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Gewalt löst Proteste aus Sechsjährige Inderin vergewaltigt und getötet

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In weiten Teilen Indiens kam es zu Massenprotesten gegen Gewalt an Frauen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sexuelle Gewalt gegen Frauen und auch Kinder kommt in Indien oft vor. Während es nun wegen der brutalen Vergewaltigung und Ermordung einer 27-Jährigen in vielen Städten zu Protesteten kommt, wird das Land von einer weiteren tragischen Nachricht erschüttert.

In Indien verstärkt sich die Wut über die nicht abreißende Serie von Vergewaltigungen und Ermordungen von Mädchen und Frauen. Während Demonstranten in Neu Delhi, Hyderabad und Bangalore gegen die Gruppenvergewaltigung einer 27-jährigen Tierärztin auf die Straße gingen, trafen Meldungen über die Vergewaltigung und Erdrosselung einer Sechsjährigen im Bundesstaat Rajasthan ein.

Die Leiche der Sechsjährigen wurde demnach halbnackt in einem Gebüsch entdeckt. Die Polizei nahm einen 40-Jährigen unter Tatverdacht fest. Das Mädchen war laut den ersten Ermittlungen vergewaltigt und mit dem Gürtel seiner Schuluniform erdrosselt worden.

Die am vergangenen Mittwoch ermordete Tierärztin wurde den ersten Ermittlungen zufolge in einer Vorstadt von Hyderabad von vier Männern vergewaltigt, anschließend mit Benzin übergossen und verbrannt. Am Samstag hielt die Polizei eine aufgebrachte Menge in Hyderabad unter Einsatz von Gewalt davon ab, die Polizeistation zu stürmen, in der die vier Verdächtigen festgehalten wurden.

Abgeordnete fordert zum "Lynchen" auf

Bei den Massendemonstrationen in vielen Teilen des Landes wurden strengere Gesetze zum Schutz von Frauen gefordert. Dem britischen "Guardian" zufolge sprechen die Aktivisten von einem "Versäumnis" der Regierung, die Verbrechen gegen Frauen zu kontrollieren. Eine Frauenrechtlerin aus Mumbai sagte laut der Nachrichtenseite, auch der Mangel an weiblichen Polizeibeamtinnen sei einer der Gründe für das Problem.

Die frühere Schauspielerin Jaya Bachchan, die inzwischen Parlamentsabgeordnete ist, forderte zum "Lynchen" der Täter auf. Ein anderer Abgeordneter forderte, Vergewaltiger zu kastrieren. Im April 2018 hatte die indische Regierung einen Erlass auf den Weg gebracht, um die Vergewaltigung von Kindern unter zwölf Jahren unter Todesstrafe zu stellen.

Sexuelle Gewalt gegen Frauen und auch Kinder kommt in Indien oft vor. Erst am Samstag erlag in einem Krankenhaus der Hauptstadt Neu Delhi eine 16-Jährige ihren schweren Verletzungen, nachdem sie zehn Tage zuvor von einem Nachbarn vergewaltigt worden war.

Hohe Dunkelziffer

Nach offiziellen Statistiken wurden 2016 in dem Land mehr als 19.000 Vergewaltigungen von Minderjährigen erfasst. 2017 waren es 10.000. Bei einer Einwohnerzahl von 1,3 Milliarden klingen die Zahlen eher niedrig. Zum Vergleich: In Deutschland wurden im gleichen Jahr bei einer Bevölkerungszahl von 82 Millionen Einwohnern knapp über 11.000 Vergewaltigungen an Frauen und Mädchen erfasst. In Indien dürfte die Dunkelziffer jedoch weitaus höher liegen.

Bereits seit Jahren beklagen Aktivisten, dass ein Großteil der sexuellen Übergriffe in Indien nicht angezeigt werde. Zu groß sei die Angst, von der Polizei stigmatisiert zu werden. In vielen Fällen decken korrupte Polizisten zudem die Täter. Erst vor wenigen Monaten wurden drei Beamte in Kaschmir zu Haftstrafen verurteilt, weil sie nach der Vergewaltigung einer Achtjährigen Beweismittel vernichtet hatten.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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