Panorama

Corona-Krisenstab prüft ITB Reisende sollen "Aussteigekarten" ausfüllen

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Spahn und Seehofer (r.) haben einen Krisenstab zum Coronavirus eingerichtet.

(Foto: dpa)

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus setzt die Bundesregierung einen Krisenstab ein. Für den Reiseverkehr sind bereits die ersten Maßnahmen besprochen. Und auch die ersten Lehren aus der aktuellen Situation werden bereits gezogen.

Angesichts einer deutlich verschärften Lage bei der Ausbreitung des Coronavirus sollen Reisende aus Infektionsgebieten Informationen über ihren Aufenthaltsort nach der Ankunft abgeben müssen. Das hat der von der Bundesregierung eingesetzte Krisenstab zur Coronavirus-Epidemie beschlossen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Innenminister Horst Seehofer bekannt gaben. Eine entsprechende Anordnung werde er gemeinsam mit Verkehrsminister Andreas Scheuer treffen, sagte Spahn. Eine Abriegelung von Städten sei aus heutiger Sicht aber nicht notwendig. Derweil plädiert Seehofer in einem Interview für eine Absage der Tourismusmesse ITB.

Seehofer sagte, es sollten "Aussteigerkarten" ausgefüllt werden müssen. Für Flug- und Schiffsreisen werde dies angeordnet, für Bahn- und Busreisen hoffe man auf eine Selbstverpflichtung, um zurückverfolgen zu können, wer an Bord war. Für diese Bereiche gebe es keine unmittelbare Rechtsgrundlage für eine entsprechende Anordnung. Man hoffe aber auf eine entsprechende Zustimmung der Unternehmen bei einer Sitzung des Krisenstabes am Freitag. Die Maßnahme sei "für die Unterbrechung der Infektionsketten unverzichtbar", betonte Seehofer. Die Länder sollten zudem bei der Zuwanderung von Asylbewerbern Tests durchführen.

Krisenstab erörtert Großveranstaltungen

Spahn erklärte, es gehe darum, "das Geschehen zu verlangsamen und einzudämmen". Dazu müssten die Patienten isoliert werden und sämtliche Kontaktpersonen in Quarantäne genommen werden. Die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen zeige, dass dies "nur unter größtem Aufwand" gelinge. Noch immer sei die Erstinfektion dort nicht ausfindig gemacht worden. Die Bundesländer sollten nun ihre Pandemiepläne aktualisieren und ihre Inkraftsetzung vorbereiten. Spahn kündigte auch eine Informationsoffensive der Regierung an. Verdachtsfälle sollen demnach telefonischen Kontakt suchen.

"Die Lage ist ernst", sagte Seehofer. Der Innenminister kündigte an, dass sich der Krisenstab auch mit Großveranstaltungen wie der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) befassen werde. "Man muss das beurteilen und muss uns Politikern dann eine Empfehlung geben", hob er hervor. Wenig später zitierte die "Wirtschaftswoche" Seehofer mit dem Satz: "Ich persönlich bin der Meinung, dass man sie nicht durchführen sollte." Das Risiko bei einer solch großen Tourismusmesse mit Vertretern auch aus betroffenen Regionen und mit erwarteten 150.000 Besuchern sei nicht kalkulierbar.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden, empfiehlt das Robert-Koch-Institut einige Verhaltensregeln:

  • Hände mehrmals am Tag für 20 bis 30 Sekunden gründlich mit Seife waschen.
  • In die Ellenbeuge husten und niesen, damit die Hände sauber bleiben. Dabei Abstand zu anderen Menschen halten.
  • Hände vom Gesicht fernhalten, aufs Händeschütteln verzichten.
  • In öffentlichen Einrichtungen Hände möglichst mit einem Papiertuch trocknen.
  • Im Büro und zu Hause regelmäßig lüften.

Die Messebetreiber hatten bereits mitgeteilt, dass Aussteller nicht auf das Messegelände dürften, die innerhalb der vergangenen 14 Tage in den jeweiligen Risikogebieten in China, Iran, Italien oder Südkorea waren, Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder Anzeichen typischer Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden haben. Die Messe soll vom 4. bis zum 8. März stattfinden.

Lage hat sich "deutlich verschärft"

Eine Absage der im Sommer geplanten Olympischen Spiele sah Seehofer derzeit nicht geboten. "Jetzt warten wir einmal ab, wie sich die nächsten Wochen und Monate entwickeln", hob er hervor. "Aus meiner Sicht besteht jetzt als Sportminister noch kein Entscheidungsbedarf."

Derweil rechnet die Bundesregierung mit steigenden Zahlen von Infektionen mit dem Coronavirus. Seehofer pflichtete Spahn bei, dass Deutschland am Beginn einer Epidemie stehe. Dies heiße, "es wird noch eine weitere Entwicklung nach oben geben", sagte er. Die Lage habe sich "deutlich verschärft".

Ferner wird die Gesundheitsuntersuchung von Asylbewerbern um einen Test auf Coronaviren erweitert. Zur Begründung verwies Seehofer darauf, dass viele Flüchtlinge zum Teil aus problematischen Ländern wie Afghanistan, Pakistan, der Türkei oder dem Iran kämen. Angesichts der angespannten Lage in Italien sei die Überstellung von Flüchtlingen von und nach Italien ausgesetzt. Und schließlich steht auf der Tagesordnung des Krisenstabes die Erörterung wie medizinische Ausrüstung, dass wegen der Coronaviruskrise knapp zu werden droht, im Land bleibt, wie Spahn sagte.

"Nies- und Hustenhygiene" einhalten

Einmal mehr appellierte der Gesundheitsminister an die Bürger, Grundregeln der "Nies- und Hustenhygiene" einzuhalten. Im Verdachtsfall soll ein Arzt kontaktiert werden. Er riet aber davon ab, sich in Wartezimmer zu setzen, sondern im Bedarfsfall lieber telefonisch Kontakt aufzunehmen. Zudem sprach er sich dafür aus, dass lieber einmal zu viel als zu wenig auf das Virus getestet werde. Die Kosten übernähmen auf jeden Fall die Kassen - im Bedarfsfall würden entsprechende Anordnungen angepasst.

Mit Blick auf die kommenden Monate kündigte Spahn zudem an, mit den Ländern über die jeweiligen Pandemiepläne zu sprechen. "Ja, wir haben Pandemiepläne, ja, wir haben Abläufe, aber wir üben sie nicht oft genug in diesem Land", sagte er.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/dpa/rts/DJ