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Covid-Tote in Altenheimen Kam die Empfehlung für Booster-Impfungen zu spät?

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Hausärzte und mobile Impfteams sollen die Booster-Impfungen durchführen.

(Foto: imago images/Daniel Schäfer)

Die Meldungen von Sars-CoV-2-Infektionen und Corona-Toten in Altenheimen sind alarmierend. Obwohl viele der betroffenen Senioren vollständig geimpft sind, wird der Schutz löchrig. Die STIKO reagiert. Rechtzeitig?

In den vergangenen Tagen häufen sich die Meldungen von Sars-CoV-2-Infektionen und Corona-Toten in Alten- und Seniorenheimen. Sie zeigen: Die vierte Corona-Welle rollt an. Die Fallzahlen insgesamt steigen und damit auch die Zahl der Toten. Diese Entwicklung hatte eine Reihe von Experten für den Herbst vorhergesagt. So sprach Virologe Hendrik Streeck im Interview mit ntv davon, dass sich auch in diesem Herbst und Winter die Pandemie wahrscheinlich in den Alten- und Pflegeheimen entscheiden werde.

Obwohl der größte Teil der Bewohner dort geimpft ist, infizieren sich wieder mehr mit Sars-CoV-2. Und auch die Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 nehmen zu. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe: das Alter, der Gesundheitszustand und die Dauer der Wirksamkeit der Impfung.

Impfzertifikate sind ein Jahr gültig

Die ersten Impfungen in Deutschland begannen Ende Dezember 2020. Die ausgestellten Impfzertifikate haben derzeit eine Gültigkeit von einem Jahr. Die Ständige Impfkommission (STIKO) geht also davon aus, dass gesunde Geimpfte mindestens ein Jahr vom Immunschutz durch die Covid-19-Impfung profitieren. Die Realität für Menschen ab 70 hingegen scheint eine andere zu sein. Der Grund: Die Fähigkeit, nach einer Impfung eine normale Immunantwort aufzubauen, nimmt mit zunehmendem Alter ab. Das ist nicht nur nach einer Covid-19-Impfung so, sondern war bereits vor der Pandemie auch von anderen Impfungen bekannt.

Doch nicht nur im fortgeschrittenen Alter, sondern auch bei Patienten, die Medikamente bekommen, die die Arbeit des Immunsystems unterdrücken, kommt es oftmals zu einer verminderten Immunantwort nach einer Impfung. Das schmälert bekanntermaßen auch die Schutzwirkung. Aus diesem Grund wurde für diesen Personenkreis am 30. September 2021 eine Empfehlung zur dritten Covid-19-Impfung durch die STIKO ausgesprochen. Hierunter fallen auch ältere Patienten, die beispielsweise Rheumaerkrankungen oder bestimmte Krebsleiden haben, die im Alter vermehrt auftreten.

Direkter und indirekter Schutz

Die Empfehlung zur dritten Impfung mit einem mRNA-Vakzin für Personen ab 70 Jahren durch die STIKO folgte am 18. Oktober 2021. Sie schließt auch alle Mitarbeiter im Gesundheitsbereich, in Pflegeheimen und Werkstätten ein. "Der Schutz der vulnerablen Bevölkerungsgruppe der Älteren erfolgt dadurch direkt wie auch indirekt", erklärt Dr. Anja Kwetkat, Direktorin der Klinik für Geriatrie am Universitätsklinikum Jena und Sprecherin der DGG-Arbeitsgruppe Impfen, ntv.de. Angesichts der steigenden Infektionszahlen und Todesfälle in Alten- und Seniorenheimen stellt sich jedoch die Frage: Kam diese Empfehlung vielleicht zu spät?

Für Kwetkat steht diese Frage so gar nicht zur Debatte. "Generell - und das ist eine gute Nachricht - hat die STIKO ihre Arbeitsweise pandemiebedingt nicht geändert. Alle ausgesprochenen Empfehlungen basieren auf der Grundlage wissenschaftlicher Evidenz. Das bedeutet also vor allem für den Patienten, dass einer STIKO-Empfehlung wirklich vertraut werden kann", fasst die Medizinerin zusammen.

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Zudem komme so eine Empfehlung nicht aus dem Blauen heraus, sondern entstehe in Zusammenarbeit mit vielen Gremien, zu denen auch die Fachgesellschaften gehörten, erklärt Kwetkat. So seien die Fachgesellschaften zu der am 18. Oktober ausgesprochenen Empfehlung bereits am 7. Oktober angefragt worden, mit der Bitte um Stellungnahme bis 12. Oktober. "Wir konnten uns also positionieren wie auch vorbereiten".

Obwohl die Empfehlungen ausgesprochen sind und ausreichend Impfstoff in Deutschland vorhanden ist, laufen die Booster-Impfungen für Menschen ab 70 Jahren derzeit nur sehr langsam an. Das RKI meldet aktuell 1.611.622 Auffrischungen.

Quelle: ntv.de

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