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Fragen und Antworten zum Plan Kommt jetzt der Corona-Immunitätsausweis?

Wer einen positiven Corona-Test hatte, könnte später einen Antivirustest machen.

Wer einen positiven Corona-Test hatte, könnte später einen Antivirustest machen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wer hat schon eine Covid-19-Erkrankung überstanden? Ein Immunitätsausweis könnte belegen, welche Personen schon Antikörper gegen das Virus gebildet haben und nicht mehr ansteckend sind. Was steckt hinter der Debatte um einen möglichen Ausweis?

Was ist ein Immunitätsausweis?

Falls wissenschaftlich bewiesen wird, dass nach einer Corona-Infektion Immunität besteht und ein Genesener nicht mehr ansteckend ist, sollen sich die Betroffenen diese Immunität bescheinigen lassen können. Somit könnte man einen Ausweis analog zum Impfpass einführen. Derzeit berät der Deutsche Ethikrat über das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der Immunitätsausweis soll Teil eines Corona-Gesetzes sein, das diese Woche im Bundestag beraten wird.

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Doch der Beweis der Immunität ist umstritten: Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist noch nicht hinreichend klar, ob eine überstandene Covid-19-Erkrankung überhaupt zu Immunität führt. Einige Regierungen hätten nach Angaben der WHO vorgeschlagen, Personen mit Corona-Antikörpern im Blut Immunitätsausweise auszustellen, mit denen diese dann wieder ohne Einschränkungen reisen oder arbeiten könnten, so die Organisation: "Diese Praxis könnte tatsächlich das Risiko einer weiteren Ausbreitung erhöhen". Chile hatte in der vergangenen Woche angekündigt, genesenen Patienten "Gesundheitspässe" auszustellen und sie wieder zur Arbeit zu schicken.

Wie könnte eine mögliche Immunität nachgewiesen werden?

Um eine mögliche Immunität nachzuweisen, muss nach der Erkrankung ein sogenannter Antikörpertest durchgeführt werden. Dieser Test muss eine sehr hohe Genauigkeit aufweisen und zeigt am Ende an, ob der Körper des Patienten Antikörper gegen Sars-Cov-2 gebildet hat. Bei einem erneuten Kontakt mit dem Erreger könnte der Körper dann das Virus abwehren. Solche Tests gibt es bereits - und heute erhält das Pharmaunternehmen Roche eine Zulassung für einen neuen Antikörpertest. Die WHO warnt jedoch vor Ungenauigkeiten bei Antikörpertests. Positive Antikörpertests könnten Menschen in falscher Sicherheit wiegen.

Was sagen deutsche Experten zu dieser Frage?

Die Frage der Immunität ist nicht abschließend geklärt, doch der Charité-Virologe und Berater der Bundesregierung, Christian Drosten, sieht einen Beleg für Immunität bei einer überstandenen Virus-Infektion gegeben. So erklärte er vergangene Woche in seinem NDR-Podcast: "Ich gehe weiter vollkommen davon aus, dass es eine Immunität gibt." Es müsse sich allerdings nicht um eine "sterile Immunität" handeln - das heißt, ein Genesener könnte sich eventuell in zwei bis drei Jahren noch einmal anstecken. Nach Ansicht des Virologen weiß man das auch von anderen Coronaviren. In den kommenden Jahren hofft die Wissenschaft auch auf den Impfstoff gegen das gefährliche Virus, das Covid-19 auslöst.

Laut Drosten habe die WHO sich bislang so geäußert, weil die Organisation eine Stigmatisierung von Genesenen und Gefährdeten verhindern möchte.

Wer würde von einer solchen Regelung profitieren?

In der Debatte um den Immunitätsausweis schwingt auch eine Diskussion um besondere Lockerungen für die Genesenen mit. Wer bereits zeigen kann, dass er nicht mehr ansteckend ist, könnte gegebenenfalls mehr Freiheiten zurückerlangen als diejenigen, die sich noch infizieren könnten. Genesene könnten damit vielleicht von Kontakt- und Reisebeschränkungen ausgenommen werden. Diese Fragen sind nicht geklärt, doch sie sind Teil der Debatte um den Ausweis.

Die Bürger würden in einem solchen Szenario nicht gleich behandelt werden, und es könnte zu einer Art Zweiklassen-Gesellschaft führen. Ein Ausweis könnte wie ein Freifahrschein wirken, während andere Menschen weiter unter Beschränkungen leben müssten. Auch diese Frage muss der Ethikrat abwägen.

Welche Kritik gibt es noch an diesem Vorschlag?

Grünen-Chef Robert Habeck sprach von kontraproduktiven Plänen. "Sie setzten einen indirekten Anreiz, sich zu infizieren, um im Shutdown wieder mehr Freiheiten als andere zu erhalten", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Das führe jede Eindämmungsstrategie ad absurdum. Außerdem sieht er Spaltungspotenzial: Firmen könnten nur Menschen anstellen, die Corona hatten; "Corona-free" könne auch zu einem sozialen Kriterium werden. FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg sieht "mehr Schaden als Nutzen", wie sie den Funke-Zeitungen sagte.

Quelle: ntv.de, mit dpa