Panorama

18-jähriger Täter tot Was über das Schulattentat von Uvalde bekannt ist

Wieder einmal stehen die USA nach einem Schulmassaker unter Schock. Bei dem Amoklauf an einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas werden 19 Kinder und auch mindestens zwei Erwachsene getötet. Auch der mutmaßliche Täter ist tot. Wer war er, woher kamen die Waffen, was war das Motiv für die ungeheuerliche Tat? Noch lässt sich vieles davon nicht beantworten.

Was ist geschehen?

In Uvalde, einer überwiegend von Latinos bewohnten US-Gemeinde nahe der Grenze zu Mexiko, hat ein 18-Jähriger gezielt auf Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal der Robb Elementary School - eine Grundschule - geschossen. Nach bisherigen Erkenntnissen starben mindestens 19 Kinder sowie zwei Erwachsene, wie die lokalen Behörden mitteilten. Der Angreifer selbst wurde von Polizisten erschossen.

Was ist über den Tatablauf bekannt?

Der Täter schoss am Morgen zunächst auf seine 66-jährige Großmutter in ihrem Haus und verletzte sie lebensgefährlich. Es gibt widersprüchliche Angaben über ihren Zustand, es scheint aber, als habe sie überlebt. Anschließend fuhr er mit dem Auto vom Tatort. Mit dem Fahrzeug war er dann vor der Grundschule in einen selbstverschuldeten Unfall verwickelt, bei dem er das Auto zu Schrott fuhr. Der Täter rannte gegen 11.30 Uhr in die Schule und begann zu schießen, wie Roland Gutierrez, Senator des Bundesstaates Texas, sagte. Demnach eröffnete der 18-Jährige in mehreren Klassenzimmern das Feuer. Laut Chris Olivares vom Texas Department of Public Safety "begann er, Kinder, Lehrer und jeden zu erschießen, der ihm im Weg stand. Er erschoss Menschen, die vor ihm standen." Polizisten hatten noch versucht, ihn am Betreten der Schule zu hindern. Sie erschossen den Angreifer schließlich.

Was weiß man über den Täter?

Die Polizei gibt seinen Namen mit Salvador Rolando Ramos an. Die "Washington Post" beschreibt den jungen Mann als "einsamen 18-Jährigen, der wegen eines Sprachfehlers in seiner Kindheit schikaniert wurde". Frühere Freundinnen und Freunde berichteten der Zeitung, dass Ramos in der Mittel- und Oberstufe gemobbt worden sei, weil er stotterte und stark lispelte. Mehrfach sei es zu Schlägereien gekommen. Auch sei es Ramos nicht gelungen, längere Freundschaften aufzubauen.

Wie es weiter hieß, lebte er zunächst mit seiner Mutter und später seiner Großmutter zusammen. Das Familienleben sei aber durch die Drogensucht der Mutter und die zunehmende Gewalttätigkeit von Ramos immer mehr beeinträchtigt gewesen. Es gab mehrere Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt. Zuletzt war Ramos demnach immer weniger zur Schule gegangen, sein High-School-Abschluss sei deshalb immer unwahrscheinlicher geworden. Eine Schulkameradin berichtete, Ramos sei manchmal nachts mit einem anderen Freund herumgefahren und habe mit einem Luftgewehr auf Menschen geschossen und Eier auf Autos geworfen.

War die Tat möglicherweise absehbar?

So lässt sich das nicht sagen, aber es war klar, dass Ramos ein verstärktes Interesse an Waffen entwickelte. Ein Freund berichtete, dass Ramos schon vor etwa einem Jahr in sozialen Medien Fotos von automatischen Gewehren gepostet habe, die "er auf seiner Wunschliste hatte". Vor vier Tagen habe der Täter dann Bilder von zwei Gewehren gepostet, die er als "my gun pics" bezeichnete. Lokale Medien berichten zudem von Einträgen in sozialen Medien, in denen Ramos davon gesprochen habe, Kinder sollten sich vorsehen. Allerdings zeigten sich Freunde und Bekannte erschüttert, als die Tat bekannt wurde. Niemand hatte ihm einen solchen Gewaltausbruch zugetraut.

