Panorama
Uns erwartet eine weitere Woche milder Herbst.
Uns erwartet eine weitere Woche milder Herbst.(Foto: picture alliance/dpa)
Donnerstag, 08. November 2018

Es bleibt deutlich zu trocken: Sturm an der Küste - Frühling im Osten

Auch in der kommenden Woche ist kein Temperatureinbruch in Sicht. Somit 2018 ist immer noch auf dem besten Wege, das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden. Sorge bereiten dem n-tv Meteorologen Björn Alexander dabei vor allem die Wasserstände.

n-tv.de: Die Folgen der monatelangen Trockenheit werden inzwischen immer offensichtlicher. Besonders augenfällig ist dabei das Niedrigwasser an den Flüssen. Außerdem ist es weiterhin sehr warm. Schreibt das Wetterjahr seine extreme Geschichte weiter oder gibt es bald mal eine Normalisierung der Verhältnisse?

Björn Alexander: Auch wenn sich in den kommenden Tagen mal eine wechselhaftere Phase anbahnt, so sind wir von einer "Normalisierung" noch weit entfernt. Denn bereits in der nächsten Woche deutet sich die nächste Hochdruckphase an, so dass es dann schon wieder trocken und sonniger weitergehen dürfte. Somit ist der November ebenfalls auf dem Weg, deutlich zu trocken auszufallen.

Wie ist es dadurch um unsere Wasserversorgung bestellt?

Die Möhnetalsperre in Nordrhein-Westfalen hat einen Füllstand von nur 35 Prozent.
Die Möhnetalsperre in Nordrhein-Westfalen hat einen Füllstand von nur 35 Prozent.(Foto: picture alliance / Julian Strate)

Inzwischen hat es langsam Sinn, sich darüber Gedanken zu machen. Auch die Talsperren erreichen nämlich allmählich Füllstände, die teilweise deutlich unter 50 Prozent liegen. Wir haben Informationen für die Möhnetalsperre eingeholt, deren Füllstand bei knapp 35 Prozent angekommen ist. Bleiben Zuflüsse mit 1,7 Kubikmetern pro Sekunde und Abflüsse mit acht Kubikmeter pro Sekunde konstant, so kann diese Talsperre noch 55 Tage, also rund bis Weihnachten, Wasser abgeben, bis der kritische Wert von 25 Prozent erreicht ist. Danach müsste wahrscheinlich der Hahn zugedreht werden, um sie zum Beispiel wegen des Fischbesatzes nicht gänzlich trocken fallen zulassen.

Warum "müsste"?

Weil offensichtlich keine Vergleichsfälle vorliegen und dann an höherer Stelle entschieden werden muss, was passiert. Der durchschnittliche Füllstand des Nordverbandes Ruhr liegt mit rund 47 Prozent immerhin noch ein gutes Stück höher. Die Tendenz ist allerdings auch hier fallend. Auch die Situation im Harz, in Hessen und so weiter dürfte ähnlich sein. So ist die kleine Diemeltalsperre in Hessen kurz vor dem Austrocknen.

Das klingt dramatisch.

Das ist leider auch so, denn jetzt geht es allmählich ans Eingemachte. Zumal sich eine Normalisierung der Situation - selbst bei normalen Witterungsverhältnissen - über Monate hinziehen wird. Und natürlich ist eine Auffüllung der Wasserstände auch im Hinblick auf das nächste Frühjahr absolut notwendig. Nicht nur oberirdisch, sondern auch unterirdisch. Die Böden sind nämlich derzeit absolut trocken. Die letzten Regenfälle machten sich zwar ganz oben bemerkbar. Nur: weiter unten ist kaum etwas angekommen. In rund zwei Metern Bodentiefe ist die Dürre weiterhin oft extrem bis außergewöhnlich. Schlimmer geht es eigentlich kaum.

Die außergewöhnliche Trockenheit kam häufig mit sehr warmen Temperaturen um die Ecke. Bleibt das weiterhin so?

n-tv Meteorologe Björn Alexander.
n-tv Meteorologe Björn Alexander.

Definitiv. Eine merkliche Abkühlung sehen die Wettermodelle frühestens im Laufe der nächsten Woche. Dementsprechend ist das Jahr 2018 nach wie vor auf bestem Wege, das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden. Dafür muss es aber auch bis zum Jahresende deutlich zu warm bleiben. Gäbe es hingegen noch einen nachhaltigen Wintereinbruch, so würde der Temperaturrekord auf jeden Fall wackeln.

Ist denn so etwas wie Winter irgendwo im Anmarsch?

Bisher gibt es keine Anzeichen für einen nachhaltigen Wintereinbruch. Jedoch sind wir ja auch erst im November. Da hat der Winter offiziell, also meteorologisch und kalendarisch, ja noch nicht einmal begonnen.

Dann schauen wir doch auf den Herbst am Wochenende. Wie wird es?

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Am Samstag breiten sich von Westen her neue Wolken mit Regen aus. Das betrifft vor allem die Regionen von der Eifel bis herauf an die Nordsee. Gleichzeitig frischt der Wind kräftig auf und bringt an der Küste örtlich Sturmböen mit. Im Süden und Osten geht es unterdessen trocken und zum Teil sonnig ins Wochenende. Zumindest abseits der mitunter zähen Nebel- oder Hochnebelfeder.

Wie warm wird es?

Im Osten bringen es die Temperaturen mit Sonne bis auf 17 Grad. Die wolkige und teilweise nasse Eifel bekommt maximal 10 Grad.

Was bringt uns der Sonntag?

Im Osten bleibt es am ehesten aufgelockert und trocken. Im großen Rest geht es wechselhafter mit Schauern weiter, die bei den Nordlichtern auch von Blitz und Donner begleitet sein können. Dazu bringen es die Temperaturen auf Höchstwerte zwischen 12 Grad an der Nordsee und 18 Grad am Oberrhein.

Der Trend für die kommende Woche?

Montag und Dienstag bevorzugt in der Nordhälfte noch länger unbeständig. Derweil zeigt sich der Süden abseits von Nebelbänken bereits wieder öfter schön und föhnig mild. Spätestens zur Wochenmitte dürfte es dann aber überall trocken und zeitweise sonnig weitergehen. Dabei bleibt es mild bei meist 11 bis 18 Grad.

Quelle: n-tv.de