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Prozessbeginn im Fall Maria K. War in Zinnowitz Mordlust das Motiv?

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Maria hatte den Tätern arglos die Tür geöffnet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Maria K. ist gerade 18 Jahre alt und schwanger, als sie getötet wird. Der Staatsanwaltschaft zufolge muss sie sterben, weil zwei Bekannte sie als Opfer für einen besonders perfiden Plan aussuchen. Der Prozess gegen die jungen Männer beginnt heute in Stralsund.

Die Nacht, in der die 18-jährige Maria K. in Zinnowitz starb, haben die Ermittler weitgehend nachvollzogen. Demnach besuchten die beiden Angeklagten die junge Frau am 18. März in ihrer Wohnung in der Waldstraße und baten um etwas zu trinken. Maria ging in die Küche. Als sie zurückkam, stach Nicolas K. plötzlich hinterrücks auf sie ein, während Nico G. sie festhielt. Darauf wiesen die Spuren hin, sagte Oberstaatsanwalt Marc Engelhardt während der Ermittlungen. Zunächst traf sie ein Stich in Hals und Nacken, als Maria schon am Boden lag, wurden ihr weitere Stiche in Kopf und Hals zugefügt.

Nicolas K. ist 19 Jahre alt, Nico G. 21. Beide kannten Maria K., Nicolas K. war mit ihrer besten Freundin zusammen. Die Frage nach dem Motiv für die Tat ist für die Staatsanwaltschaft eindeutig: "Sie hatten sich verabredet und genau dieses Opfer ausgesucht, weil sie sehen wollten, wie ein Mensch stirbt", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Den Angeklagten wird deshalb "gemeinschaftlicher Mord aus Mordlust" vorgeworfen.

Der Fall weckt Erinnerungen an eine ähnliche Tat, die 2007 im westmecklenburgischen Tessin begangen wurde. Am 13. Januar 2007 erstachen Felix D. und Torben B. in dem 200-Einwohnerdorf die Eltern eines Freundes. Mehr als 60 Mal stachen die beiden 17-Jährigen allein auf die 41-jährige Mutter ein. Wochenlang hatten sie die Tat geplant und die Opfer ausgewählt. Auch Felix D. wollte ausprobieren, wie es sich anfühlt, einen Menschen zu töten, Macht ausüben. Im Tessiner Fall kamen die Gutachter zu dem Schluss, dass die Angeklagten voll schuldfähig waren. Beide wurden wegen Mordes verurteilt.

Widersprüche in den Aussagen

Die Richter im Zinnowitzer Fall müssen bei ihrer Entscheidung verschiedene Aspekte abwägen. Die beiden Angeklagten wurden wegen ihrer Schuldfähigkeit psychiatrisch begutachtet. Der 19-Jährige wurde inzwischen auf Betreiben seines Pflichtverteidigers von einem Gefängnis in eine forensische Klinik - ein psychiatrisches Haftkrankenhaus – verlegt. Er hat bei der Polizei gestanden, zugestochen zu haben. Im Fall eines Schuldspruchs wird er nach Jugendstrafrecht verurteilt, mit 19 Jahren gilt er als Heranwachsender. In diesem Fall hieße lebenslänglich maximal 10 Jahre. Würde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, müsste er maximal 15 Jahre in Haft verbüßen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Freunde von ihm berichteten, dass Nicolas K. erst im Januar zu einem Alkohol- und Drogenentzug war, den er aber abgebrochen hatte.

Der 21-jährige Nico G. ist in U-Haft. Er würde nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Die Aussagen der beiden Männer sind nicht vollständig deckungsgleich, hieß es aus Ermittlerkreisen. Beide Angeklagte belasteten sich demnach gegenseitig. Sie hatten auch an einem Gedenkgottesdienst für Maria teilgenommen, als sie noch nicht unter Verdacht standen. Pastorin Christa Heinze sprach Anfang April von Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit und Ohnmacht angesichts der Gewalttat.

Der Fall hatte weit über die Insel Usedom hinaus für Aufsehen und Anteilnahme gesorgt. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Obduktion von Maria ergab, dass sie schwanger war. Außerdem wirkt die Tat zunächst völlig rätselhaft, etwa 120 Zeugen wurden vernommen. Maria hatte zahlreiche Sozialkontakte außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern. Dabei ergab sich schließlich der Hinweis auf Niko G. Einen Monat nach der Tat konnten die Ermittler die beiden Festnahmen melden.

Der Rostocker "Ostseezeitung" zufolge wurden in Marias Wohnung auch Fingerabdrücke, Haare und Hautpartikel der Täter gefunden. Sie könnten im Prozess wichtige Beweise sein. Das Messer, mit dem die Tat begangen wurde, fanden die Ermittler hingegen nicht. Die Angeklagten sollen es, genauso wie ihre Kleidung, in die Ostsee geworfen haben. Vor allem im Umfeld der Seebrücke wurde intensiv gesucht, allerdings ohne Ergebnis. Mehr als 20 Zeugen und drei Sachverständige sind in dem Prozess bisher geladen. Schon Ende August könnte das Urteil fallen.

Quelle: n-tv.de

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