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Alles Wichtige zur Auffrischung Wer bekommt eine Booster-Spritze - und woher?

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In der Regel empfiehlt die STIKO eine Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 frühestens nach sechs Monaten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die vierte Corona-Welle baut sich bedrohlich vor Deutschland auf. Besonders Alte und Schwache sind angesichts steigender Infektionszahlen gefährdet. Denn ihre letzte Spritze liegt bereits mehr als ein halbes Jahr zurück. Booster-Impfungen sollen Abhilfe schaffen. Doch wer kann zu welchem Zeitpunkt die Auffrischungs-Spritze erhalten? Und wo bekommt man sie her? Ein Überblick.

Zehn Monate ist es her, dass die Impfkampagne in Deutschland begonnen hat. Inzwischen sind mehr als 66 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Doch während jüngere Menschen meist erst im Frühsommer und Sommer ihre zweite Dosis erhalten haben, liegt die zweite Impfung bei Älteren und Immunschwachen oft schon mehr als ein halbes Jahr zurück. Der Immunschutz lässt allmählich nach. Gleichzeitig steigen derzeit wieder die Infektionszahlen. Berichte über Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen häufen sich. Und auch die wachsende Zahl der Impfdurchbrüche bereitet Experten und Politikern Sorge. Die Lösung: Booster-Impfungen.

Seit Ende September empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) besonders vulnerablen Personengruppen eine dritte Impfung gegen das Coronavirus. Doch wer kann zu welchem Zeitpunkt die Auffrischungs-Spritze erhalten? Und wo bekommt man sie her? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Piks Nummer drei.

Wem wird eine Auffrischungsimpfung derzeit empfohlen?

In einigen Bundesländern ist die Booster-Impfung bereits seit August für bestimmte Risikogruppe möglich. Mitte Oktober sprach dann die STIKO eine Empfehlung aus, wer seinen Impfschutz auffrischen sollte. Dazu gehören:

  • über 70-Jährige
  • Menschen mit einem geschwächten Immunsystem - beispielsweise nach einer Organtransplantation, Krebs- oder HIV-Erkrankung - und deren enge Kontaktpersonen
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen
  • Personal von Pflege- und medizinischen Einrichtungen

Die Booster-Impfung für Personen aus diesen Gruppen sollte frühestens sechs Monate nach der Grundimmunisierung verabreicht werden. Von dieser Empfehlung ausgenommen sind laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) Personen, die sich vor oder nach der Covid-19-Impfung nachweislich mit dem Virus infiziert hatten.

Gibt es weitere Ausnahmen?

Auch Personen, die mit dem Janssen-Impfstoff von Johnson & Johnson immunisiert wurden, empfiehlt die STIKO eine Booster-Impfung. Die Optimierung der Grundimmunisierung kann bei ihnen allerdings bereits ab vier Wochen nach der ersten abgeschlossenen Impfserie erfolgen. Das Johnson & Johnson-Vakzin hat insgesamt die schlechteste Schutzwirkung aller zugelassenen Impfstoffe - vor allem in Bezug auf die ansteckendere Delta-Variante. Deshalb empfiehlt die STIKO hier grundsätzlich eine weitere Dosis mit einem mRNA-Impfstoff.

Wie bekommt man die dritte Spritze?

Anders als im Frühjahr gibt es für die Booster-Impfungen keine bundesweite Impfkampagne. Die Organisation ist den Bundesländern überlassen. Nach den Empfehlungen der Gesundheitsministerien soll die neue Dosis in der Regel von Ärztinnen und Ärzten verabreicht werden. "Man muss sich an seinen behandelnden Arzt wenden", erklärt HNO- und Impfarzt Jürgen Zastrow im Gespräch mit ntv. Es gebe ganz viele Ärzte, die impfen. Allein in Köln seien es weit mehr als 1000, sagt Zastrow.

Außer in Hausarztpraxen können die Booster-Impfungen auch in Impfzentren verabreicht werden. Doch die sind mittlerweile rar geworden. Berlin hat speziell dafür zwei Impfzentren in der Stadt offengehalten. Dort werden rund 200.000 betagte Berlinerinnen und Berliner geimpft, die bereits Anfang September eine Einladung des Senats erhalten haben.

In anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg sind bereits alle Impfzentren geschlossen. Die Gesundheitsbehörden setzten dort auf mobile Impfteams, die die Booster-Spritzen in Altenheime oder Pflegeeinrichtungen bringen sollen.

