Panorama

Ausgangssperren wären "extrem" Virologen ermahnen Bürger eindringlich

Das schöne Wetter lockt auch Gruppen nach draußen. Der Mindestabstand wird hier nicht eingehalten.

Das schöne Wetter lockt auch Gruppen nach draußen. Der Mindestabstand wird hier nicht eingehalten.

(Foto: imago images/Seeliger)

Derzeit gibt es nur in zwei bayerischen Gemeinden eine Ausgangssperre - die Kanzlerin setzt aktuell auf die Vernunft des Einzelnen. Auch die Virologen Drosten und Kekulé appellieren an die Bürger, die Treffen in Parks einzustellen. Sonst könnte der Staat doch noch durchgreifen.

Nach der Rede von Bundeskanzlerin Merkel, die die Bürger zur Einhaltung der sozialen Distanzierung aufgerufen hat, warnen führende Virologen vor dem Fehlverhalten einzelner. Wer jetzt noch im Park in einer Gruppe unterwegs sei, der könnte in der Folge dafür sorgen, dass es in Deutschland bald Ausgangssperren geben könnte.

Christian Drosten von der Charité Berlin hält Merkels Botschaft für richtig, wie er in seinem NDR-Podcast erklärt: "Es ist natürlich eine Situation, in der man in die Nachbarländer blickt, die Ausgangssperren haben. Das wollen wir hier vermeiden", sagt Drosten. Merkels Ansprache könne man „als einen Versuch interpretieren, es ohne Ausgangssperren hinzukriegen", so der Virologe. "Die Menschen müssen es verstehen und befolgen, dass man nicht mehr in die Öffentlichkeit geht." Ausgangssperren seien am Ende eine politische Sache, meint Drosten, auch mit Blick auf die Nachbarländer: "Das ist eine politische Entscheidung unter einem emotionalen Eindruck von einer sehr hohen Zahl von Verstorbenen und von einem so langsam in die Knie gehenden Versorgungssystem, wie wir das regional beispielsweise in Frankreich sehen. Da ist Italien nicht mehr das einzige Land."

Die Worte der Kanzlerin seien ein "Appell an die Vernunft und an das Sozialverhalten jedes einzelnen in der Gesellschaft". Besonders bei dem schönen Frühlingswetter missachten viele Menschen die Regeln der sozialen Distanzierung. Eigentlich sollen sie Gruppen meiden, damit das allgemeine Infektionsrisiko in der Bevölkerung dadurch gesenkt wird.

"Man kann nur hoffen, dass unsere Gesellschaft reif und überlegt genug ist, um sich klar zu machen, dass die soziale Distanzierung auf die Schwächsten der Gesellschaft ausgelegt ist", mahnt Drosten eindringlich.

"Extreme psychische Folgen"

Virologe Alexander Kekulé hält es ebenfalls für richtig, die Bevölkerung weiter zu sensibilisieren. "Sie hat nicht die Ausgangssperren angekündigt und ich finde das ganz vernünftig, dass sie auf die Vernunft der Bürger setzt", sagt er in seinem MDR-Podcast. Ausgangssperren steht er äußerst kritisch gegenüber: "Grundsätzlich halte ich von Ausgangssperren nichts. Man setzt dabei die Menschen ganz massiv unter Druck und die psychologischen Folgen halte ich dabei für ganz extrem." Vielmehr sollte man die Menschen durch Ordnungskräfte ermahnen und zu Verhaltensänderungen bewegen.

*Datenschutz

"Wir haben nie die Chance, die anti-epidemischen Maßnahmen hundertprozentig zu machen. Es wird nie funktionieren, weil Menschen nicht ferngesteuert werden können", erklärt er und hinterfragt gleichzeitig die Verhältnismäßigkeit solcher Maßnahmen. "Wenn sie als Land den Zielkorridor 90 Prozent schaffen, dann sind sie schon super. Dann kommt es auf so ein paar Regelbrecher nicht ganz so sehr an. Wenn man dafür dann 95 Prozent der anderen einsperrt, ist das ein viel zu hoher Kollateralschaden."

Ob die Bundeskanzlerin oder die Vertreter des Robert-Koch-Instituts (RKI): Viele Stimmen warnen vor weiterem Fehlverhalten der Bürger und bitten darum, dass die Menschen in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Zum Zeitrahmen gibt Alexander Kekulé eine vorsichtige Expertenschätzung in seinem Podcast ab: "Wenn wir erfolgreich sind, dann könnten wir das Ding in sechs Wochen im Griff haben, sonst kommen wir in Szenarien, die die Bundeskanzlerin und das RKI gezeichnet haben".

Quelle: ntv.de, sgu