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Fragen und Antworten Retter kommen an Julen nicht heran

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Der Untergrund besteht aus verschiedenen Gesteinsschichten, von denen manche extrem hart sind.

(Foto: imago/Agencia EFE)

Mehr als eine Woche ist bereits vergangen, seit der kleine Julen in einen illegal gegrabenen Bohrschacht stürzte. Obwohl seitdem Rettungsarbeiten laufen, gibt es kaum gute Nachrichten vom Unglücksort in Spanien. Warum?

Können die Retter den Zweijährigen heute endlich erreichen?

Der spanischen Zeitung "El Pais" zufolge gestalten sich die Bohrarbeiten erneut extrem schwierig. Die Retter haben demnach eine Tiefe von 52 Metern erreicht, die letzten Spuren des Kindes wurden in etwa 70 Metern Tiefe entdeckt, der Unglücksschacht ist 110 Meter tief. Demnach wurden die Arbeiten die ganze Nacht hindurch fortgesetzt, allerdings stoßen die Helfer immer wieder auf sehr harte Gesteinsbrocken, weshalb die ursprünglichen Prognosen nicht eingehalten werden können, dass der Junge am Montag geborgen wird. Da die Bohrung auch noch verkleidet werden muss und Löcher aufgefüllt werden, um die Stabilität zu gewährleisten, rechnen die Retter nun erst frühestens am Dienstag damit, bei Julen anzukommen. Möglicherweise wird es aber auch erst am Mittwoch so weit sein.

Wie sieht der Rettungsplan jetzt aus?

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Es wird gerade ein Loch gebohrt, das parallel zu dem liegt, in das Julen gefallen ist. In einer Tiefe von 71 Metern soll dann per Hand ein horizontaler Tunnel bis zu dem Kind gegraben werden.

Wer sind die Retter?

Der spanischen Zeitung "El Mundo" zufolge besteht die unmittelbare Rettungsmannschaft aus acht Männern, die auf Bergbaurettungen spezialisiert sind. Die "Hunosa Mining Rescue Brigade", die den Quertunnel gräbt, stammt aus Asturien. Sie ist mit Spitzhacken und Atemgeräten ausgestattet, der Junge soll in einer Metallkapsel geborgen werden.

Warum konnte Julen nicht über das Loch gerettet werden, in das er gefallen ist?

Geröll und Erde, die Julen bei seinem Sturz offenbar mit sich gerissen hatte, blockieren das Loch, zudem ist es zu eng für die Bergungskräfte.

Wieso dauert die Rettung so lange?

Einen solchen Notfall habe es weltweit noch nie gegeben, versicherten der Feuerwehrchef der Region um Málaga, Julián Moreno, und der Delegierte der Madrider Zentralregierung in Andalusien, Alfonso Rodríguez Gómez de Celis. Der Sprecher des Verbandes der Minen- und Wegebau-Ingenieure in Málaga, Juan López-Escobar, schlug in die gleiche Kerbe und betonte: "In den USA hat man zum Beispiel 70 Stunden gebraucht, um ein Kind zu bergen, das nur in sieben Meter Tiefe festsaß." Architekt und Bergungsexperte Jesus Flore Vila sagte jedoch n-tv.de, mit Fehlentscheidungen der Verantwortlichen vor Ort seien mehrere Tage vergeudet worden. Es habe viel zu lange gedauert, Material und Gerät heranzuschaffen, außerdem habe man gezögert, Experten um Hilfe zu bitten.

Wie wahrscheinlich ist es denn, dass Julen noch lebt?

Es gibt seit dem 13. Januar keine Lebenszeichen von Julen, deshalb schwinden die Hoffnungen, dass der Zweijährige lebend gerettet werden kann. "Wir haben aber weiterhin die Hoffnung, Julen lebend bergen und zu den Eltern bringen zu können", beteuerte der Sprecher des Rettungsteams, García Vidal, am Samstag. Inzwischen gibt es solche Statements nicht mehr. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist völlig unklar, welche Verletzungen sich der Junge möglicherweise beim Sturz in die Tiefe zugezogen hat. Auch die unklare Versorgung mit Flüssigkeit, Nahrung und Sauerstoff könnten für das Schicksal des Jungen entscheidend sein. Der Zeitung "ABC" sagte der Kinderarzt Jorge Muñoz, mit jedem Tag, der vergehe, werde es schwieriger. "Sauerstoff ist wichtig, aber wenn er weder Wasser noch Nahrung hat, kann er nicht länger als eine Woche oder zehn Tage überleben", sagte Muñoz.

Gibt es einen Beweis, dass der Junge wirklich dort unten ist?

Unmittelbar nach dem Unglück berichtete der Vater José Roselló, ein Cousin habe den Jungen in das Loch stürzen sehen. Danach habe er selbst ihn weinen gehört. Bei Kameraaufnahmen wurde in dem Schacht in einer Tiefe von knapp 75 Metern eine Tüte mit Süßigkeiten entdeckt, die Julen bei sich hatte. Außerdem waren Haare gefunden worden, die per DNA-Untersuchung dem Jungen zugeordnet wurden. Der örtlichen Polizei liegen zudem Familienfotos vor, die den Picknickausflug zeigen, bei dem das Unglück geschah.

Wie war es zu dem Unglück gekommen?

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Der zweijährige Julen war nach Angaben seiner Familie am Sonntag vor einer Woche in der Nähe der andalusischen Gemeinde Totalán beim Spielen in das Loch gefallen, während seine Eltern in der Nähe picknickten. Der 110 Meter tiefe Erkundungsschacht mit einem Durchmesser von nur 25 Zentimetern war nach Behördenangaben nicht markiert und ohne Genehmigung gebohrt worden. Der Brunnenschacht wurde nach Medienberichten im Dezember auf der Suche nach Wasser in der von Dürre geplagten Region nahe einer Finca eines Onkels von Julen gebohrt. Die Polizei ermittelt deshalb bereits. Zu der Frage, ob das Loch abgedeckt war oder nicht, gibt es verschiedene Angaben.

Wo sind die Eltern des Jungen?

Die Eltern hatten tagelang unmittelbar am Unglücksort ausgeharrt. Inzwischen sind sie in Totalán. Von der Familie heißt es, man gebe die Hoffnung nicht auf.

Quelle: n-tv.de

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