Panorama

Klostergründung in der Lausitz Mönche zieht es nach Brandenburg

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Pater Kilian studierte unter anderem BWL, bevor er Mönch wurde.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach einem Jahr Probezeit wird im brandenburgischen Neuzelle eine neue Kloster-Niederlassung gegründet. Sechs Zisterzienser-Mönche sollen dann an die jahrhundertealte katholische Tradition des Ortes anknüpfen. Das ist schwieriger als gedacht.

Religiös gesehen ist das Land Brandenburg schwieriges Terrain, nur wenige glauben hier an Gott oder besuchen gar regelmäßig Gottesdienste. Die meisten der Wenigen sind evangelisch. Doch ausgerechnet dort soll ein neues Kloster entstehen. Katholische Zisterzienser-Mönche aus dem österreichischen Heiligenkreuz haben sich Kloster Neuzelle im Landkreis Oder-Spree für die Gründung eines Prioriats, sozusagen eine Außenstelle des Mutterklosters, ausgesucht. Am Sonntag wird die Niederlassung feierlich errichtet.

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Die Klosteranlage wurde umfassend restauriert, hier wird das neue Kloster aber nun doch nicht seine Heimat finden.

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)

Die Filiale des traditionsreichen Ordens zieht es an einen Ort, der seine jahrhundertelange Klostergeschichte noch immer im Namen trägt. In und um Neuzelle kommt kaum etwas ohne den Verweis auf die lange Geschichte mit dem Konvent aus. Es gibt die Klosterapotheke, eine Klosterbrauerei und natürlich das umfangreich sanierte Gelände, auf dem Touristen unter anderem eine umfangreiche historische Ausstellung besuchen können. Gerade wird viel gefeiert in Kloster Neuzelle, im vergangenen Jahr wurde die Verstaatlichung des Klosters durch den preußischen Staat vor 200 Jahren begangen. In diesem Jahr jährt sich die Gründung der Klosters zum 750. Mal.

Die Feierlichkeiten begleiteten bereits vier Zisterzienser-Brüder, die ausloten sollten, ob es eine gute Idee ist, sich in der Niederlausitz anzusiedeln. Die Mönche zogen ins Pfarrhaus auf dem Klostergelände und schauten sich im Brandenburgischen um. "Wichtig war für die Mönche, dass dort ein Ort ist, der spirituelle Impulse aussendet", sagt Rocco Thiede. Der Autor beobachtete die Annäherung dieser sehr verschiedenen Mönche für sein inzwischen fertiggestelltes Buch "Die Mönche kommen".

Am richtigen Ort?

Der künftige Prior Pater Simeon Wester beispielsweise war lange Kirchenmusiker, bevor er ins Kloster eintrat. Die Entscheidung für die Ansiedlung in Kloster Neuzelle hatte für den Rheinländer vor allem viel mit den gemeinsamen Gebeten in der barocken Stiftskirche St. Marien zu tun. Dabei habe er gemerkt: "Ja, das könnte was sein." Pater Kilian Müller, der aus Hessen stammt und an der Viadrina in Frankfurt/Oder Kulturwissenschaften studierte, kümmert sich um finanzielle Angelegenheiten, um Verhandlungen mit dem Stiftungsrat und dem Kultusministerium in Potsdam. An ihm wird es vor allem liegen, für das Kloster eine auch wirtschaftlich tragfähige Vision zu entwickeln.

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Mehrmals am Tag beten die Mönche in der Klosterkirche.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bruder Aloysius Maria Zierl ist sozusagen der Haushaltsvorstand. Er kauft ein, kocht und backt, wäscht und bügelt, ist morgens der erste, der aufsteht. Anders als seine Brüder wird er weder als Seelsorger unterwegs sein, noch lehren. Sein Lebensmittelpunkt ist tatsächlich das klösterliche Leben, wobei er keinen Hehl daraus macht, dass er Heiligenkreuz weiter als seine Heimat ansieht, in die er mit Freuden zurückkehren würde. Ein vierter Bruder, der zunächst in Neuzelle arbeitete, hat genau das bereits getan.

