Panorama

Regierung bildet Krisenstab Neue Corona-Fälle in drei Bundesländern

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Der Soldat in Rheinland-Pfalz wird in Koblenz behandelt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Innerhalb kurzer Zeit werden neun Coronavirus-Infektionen in Deutschland bekannt. Unter den Erkrankten ist auch ein Soldat der Bundeswehr. Ein Krisenstab der Bundesregierung soll nun dem Kampf gegen den Erreger koordinieren.

Erstmals ist bei einem Patienten In Rheinland-Pfalz das neuartige Coronavirus festgestellt worden. Es handele sich um einen 41-jährigen Soldaten der Flugbereitschaft am Militärflughafen Köln-Wahn, der im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt werde, teilte die Bundeswehr mit. Er habe grippeähnliche Symptome, sei aber "in einem gutem Zustand". In den Nachbarbundesländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen waren zuvor erstmals Infektionen mit dem neuartigen Virus nachgewiesen worden.

In Nordrhein-Westfalen wurde bei einem Mann das Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen. Der Zustand des 47 Jahre alten Patienten ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums kritisch. Die Uniklinik Düsseldorf behandelt auch seine 46-jährige infizierte Frau. Der Mann war am Montag mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in einem Krankenhaus in Erkelenz im Kreis Heinsberg bei Aachen auf der Intensivstation isoliert worden. Nach dpa-Informationen leidet er an einer Vorerkrankung. Das Ehepaar habe in den vergangenen Tagen mit sehr vielen Menschen Kontakt gehabt, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Die Frau hat demnach als Erzieherin noch bis Freitag in einem Kindergarten gearbeitet. Der erkrankte Soldat in Rheinland-Pfalz hatte laut der Bundeswehr Kontakt zu dem Paar beim Karneval.

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Am Abend teilte der Kreis Heinsberg mit, dass zwei weitere Kontaktpersonen des Paares erkrankt seien. Dabei handele es sich um eine Mitarbeiterin des 47-Jährigen und deren Lebensgefährten, wie ein Sprecher des Kreises sagte.

Spahn: "Infektionsketten teilweise nicht nachzuvollziehen"

Nachgewiesen wurde der Erreger auch bei vier Personen aus Baden-Württemberg. Neu ist der Fall eines Mannes aus dem Landkreis Rottweil, der am frühen Abend bestätigt wurde. Der 32-Jährige sei am Sonntag aus dem Risikogebiet in Italien eingereist und habe keine Verbindungen zu den bislang gemeldeten drei Patienten im Südwesten, teilte das Gesundheitsministerium in Stuttgart mit.

Zuvor hatte Gesundheitsminister Manfred Lucha Details zu einem Patienten aus dem Landkreis Göppingen bekanntgegeben, dessen Erkrankung am Dienstagabend bekannt geworden war. Der 25-Jährige hatte sich vermutlich bei einem Italien-Urlaub vergangene Woche infiziert. Auch die 24 Jahre alte Reisebegleitung des 25-Jährigen und deren Vater, ein Oberarzt am Tübinger Universitätsklinikum haben sich infiziert.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erwartet aufgrund der aktuellen Entwicklung eine Corona-Epidemie in Deutschland. "Die Infektionsketten sind teilweise - und das ist eine neue Qualität - nicht nachzuvollziehen." Vor diesem Hintergrund sei es fraglich, ob die bisherige Strategie zum Eingrenzen des Virus und zum Beenden der Infektionsketten weiter aufgehe, so der CDU-Politiker in Berlin. Weiter sagte der Minister, noch sei Deutschland in der Phase, mögliche Infektionen frühzeitig zu erkennen und Kontaktpersonen zu isolieren. Es könne aber die Phase eintreten, in der nicht alle Kontakte ermittelt werden könnten. Am Donnerstag will Spahn, zusammen mit Bundesinnenminister Horst Seehofer, über die Einrichtung eines Krisenstabes informieren.

Erste Infektionen in Bayern

In Deutschland waren schon vor einiger Zeit erste Infektionen mit Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, nachgewiesen worden: vor allem bei einer Firma in Bayern, aber auch bei Rückkehrern aus Wuhan, die auf dem Frankfurter Flughafen gelandet waren und zur Quarantäne in eine Bundeswehrkaserne in Germersheim gebracht wurden. Diese Fälle führten aber nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen.

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Anfang Februar hatte die Bundeswehr 126 Deutsche und ihre Angehörigen mit einer Sondermaschine aus der stark vom Coronavirus betroffenen Stadt Wuhan in China zurückgeholt, die Maschine landete auf dem Frankfurter Flughafen. Bei zwei Rückkehrern wurde das Coronavirus Sars-CoV-2 festgestellt, sie wurden von Germersheim in die Uniklinik Frankfurt gebracht und dort Mitte Februar wieder entlassen. Die Menschen, bei denen das Virus nicht nachgewiesen wurde, mussten zwei Wochen in Quarantäne verbringen.

Die meisten Menschen haben bei einer Infektion nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa