Panorama

Hightech im Altenheim Sind Pflegeroboter wirklich die Zukunft?

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"Pepper" mit seinen schwarzen Kulleraugen ist dem Aussehen eines Menschen nachempfunden.

(Foto: REUTERS)

Noch unterhalten Pflegeroboter die Senioren nur und werden in Pflegeheimen versuchsweise eingesetzt. Ob sie tatsächlich einmal tatkräftig beim Essenaustragen und Waschen helfen können, darüber sind die Experten noch uneins.

Für Marc Specht ist "Pepper" die Zukunft der Pflege. Neben dem Marketing-Leiter der Firma BoS&S Software (BoS&S) steht der ein 1,20 Meter große und 40 Kilogramm schwere Roboter aus weißem Kunststoff. "Pepper" soll Pflegern in Altenheimen und Krankenhäusern in Zukunft die Arbeit erleichtern.

"Wir brauchen langfristig betrachtet Roboter, denn der Fachkräftemangel in der Pflege kann sonst nicht gedeckt werden", meint Specht zu n-tv.de. Die BoS&S entwickelt in ihren Gebäuden in Berlin-Adlershof eine Software, um den Roboter für den Einsatz in Altenheimen und Krankenhäuser zu programmieren.

Vor einem Jahr hat die Firma einen Pflegeroboter des japanischen Herstellers Softbank gekauft. Eingesetzt werden soll "Pepper" künftig etwa bei demenzkranken Bewohnern, um sie mit Gedächtnisspielen zu unterstützen. "Pepper" kann zudem Senioren Bewegungsübungen zeigen oder Patienten an die Einnahme ihrer Medikamente erinnern.

Neue Fähigkeiten für "Pepper"

Specht und die BoS&S hoffen, dass sie den Pflegekräften mit dem Einsatz des technischen Helfers mehr Zeit verschaffen können. Während der Roboter eine Gruppe von Senioren in den Gemeinschaftsräumen unterhält, bliebe Pflegenden mehr Raum für die Betreuung der einzelnen Patienten.

In der Vorführung des Roboters zeigt sich, dass "Pepper" das mit der Unterhaltung schon ganz gut hinbekommt. Per Knopfdruck faltet die Maschine ihre Arme auseinander, simuliert Tanzbewegungen oder übernimmt einfache Kommunikation und erzählt Witze. Klassische Aufgaben der Pflege wie waschen oder Essen austragen kann der Roboter aber nicht.

Erst die Nachfolgegenerationen von "Pepper" sollen Fachkräften künftig physische Entlastung bescheren. "Es geht dann um Aufgaben wie Umbettung oder etwa das Heben in den Rollstuhl", meint Specht. Derzeit arbeitet die BoS&S zwar an Anwendungen, mit denen sie "Pepper" neue Fähigkeiten verleihen will. Doch diese beschränken sich derzeit auf das Aufspielen von digitalen Krankenakten oder Dienstplänen.

Keine schneller Einsatz in Sicht

Specht und die BoS&S setzen auf neue Techniken, um die Fertigkeiten des Roboters künftig zu verfeinern. Mittlerweile beschäftigt sich eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe mit Entwicklungen der Robotik in der Pflege. Und die BoS&S ist nicht die einzige Firma, die mit künstlichen Intelligenzen experimentiert. Ein Team aus Wissenschaftlern der Universität Siegen und der Fachhochschule in Kiel hat den Pflegeroboter "Pepper" bereits 2018 versuchsweise für die Betreuung von Senioren programmiert und in den ersten Altenheimen getestet. Dabei stieß der Roboter bei den Fachkräften auf weit weniger Skepsis, als anfangs angenommen.

In Studien konnte zudem nachgewiesen werden, dass Senioren in den Altheimen ihren neuen Helfer gut angenommen haben. Dennoch ist die Fachwelt weiterhin uneinig in der Frage, ob Pflegeroboter tatsächlich den Notstand in der Pflege lösen können. Denn eine hohe Akzeptanz allein reicht nicht aus.

Pflegeexpertin Dorothea Voss von der Hans-Böckler-Stiftung sagt zu n-tv.de: "In Pflegeheimen wird ein Roboter gegenwärtig und in naher Zukunft keine Bedeutung haben, weil der Roboter die Kernaufgaben in der Pflege nicht übernehmen kann." Voss ist überzeugt davon, dass für eine gute Pflege vor allem eines gegeben sein muss: das Zusammenwirken von Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten und Angehörigen. Die Technik stößt da an ihre Grenzen.

Rennen um Fördergelder

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung setzt mittlerweile trotzdem auf die technischen Möglichkeiten in der Pflege und versucht dafür Gelder freizumachen. Jüngst schrieb das Ministerium Fördersummen in Höhe von fast zehn Millionen Euro für Pilotprojekte mit sozialen Robotern aus. Auch Specht und seine Firma wollen dieses Jahr mit ihrer Testphase beginnen, bevor alle programmierten Roboter ab 2020 tatsächlich in die Altenheime kommen sollen.

Eine offene Frage, die bei dem Einsatz in der Praxis geklärt werden muss, dürfte dabei auch die nach dem Datenschutz sein. Denn bei dem Einsatz des Pflegeroboters geht es auch um den Umgang mit sensiblen Patientenangaben oder die Frage, ob beispielsweise die Funktion zur Gesichtserkennung eingeschaltet sein darf.

Derzeit dürfte neben ethischen Bedenken aber vor allem die Kosten ein großer Dämpfer bei der Frage nach dem Einsatz von Pflegeroboter sein. Specht meint: "Je länger die Roboter auf dem Markt sind, umso günstiger werden sie auch." Für den reinen Kauf des Roboters hat die Firma einen niedrigen fünfstelligen Betrag gezahlt. Und auch die Kosten für programmierte Pflegeroboter in den Altenheimen werden von Krankenkassen bislang nicht übernommen.

Quelle: n-tv.de

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