noch wichtiger ist aber, dass alle länger zurückliegenden Infektionen vermutlich mit der Alpha- oder Delta-Variante des Coronavirus erfolgt sind. Die dabei gebildeten Antikörper sind gegen die Omikron-Variante Studien zufolge aber nicht effektiv genug, um eine erneute Ansteckung oder auch eine schwerere Erkrankung zu verhindern.

Ungeimpfte mit nachgewiesener Sars-CoV-2-Infektion sollten sich laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission mit einem Abstand von mindestens drei Monaten zur Infektion einmal impfen lassen. Damit ist dann aber lediglich die Grundimmunisierung abgeschlossen. Zur Auffrischung des Impfschutzes rät die STIKO inzwischen allen ab 18 Jahren "in einem Abstand von drei Monaten zur vorangegangenen Impfstoffdosis".

Angewendet auf den Fall, dass man einfach geimpft war und dann erkrankte, empfiehlt das Robert-Koch-Institut eine zweite Impfstoffdosis mit einem Abstand von mindestens drei Monaten zur Infektion, wenn die Infektion in den ersten vier Wochen nach der Erstimpfung lag. "Ist die Sars-CoV-2-Infektion in einem Abstand von 4 oder mehr Wochen zur vorangegangenen einmaligen Impfung aufgetreten, ist keine weitere Impfung zur Grundimmunisierung notwendig", so das RKI.

Empfehlungen für Johnson & Johnson-Geimpfte

Auch bei der Kombination der verschiedenen Impfstoffe gibt es Besonderheiten. Wer beispielsweise als Impfung Johnson & Johnson erhalten hat, galt zum Zeitpunkt der Impfung und auch weiterhin als grundimmunisiert. Inzwischen zeigen Studien jedoch, dass der Impfstoff, der nur einmal gegeben werden muss, nicht dafür sorgt, dass ein ausreichender Immunschutz aufgebaut wird. Deshalb wird nun eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff, also Biontech/Pfizer oder Moderna, als notwendig für die Grundimmunisierung erachtet.

Was tun mit Astrazeneca-Impfung?

Wer zu Beginn der Impfkampagne noch den inzwischen kaum noch angebotenen Impfstoff von Astrazeneca erhalten hat, muss nichts Besonderes beachten. Sollte sowohl die Erst- als auch die Zweitimpfung mit Astrazeneca erfolgt sein, ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Dann sollte man eine Boosterimpfung anstreben, die dann mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna erfolgt.

Hat man als Erstimpfung Astrazeneca erhalten, wird die Grundimmunisierung bereits mit einem mRNA-Impfstoff abgeschlossen, es folgt dann der Booster ebenfalls mit Biontech/Pfizer oder Moderna nach mindestens drei Monaten. Dabei wäre auch eine Abfolge Astrazeneca - Moderna - Biontech möglich, da die mRNA-Impfstoffe als gleichwertig angesehen werden. Die STIKO-Empfehlung lautet lediglich, dass unter-30-Jährige und Schwangere ausschließlich Biontech erhalten sollen, über-30-Jährige können beide Impfstoffe bekommen.

Wie werden Auslandsvakzine bewertet?

Vor allem zu Beginn der Impfkampagne setzten manche auch auf Impfstoffe, die in anderen Ländern entwickelt oder verimpft wurden. Die bekanntesten dürften der russische Sputnik-Impfstoff oder die chinesischen Vakzine sein. Allerdings gelten Menschen, die ausschließlich diese Impfstoffe erhalten haben, in Deutschland trotz der nachgewiesenen Gabe als ungeimpft. Zwar sind beispielsweise Sinovac und Sputnik V in einigen Ländern zugelassen, in den meisten EU-Staaten allerdings nicht. Das liegt unter anderem daran, dass zu diesen Vakzinen nicht alle erforderlichen Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffes für die EU-Zulassung vorliegen. Bei Sputnik, das ja ein Vektorimpfstoff ist, betrifft das vor allem mögliche Nebenwirkungen.

Bisher gibt es die Empfehlung, sich dann mit Johnson & Johnson impfen zu lassen. Zusammen mit dem ausländischen Impfstoff erreicht man dann die Grundimmunisierung und kann dann den Booster mit einem mRNA-Impfstoff anstreben.

Prinzipiell muss man unterscheiden, ob man einen offiziellen Status anstrebt oder ob es einem um den maximalen Impfschutz geht. Im Zweifelsfall sollte man darüber mit seinem Hausarzt oder seiner Hausärztin sprechen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen