Panorama

Aufruf für erfundene Waisen "Spiegel"-Betrüger veruntreute offenbar auch Spenden

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Der "Spiegel" stellt nun Strafanzeige gegen Relotius.

(Foto: imago/Steinach)

Offenbar betrog Reporter Claas Relotius seine Leser und den "Spiegel" nicht nur mit gefälschten Artikeln: Wie das Magazin öffentlich macht, könnte der Journalist auch Spenden für erfundene Protagonisten seiner Geschichten einkassiert haben.

Der ehemalige "Spiegel"-Reporter Claas Relotius hat nach Angaben des Nachrichtenmagazins womöglich auch Spendengelder veruntreut. Wie das Blatt berichtet, hätten sich Leser gemeldet und berichtet, dass Relotius von seinem privaten E-Mail-Konto Lesern Spendenaufrufe geschickt habe. Mit dem Geld wolle er Waisenkindern in der Türkei helfen, habe er angegeben. Das aufgeführte Konto war Relotius' privates. Der "Spiegel" stellte in diesem Zusammenhang Strafanzeige gegen Relotius.

Wie der "Spiegel" selbst berichtet, ist unklar, wie viele Leser dem Aufruf von Relotius gefolgt sind und wie viel Geld zusammengekommen ist. Es habe sich vor der Enthüllung der teils oder komplett erfundenen Reportagen von Relotius kein Leser mit einer solchen Information beim "Spiegel" gemeldet.

Konkret ging es bei dem Spendenaufruf um die Protagonisten der Relotius-Reportage "Königskinder", die Mitte 2016 im "Spiegel" erschienen war. Sie handelte von einem syrischen Geschwisterpaar, das als Waisenkinder in der Türkei auf der Straße lebt. Die Geschichte ist offenbar in weiten Teilen erfunden. Eines der Kinder existiert nach derzeitigem Aufklärungsstand zwar, sei jedoch kein Waisenkind. Die Mutter des Jungen lebt demnach ebenfalls in der Türkei. Ob die ebenfalls von Relotius beschriebene Schwester wirklich existiert ist fraglich.

Relotius spann Lüge nach Spendenaufruf weiter

Relotius machte dem "Spiegel" zufolge seine Spendenaktion in einer weiteren Geschichte selbst zum Thema. In einem Reportage-Sammelband berichte er davon, wie er die beiden Kinder mit Hilfe des Geldes nach Deutschland bringen und an ein Ärztepaar in Niedersachsen vermitteln konnte. Diese hätten sie demnach adoptiert. Diese Geschichte ist allem Anschein nach ebenfalls erfunden.

Mitte der Woche hatte der "Spiegel" öffentlich gemacht, dass Star-Reporter Relotius die meisten seiner rund 50 bei dem Blatt publizierten Geschichten in Teilen oder komplett erfunden habe. Das Magazin sowie andere Medien, für die der 33-Jährige zuvor gearbeitet hatte, prüfen derzeit die Artikel auf ihre Richtigkeit.

Quelle: ntv.de, jog

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