Panorama

Beichtgeheimnis bei Missbrauch Macron bestellt obersten Erzbischof ein

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Erzbischof de Moulins-Beaufort bei der Vorstellung des Missbrauchsberichts am Dienstag.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die katholische Kirche in Frankreich steckt in einer Existenzkrise, seit ein Untersuchungsbericht massenhaften Missbrauch von Kindern durch Priester dokumentiert. Weil er sich weigert, das Beichtgeheimnis zu lockern, lässt Präsident Macron den Vorsitzenden der Bischofskonferenz vorladen.

Nach dem Bekanntwerden hoher Missbrauchszahlen in der katholischen Kirche in Frankreich hat der französische Innenminister Gérald Darmanin den Vorsitzenden der Bischofskonferenz wegen dessen Äußerungen zum Beichtgeheimnis einbestellt. Dies geschehe auf Wunsch von Präsident Emmanuel Macron, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal in Paris. Ziel sei es, "die Dinge zu klären".

Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort hatte nach der Veröffentlichung des Missbrauchs-Berichts gesagt, das Beichtgeheimnis sei "stärker als die Gesetze der Republik". Dem widersprach Attal: "Nichts ist stärker als die Gesetze der Republik", betonte er. Der Bischof werde Anfang kommender Woche ins Ministerium einbestellt.

Die Untersuchungskommission zu den Missbrauchsfällen fordert unter anderem, Priestern die Anzeige mutmaßlicher Täter zu erleichtern, wenn sie im Beichtgespräch Hinweise auf sexuellen Missbrauch erhalten. Die Einbestellung eines katholischen Geistlichen in ein Ministerium ist in Frankreich eine höchst ungewöhnliche Maßnahme. In Frankreich sind Kirche und Staat streng getrennt. Das Beichtgeheimnis wird ähnlich wie das Berufsgeheimnis von Ärzten und Anwälten grundsätzlich anerkannt. Nach französischem Recht besteht aber die Pflicht, in besonders schweren Fällen die Schweigepflicht zu brechen.

Schockwellen in der katholischen Kirche

Nach dem Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission wurden in Frankreich rund 216.000 Minderjährige zwischen 1950 und 2020 Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Die Zahl der Opfer steigt dem Bericht zufolge auf 330.000, wenn Angreifer hinzugerechnet werden, die als Laien in Einrichtungen der katholischen Kirche arbeiteten, etwa an Schulen oder in Jugendgruppen. Die hohe Zahl der Missbrauchsopfer hatte Schockwellen in der katholischen Kirche ausgelöst.

Die Untersuchungskommission hatte der Kirche in dem Bericht außerdem geraten, für die Entschädigung der Missbrauchsopfer nicht auf Spendengeld zurückzugreifen. Auch dieser Empfehlung hatte Erzbischof de Moulins-Beaufort widersprochen. "Ich hoffe, dass eine gewisse Zahl von Gläubigen uns helfen wird", sagte der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz bereits am Mittwoch. Die katholische Kirche in Frankreich ist anders als die Kirche in Deutschland auf freiwillige Spenden der Gläubigen angewiesen, da es keine Kirchensteuer gibt.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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