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Internet-Spektakel bleibt aus Kim Dotcom inszeniert eigene Gerichtsshow

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Kim Dotcom drohen in den USA bis zu 20 Jahre Haft. Die dortigen Behörden werfen ihm Urheberrechtsverletzungen im großen Stil vor, weil über das Portal illegal Musikaufnahmen und Filme geteilt wurden.

(Foto: REUTERS)

Kim Dotcom wehrt sich mit allen Mitteln gegen seine drohende Auslieferung an die USA. Während der Fall im Gericht verhandelt wird, inszeniert der deutsche Internet-Millionär seine eigene Gerichtsshow - im heimischen Ledersessel.

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Bis 2012 genoss Kim Dotcom sein Luxusleben in Neuseeland. Dann geriet der deutsche Internet-Millionär ins Visier des FBI, das nur ein Ziel hat: den schwergewichtigen Mann in den USA wegen Urheberrechtsverletzungen vor Gericht zu bringen.

Am Dienstag begann das womöglich letzte Kapitel im Rechtsstreit zwischen Kim Schmitz, wie Kim Dotcom mit bürgerlichem Namen heißt, mit den Behörden. Am ersten Tag erzielte er einen Etappensieg. Der gebürtige Kieler setzte vor einem neuseeländischem Gericht eine Videoübertragung seiner gerichtlichen Auslieferungsanhörung via Internet durch. Als Grund nannte sein Anwalt Ron Mansfield weltweites Interesse. Dotcom jubelte via Twitter: "Richter hat Livestream genehmigt! Erfolg!"

Um 10 Uhr am Mittwochmorgen begann die Verhandlung in Auckland inklusive Live-Streaming mit verwackelten Bildern und wenig später auch die Show von Kim Dotcom. Da seine Anwesenheit im Prozess nicht gefragt war, verfolgte er die verzögerte Live-Übertragung vom heimischen Ledersessel aus, wie auf einem Foto zu sehen ist. Sein Kommentar dazu: "Zuhause vor Gericht", dazu ein Smiley.

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Was dann folgte, bewerten Rechtsexperten eher nüchtern. "Es ist ziemlich komplex und trocken, die Bilder und der Ton laufen nicht synchron. Ich glaube kaum, dass wir hier Zeugen einer neuen Epoche werden", zitiert der britische "Guardian" Marcelo Rodriguez Ferrere, Dozent an der Universität in Otage.

Wenig Begeisterung, wenig Zuschauer

Das sah der Megaupload-Gründer offenbar anders. Dotcom gab sich redlich Mühe, keine Langeweile aufkommen zu lassen. Immer wieder kommentierte er das Geschehen vor Gericht: "Versteht ihr den Unsinn, mit dem wir uns herumschlagen müssen? Ich bin so froh, dass ihr das alles jetzt mitansehen könnt. Krank!"

Zwischendurch forderte er die Zuschauer auf, Fotos von sich beim Zuschauen zu posten – und wählte dann sein Lieblingsbild aus. Als bei Gericht eine Mittagspause eingelegt wurde, versprach Dotcom: "Livestream wird fortgesetzt, nachdem der Magen mit leckerem Essen und gekühlten Getränken gefüllt ist" - und forderte seine Fans auf, dranzubleiben.

Allerdings hält sich das weltweite Interesse bislang sehr in Grenzen: Während laut Dotcom in der Spitze 1289 Zuschauer die Anhörung verfolgten, waren es laut Deutscher Presse-Agentur lediglich "ein paar Hundert Nutzer". Aber das kann ja noch werden. Die Berufungsanhörung könnte bis zu sechs Wochen dauern.

Quelle: n-tv.de, dsi

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