Panorama

Attentat in Berlin-MoabitNeue Hinweise auf russischen Auftragsmord

27.09.2019, 11:14 Uhr
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Der 40-jährige Changoschwili war am 23. August mittags im Kleinen Tiergarten im Berliner Stadtteil Moabit erschossen worden. (Foto: picture alliance/dpa)

Geschah der Mord im Kleinen Tiergarten in Berlin im Auftrag Russlands? Medienrecherchen deuten zumindest darauf hin, dass staatliche russische Stellen mithalfen, eine falsche Identität für den mutmaßlichen Attentäter zu kreieren. Dabei kommt es allerdings zu verräterischen Auffälligkeiten.

Nach dem Mord an dem Georgier Selimchan Changoschwili im Berliner Stadtteil Moabit Ende August verdichten sich die Hinweise darauf, dass staatliche Stellen hinter dem Attentat stecken könnten. Als Verdächtiger für den Mord gilt ein russischer Staatsbürger mit dem Namen Wadim Sokolow, der kurz nach der Tat von der Berliner Polizei festgenommen worden war. Bereits kurz darauf kam ans Licht: Im nationalen russischen Reisepasssystem war niemand mit den genannten Personalien gemeldet.

Gleichzeitig deuten Spuren in der Datenbank für nationale russische Ausweispapiere darauf hin, dass "Sokolow" kurz vor dem Mord als falsche Identität für den mutmaßlichen Attentäter kreiert wurde, berichtet der "Spiegel". So finde sich in der Datenbank ein Sperrvermerk für die Personalien des Mannes. Darin heißt es, es handele sich um eine "vom Gesetz geschützte Person" und außerdem: "Kontaktieren Sie einen Administrator, um die Akte zu erhalten."

Auffällig ist dies laut dem Bericht deshalb, weil solche Vermerke auch neben den Personalien der mutmaßlichen Attentäter des russischen Ex-Agenten Sergej Skripal sowie bei Personalien anderer Geheimdienstmitarbeiter stehen. Laut dem "Spiegel", der seine Recherchen gemeinsam mit der investigativen Webseite "Bellingcat", "The Insider" und dem "Londoner Dossier Center" vorantrieb, deutet dies darauf hin, dass der russische Staat bei der Beschaffung der falschen Identität des Berliner Attentäters mithalf.

Darüber hinaus erhärtet sich der Verdacht einer falschen Identität bei einem Blick in die russische Steuerdatenbank, wie es in dem Bericht weiter heißt. Denn dort taucht die Identität "Sokolow" zum ersten Mal am 16. Juni 2019 auf, womit der Mann 49 Jahre alt sein müsste. Allerdings werden alle russischen Bürger das erste Mal in dieser Datenbank registriert, wenn sie eine Arbeitsstelle antreten - "Sokolow" hätte demnach erst mit fast 50 Jahren zum ersten Mal einen Job gehabt.

Auch USA vermuten Russland hinter Attentat

Auch von der US-Regierung wurde bereits der Verdacht geäußert, dass der Mord in Berlin von Russland in Auftrag gegeben wurde. "Die Vereinigten Staaten glauben, dass Russland für diesen Mord verantwortlich ist", sagte ein US-Regierungsmitarbeiter dem "Wall Street Journal". Der Attentäter habe den mutmaßlich falschen Namen Wadim Sokolow ausgestellt bekommen und anschließend rasch bei der französischen Botschaft in Moskau ein Schengen-Visum beantragt und ausgestellt bekommen. Eine falsche Identität mit einem echten Reisepass könne nur von den russischen Behörden geliefert werden, schlussfolgerte der US-Regierungsmitarbeiter.

Der 40-jährige Changoschwili war am 23. August mittags im Kleinen Tiergarten im Berliner Stadtteil Moabit erschossen worden. Die Tatwaffe und das mutmaßliche Fluchtfahrrad des Täters wurden beschlagnahmt. Um den Mord ranken sich Spekulationen, der Georgier könne wegen seiner Vergangenheit unter anderem als Mitglied georgischer Spezialkräfte Opfer eines Auftragsmords des russischen Geheimdiensts gewesen sein. Der Kreml dementierte jegliche Verwicklung in den Vorfall.

Quelle: kst

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