Panorama

Thrombose-Fälle "sehr selten" US-Behörde glaubt an kurze J&J-Impfpause

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Trotz Impfpause rollen Lastwagen mit den ersten deutschen J&J-Impfdosen in das Zentrallager der Bundeswehr.

(Foto: picture alliance/dpa/tv7news)

Die Impfpause mit dem Vakzin von Johnson & Johnson könnte bald wieder enden. Nach ihrer Empfehlung zur Aussetzung rudert die US-Arzneimittelbehörde ein wenig zurück und spricht von einem "Übermaß an Vorsicht". Was mit den Dosen für Deutschland geschieht, muss jetzt geklärt werden.

Die Aussetzung der Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson in den USA ist den Behörden zufolge aus einem "Übermaß an Vorsicht" empfohlen worden und werde voraussichtlich nur einige Tage aufrechterhalten. Das teilten die Gesundheitsbehörde CDC und die Arzneimittelbehörde FDA bei einer Pressekonferenz mit. Die sechs erfassten Fälle von Sinusvenenthrombosen, die nach Impfungen mit dem Wirkstoff in den USA aufgetreten waren, müssten nun erst einmal "komplett verstanden" und die Mitarbeiter des Gesundheitssystems entsprechend informiert werden, sagte die amtierende FDA-Chefin Janet Woodcock. "Wir erwarten, dass diese Pause einige Tage dauern wird." Für Mittwoch ist eine Notfallsitzung eines Beratergremiums der CDC angesetzt.

Zuvor hatten FDA und CDC eine vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson empfohlen. Zahlreiche Bundesstaaten sowie Apotheken-Ketten kündigten an, der Empfehlung folgen zu wollen. Bislang wurden mehr als 6,8 Millionen Dosen des Impfstoffes, der Ende Februar in den USA zugelassen worden war und von dem es nur eine Dosis braucht, in den USA gespritzt.

Bei sechs Frauen zwischen 18 und 48 Jahren war es den Behörden zufolge zwischen 6 und 13 Tagen nach der Impfung zu Sinusvenenthrombosen gekommen. In drei Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Blutplättchen, gemeldet worden. Eine Frau sei gestorben, eine befinde sich in kritischem Zustand, teilten FDA und CDC bei der Pressekonferenz mit. Insgesamt scheine es aber so, als ob diese Fälle "sehr selten" seien.

Bundeswehrapotheke lagert 230.000 Dosen

Erste Lieferungen des Impfstoffs erreichten inzwischen Deutschland: 230.000 Dosen trafen in der Bundeswehrapotheke im niedersächsischen Quakenbrück ein. Alle Corona-Impfdosen für Deutschland werden zunächst dorthin gebracht. Von dort wird der Impfstoff dann an die Bundesländer verteilt. Doch wann der Impfstoff weitertransportiert wird, war unklar. Am Nachmittag hatte der Pharmakonzern mitgeteilt, den Marktstart seines Impfstoffs in Europa zu verschieben, bis die US-Behörden ihr weiteres Vorgehen nach den Thrombose-Fällen geklärt hätten.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte vergangene Woche mitgeteilt, Fälle von Thrombosen nach einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson zu prüfen. Die Behörde hatte betont, dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff des US-Herstellers noch nicht festgestellt worden sei. Erst am Montag hatte Johnson & Johnson mit der Lieferung seines im März zugelassenen Impfstoffes in die EU-Staaten begonnen. Die Brüsseler Behörde erwartet bis Ende Juni 55 Millionen Dosen des Präparats; gut 10 Millionen Dosen sollen nach Deutschland gehen.

Belgien hält ungeachtet der Thrombose-Fälle an dem J&J-Impfstoff vorerst fest. Bislang habe es keine Anzeichen gegeben, dass die Impfungen mit dem Mittel gestoppt werden sollen, sagt eine Sprecherin der zuständigen Behörde der Nachrichtenagentur Belga. Am Vortag hatte Belgien 36.000 Dosen von dem Konzern bekommen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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