Bei aller Euphorie, die das Bistum Görlitz und Bischof Wolfgang Ipolt mit der Klostergründung verbinden, sind die Schwierigkeiten noch immer immens. Die inzwischen sechs Mönche teilen sich weiterhin das bisherige Pfarrhaus. Der einheimische Pfarrer ist ins benachbarte Eisenhüttenstadt umgezogen. Doch mit Klosterleben wie etwa in Heiligenkreuz haben die äußeren Bedingungen kaum etwas gemein. Es fehlen Rückzugsräume, in denen die Mönche sich ausschließlich auf ihre religiöse Praxis konzentrieren können.

Dabei haben die gut 4000 Einwohner des Ortes die Zisterzienser durchaus willkommen geheißen. Dass das Kloster Neuzelle tatsächlich wieder als Kloster genutzt werden soll, finden viele gut. Thiede hatte das Gefühl, das "fast etwas wie ein Traum in Erfüllung geht". Für Katholiken aus der näheren und ferneren Umgebung ist Neuzelle immer ein Glaubensort geblieben, zu DDR-Zeiten und bis in die 1990er- Jahre wurden hier beispielsweise Priester ausgebildet. Bis heute führen Wallfahrten hierher.

Kein Bier, sondern spirituelles Leben

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Doch die Stiftung Kloster Neuzelle hat inzwischen auf dem Klostergelände kulturelle und touristische Schwerpunkte entwickelt, die mit einem wirklichen Klosteralltag kaum zu vereinbaren sind. Am wenigsten schwierig ist noch die Nutzung der Stiftskirche zu den verschiedenen Gebetszeiten. Insgesamt dreieinhalb Stunden verbringen die Mönche über den Tag verteilt im Gebet in der Kirche. Dann ist das Gotteshaus erfüllt mit gregorianischen Gesängen. Manchmal hören Besucher zu, morgens um 5 Uhr zu den Vigilien und abends um 20 Uhr bei der Komplet sind die Brüder indes meist allein.

Doch ein Konvent mit Gästeräumen, Zimmern für die Mönche, in denen sie in Klausur gehen können, verträgt sich nicht mit dem geschäftigen Leben auf der barocken Klosteranlage. Und die bisherigen Mieter sind dann offenbar doch nicht bereit, den Mönchen Platz zu machen. Der ursprüngliche Plan, auf dem alten Gelände wieder heimisch zu werden, ist inzwischen jedenfalls ad acta gelegt. Die Mönche planen nun einen Neubau in der Umgebung.

Bei der Bekanntgabe betonten alle Beteiligten die Richtigkeit der Entscheidung. Die Mönche verwiesen darauf, dass sich Spender leichter tun, in Klostereigentum zu investieren. Außerdem sei ein Neubau freier zu gestalten, modern umzusetzen und auch künftig kostengünstiger zu unterhalten. Im Potsdamer Kultusministerium sicherte man Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Liegenschaft zu. Das Bistum und das Bonifatiuswerk wollen finanziell helfen.

Von den noch zu erwartenden Schwierigkeiten wird man am Wochenende wohl nur wenig hören, bei der jährlichen Bistumswallfahrt soll gefeiert werden. Bischof Ipolt sagte der "Lausitzer Rundschau", er erhoffe sich von der Gemeinschaft, dass sie eine "geistliche Tankstelle" für das ganze Bistum wird. Im "Tagesspiegel" stellte Prior Wester schon mal klar, dass man weder Brot backen, noch Bier brauen oder Wein anpflanzen wolle.

Pater Kilian, der auch für die Öffentlichkeitarbeit des Klosters zuständig ist, verweist an dieser Stelle regelmäßig auf das "monastische Leben", das die Brüder mit ihrer Entscheidung für die klösterliche Gemeinschaft verbinden. Das gehe weit über die Klostergebäude hinaus. Ipolt wünscht den Brüdern für die Gründerjahre ausdrücklich "Mut, Zuversicht und Durchhaltevermögen". Das ist vielleicht nicht der schlechteste Rat, den man für das Leben in Brandenburg geben kann.

Quelle: n-tv.de

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