Panorama

Einreisestopp verhängt Ultraorthodoxe Pilger sitzen vor Ukraine fest

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Mehrere hundert jüdische Pilger sitzen wegen eines Einreisestopps an der ukrainisch-belarussischen Grenze fest.

(Foto: Sergej Komkow, Stanislaw Korschunow / TUT.BY)

Traditionell pilgern viele Juden zum Neujahrsfest Rosch Haschana in die Ukraine, um am Grab des Rabbi Nachman zu beten. Dieses Jahr will das Land die Ultraorthodoxen wegen Corona aber nicht hineinlassen. Mehr als tausend Gläubige beharren trotzdem auf ihrer Einreise.

Mehrere Hundert ultraorthodoxe jüdische Pilger sitzen wegen eines Einreisestopps für Ausländer an der ukrainisch-belarussischen Grenze fest. Der ukrainische Grenzschutz habe seine Einheiten verstärkt, um einen illegalen Grenzübertritt zu verhindern, teilte die Behörde in Kiew mit. Angaben aus Belarus zufolge reisten mehr als 1000 Gläubige in Richtung Ukraine, darunter 242 Kinder. Das Rote Kreuz helfe ihnen mit Lebensmitteln und Zelten. Traditionell reisen chassidische Pilger zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana in die zentralukrainische Kleinstadt Uman, um am Grab des Rabbi Nachman zu beten. Die Stadt liegt etwa 200 Kilometer südlich von Kiew.

In den Vorjahren versammelten sich mehr als 30.000 Menschen. In diesem Jahr werden wegen der von Kiew Ende August verhängten Einreisesperre nur etwa 3000 Gläubige erwartet. Die Menschen halten sich derzeit zwischen den Grenzübergängen der beiden Länder auf. Auf Videos war zu sehen, wie Gläubige an einer Straße mit ihrem Gepäck warteten und mit Grenzschützern diskutierten. Das Außenministerium in Kiew rief die Behörden im Nachbarland auf, keine Pilger mehr den Grenzübergang passieren zu lassen.

Die ultra-orthodoxen Pilger hatten sich auf den Weg gemacht, obwohl sowohl die ukrainische als auch die israelische Regierung die chassidischen Juden aufgefordert hatten, nicht nach Uman zu reisen. In diesem Jahr fällt das jüdische Neujahr auf den 18. bis 20. September.

"Ich respektiere Ihre Traditionen, aber in diesem Jahr können Sie nicht nach Uman fahren. Ich bin bereit, es tausend Mal zu wiederholen, wenn es sein muss", sagte der Leiter des ukrainischen Grenzschutzes, Sergej Deineko, in der Nacht zu Mittwoch zu den Pilgern, die aus Israel und anderen Ländern kommen.

Das Einreiseverbot für Ausländer wurde nach offizieller Darstellung deshalb verhängt, weil die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in der Ukraine zuletzt stark gestiegen war. In den vergangenen sieben Tagen wurden täglich über 3100 Neuinfektionen registriert. Aktuell sind im Land etwas mehr als 85. 000 aktive Infektionen bekannt, mehr als 3200 Menschen starben mit dem Virus. Auch Israel verordnete vor dem Neujahrsfest am kommenden Samstag neue harte Quarantänemaßnahmen.

Quelle: ntv.de, can/dpa/AFP