Kann mit einem anderen Impfstoff als bei der Grundimmunisierung aufgefrischt werden?

Für Auffrischimpfungen empfiehlt die STIKO möglichst den Impfstoff, der bei der Grundimmunisierung verwendet wurde - also ein "homologes Impfschema". Da in Deutschland hauptsächlich mRNA-Vakzine bei Booster-Impfungen zum Einsatz kommen, erhalten Astrazeneca-Geimpfte bei der dritten Spritze automatisch eine Kreuzimpfung - also eine heterologe Immunisierung. Erste Daten aus klinischen Studien zeigen, dass sowohl das homologe als auch das heterologe Impfschema auch bei der Auffrischung sicher, verträglich und wirksam ist.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht sogar noch einen Schritt weiter und plädiert grundsätzlich für einen Impfstoff-Mix. In einem Tweet verweist er auf US-amerikanische Untersuchungen, die zeigten, dass sich der Wechsel des Vakzins beim Booster durchaus als Vorteil erweisen kann: "Moderna für Biontech-Geimpfte, Biontech für Moderna-Geimpfte und Moderna für J&J-Geimpfte", fasst Lauterbach das Ergebnis zusammen.

Wer bezahlt eine Auffrischungsimpfung?

Auch diese Impfung ist für die Bürger kostenlos. Der Bund kommt für die Kosten für den Impfstoff auf, Länder und Krankenkassen finanzieren die Impfzentren und Hausarztpraxen.

Hat die dritte Impfung möglicherweise neue Nebenwirkungen?

Bislang sind in der Regel nicht mehr Nebenwirkungen oder Impfreaktionen bekannt geworden als bei den ersten Impfungen. In den USA, wo bereits mehr als zwei Millionen Menschen eine dritte Dosis bekommen haben, sind einige lokale Reaktionen nach der dritten Dosis etwas häufiger aufgetreten:

  • 74,9 Prozent der Patienten berichteten über eine lokale Reaktion an der Einstichstelle (71 Prozent beschrieben diese als leichte Schmerzen)
  • 56 Prozent fühlten sich müde und abgeschlagen
  • 43,4 Prozent klagten über Kopfschmerzen.

Die Auswertung der US-Daten zeigt, dass sich die Nebenwirkungen nach der Auffrischung weitgehend mit denen der Grundvakzinierung decken. Die Booster-Impfung bringt also keine stärkeren Nebenwirkungen mit sich.

Wann kommt der Booster für alle?

"Für andere Bevölkerungsgruppen gibt es derzeit noch keine Empfehlung, hier werden zur Zeit noch Daten aufgearbeitet und bewertet", heißt es vom RKI. Somit müssen sich jüngere und gesunde Menschen noch eine Weile gedulden. Zwar ist laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ausreichend Impfstoff vorhanden. Allerdings sehen Expertinnen und Experten keinen dringenden Grund, die Booster-Impfung auch Nicht-Risikogruppen anzubieten. Aktuellen Studien zufolge reicht bei ihnen der normale Impfschutz aus. Auch bei der Delta-Variante verhinderten zwei Spritzen nach sechs Monaten schwere Verläufe und Todesfälle sehr zuverlässig.

Dennoch ist es vorstellbar, dass es bald auch ein Angebot für Jüngere und Gesunde geben könnte. Dass jede Auffrischungsimpfung nützlich sein kann, betonte zuletzt Charité-Virologe Christian Drosten: "Wenn man ein drittes Mal geimpft wird, hat man danach viel bessere Antikörper." Wahrscheinlich bleibe der Schutz zudem auch deutlich länger als nach nur zwei Impfungen.

Ob eine Booster-Impfung für Jüngere in naher Zukunft kommt, hängt allerdings nicht allein von den möglichen Vorteilen einer solchen Spritze ab. "Da kommt eben eine ethische Überlegung ins Spiel", sagt Drosten. Denn während reiche Länder wie Deutschland, Frankreich und die USA Auffrischungsimpfungen verteilen, stockt die Versorgung ärmerer Länder mit Impfstoffen immer noch. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO haben Millionen Menschen nicht einmal eine erste Impfung erhalten. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach sich vor diesem Hintergrund im August klar gegen Auffrischungsimpfungen aus. Durch ein Aussetzen dritter Impfungen könnten Menschen in allen Ländern schneller vor Covid-19 geschützt werden, betonte er.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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