Panorama

Anklage für Auftragsmorde Lebenslange Haft für Niederländer Holleeder?

1310CollegeTour_jpg_crop_display.jpg

Willem Holleeder galt als Kopf der Amsterdamer Unterwelt und inszenierte sich in den Medien als Schmusekrimineller.

(Foto: spitsnieuws.nl)

Willem Holleeder entführte 1983 den Bier-Unternehmer Freddy Heineken. Nun steht der wohl berüchtigste Verbrecher der Niederlande erneut vor Gericht. Er soll fünf Auftragsmorde begangen haben und könnte erstmals wegen Mordes verurteilt werden.

Ist Willem Holleeder nur ein kleiner Gauner oder ein eiskalter Killer? Nach einem spektakulären Prozess gegen den berüchtigsten Verbrecher der Niederlande wird das Amsterdamer Strafgericht am Vormittag das Urteil verkünden. Holleeder, der wegen seines großen Riechorgans "Die Nase" genannt wird, galt mehr als 30 Jahre lang als Kopf der Amsterdamer Unterwelt.

Dem 61-Jährigen droht eine lebenslange Haftstrafe unter anderem für fünf Auftragsmorde. Alle Opfer waren ebenfalls Kriminelle. Unter ihnen ist auch Holleeders früherer Kumpan Cor van Hout, mit dem er 1983 den Biermagnaten Freddy Heineken entführt hatte. In einer großen TV-Fragerunde im Jahr 2012 räumte Holleeder die Entführung ein. Er bedauere die Tat, habe aber damals schnell an Geld kommen wollen, sagte er. Die Familie Heineken zahlte damals umgerechnet 16 Millionen Euro. Von Holleeders Anteil konnte nur ein kleiner Teil sichergestellt werden. Für die Tat bekam er elf Jahre Haft.

Heute erwartet Holleeder das Urteil für die fünf Auftragsmorde, die ihm zur Last gelegt werden. Er selbst beteuert seine Unschuld, er sei nur ein "kleiner Gauner". Die Anklage hält ihn aber für einen "gewissenlosen Killer". Die Frage ist, ob die Beweise für eine Verurteilung ausreichen. Es gibt in keinem der Fälle DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die eindeutig dem Angeklagten zugeordnet werden können. Holleeders Verteidiger forderte deshalb in seinem Plädoyer Freispruch.

Kronzeugin war Holleeders Schwester Astrid. Die ehemalige Anwältin hatte ihren Bruder jahrelang heimlich abgehört und ihn dann vor Gericht schwer belastet. Das Buch, das sie über diesen Verrat schrieb, wurde ein internationaler Bestseller.

Niederländische Medien sprechen von Holleeder als dem bekanntesten Kriminellen des Landes. Käme es zu einer Verurteilung, sei das in jedem Fall ein Meilenstein. Denn Holleeder war in seiner gesamten kriminellen Karriere bisher nie wegen Mordes verurteilt worden. Die Justiz hat alles unternommen, um zu einem Schuldspruch zu kommen. Der Prozess hatte mehr als 60 Verhandlungstage, es wurden etwa 300 Zeugen vernommen, die Akten sind eine halbe Million Seiten dick. Prozessbeobachter rechnen damit, dass das Urteil keineswegs der Schlusspunkt ist. Gebe es Freispruch, werde auf jeden Fall die Anklage gegen das Urteil Berufung einlegen. Im Fall einer Verurteilung werde Holleeder das wohl kaum hinnehmen.

Quelle: ntv.de, sgu/sba