Wie war der Täter bewaffnet?

Das texanische Ministerium für öffentliche Sicherheit erklärte, er sei mit einem Gewehr bewaffnet gewesen und habe eine Schutzweste getragen. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte er das Gewehr erst wenige Tage nach seinem 18. Geburtstag am 16. Mai gekauft. Lokale Medien berichten, Ramos habe am 17. Mai und am 20. Mai zwei verschiedene Waffen erworben, außerdem am 18. Mai 375 Schuss 5,56-Munition. Eines der Gewehre, die er gekauft hatte, ließ er demnach in dem Unfallauto zurück.

Warum suchte der Täter diese Schule aus?

Die Schule liegt in der Nähe des Hauses, in dem Ramos zusammen mit seiner Mutter lebte. Ob er die Einrichtung selbst als Kind besucht hat, ist unklar. Einen Tag vor dem Massaker hatten Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs der Uvalde High School die Robb Elementary School besucht. Traditionell klatschen die Schulabgänger in ihren Abschlussroben die Grundschüler ab.

Ramos war bis zu seinem faktischen Schulabbruch Schüler der Uvalde High School. Über den Besuch habe es Austausch in den sozialen Medien gegeben. Demnach schrieb ein Bekannter Ramos etwa zwei Stunden vor den Schüssen, der habe aber nicht geantwortet und die Nachrichten vermutlich auch gar nicht gelesen.

Was ist bisher über die Opfer bekannt?

Bestätigt ist, dass es sich bei den beiden erwachsenen Toten um eine Erzieherin und eine Lehrerin handelt. Beide waren seit vielen Jahren an der Schule. Die Erzieherin sei erschossen worden, als sie versuchte, Kinder vor dem Angreifer zu beschützen. Die Polizei gibt die Zahl der Opfer derzeit mit zwei Erwachsenen und 19 Kindern an. Zum Zeitpunkt der Tat waren Schülerinnen und Schüler der zweiten bis vierten Klasse in dem Gebäude, die meisten Opfer sind vermutlich zwischen acht und zehn Jahren alt. Angehörige waren auch mehr als zwölf Stunden nach der Tat noch im Unklaren über den Verbleib einzelner Schüler. Eltern mussten laut "New York Times" DNA-Proben abgeben, um ihre Verwandtschaft zu Opfern zu festzustellen. Viele Kinder waren mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht worden.

Weshalb waren unmittelbar Sicherheitsbeamte vor Ort?

In vielen US-Schulen gibt es Sicherheitskräfte oder auch Waffendetektoren. Das ist eine Reaktion auf die immer wieder stattfindenden bewaffneten Angriffe in Schulen. Auf der Webseite des Schulbetreibers der Robb Elementary School heißt es, das Gelände sei komplett eingezäunt, um den Zugang für unberechtigte Personen zu erschweren oder zu verhindern. Außerdem gebe es regelmäßige Schulungen sowohl für die Kinder als auch für Lehrkräfte, wie sie sich im Fall eines Amoklaufes verhalten sollen. Dazu gehören unter anderem Bewegungsmelder und Alarmsysteme sowie die Anweisung, Klassentüren geschlossen zu halten. Medienberichten zufolge wurde Ramos von Polizeibeamten des Schulbezirks angegriffen, als er versuchte, die Schule zu betreten. Er gelangte aber trotzdem in das Gebäude und mehrere Klassenzimmer. Der Nachrichtenagentur AP zufolge war ein Grenzschutzbeamter in der Nähe, als die ersten Schüsse fielen. Er habe sofort reagiert, ohne auf das Eintreffen anderer Beamter zu warten und habe schließlich auch Ramos getötet.

Quelle: ntv.de, sba

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