Panorama

Mild und feucht vs. eisig kalt Wetter teilt Deutschland in zwei Hälften

Im Süden und Westen fühlen sich die letzten Januar-Tage fast ein bisschen an wie April, im Norden und Osten dagegen hält der Winter tapfer die Stellung. Während im einen Teil des Landes Regen und Tauwasser Fluten mit sich bringen, gibt es im anderen Teil Schnee und Glätte.

ntv.de: Hochwasser und Tauwetter auf der einen Seite, Schnee und Glätte auf der anderen Seite. Es ist viel los beim Wetter in Deutschland.

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Anfang nächster Woche folgen aus Westen die nächsten Tiefdruckgebiete.

(Foto: dpa)

Björn Alexander: Eine sogenannte Grenzwetterlage bestimmt jetzt unser Wetter. Im Norden und Osten unseres Landes hält der Winter durch, während im Süden und Westen feucht-milde Luft dagegen drückt. Das bringt uns kurz vorm Wochenende krasse Kontraste mit Hochwassergefahr einerseits und viel Schnee andererseits, bevor anschließend die kältere Luft erneut Richtung Süden vorankommt.

Der Winter meldet sich zurück: Ist das auch der Trend für den Februar 2021?

Zuerst einmal (noch) nicht. Denn Anfang nächster Woche folgen aus Westen die nächsten Tiefdruckgebiete mit milderer Luft und neuem Regen. Das verschärft auch die Hochwasserlage an den größeren Flüssen und Strömen.

Welche Flüsse sind das?

Betroffen sind vor allem der Westen und der Süden. Also generell in den Einzugsgebieten von Rhein und Donau, beispielsweise an Main, Mosel oder Neckar. Je nachdem, wie sich die Tiefs im Detail abregnen und wie viel Regen sie genau im Gepäck haben, wäre sogar eine große Hochwasserlage bis an Rhein oder Donau nicht auszuschließen. Hier könnte jede Menge Arbeit auf die Hochwasserschutzdienste und -warndienste zukommen.

Doch auch die Winterdienste sind in diesen Tagen viel beschäftigt. Wo genau?

Das gilt im Grenzbereich zwischen der milden und der kalten Luft mit zum Teil viel Schnee bis runter ins Flachland. Zum Teil ist auch gefrierender Regen mit Glatteis im Übergangsbereich nicht auszuschließen. Und das ausgerechnet am Freitag im Berufsverkehr mit bis zu 15 Zentimetern Schnee. Nicht nur der Raum Bremen, Hannover und Dresden sind betroffen. Auch auf den Autobahnen dazwischen müssen Sie sich in diesen Bereich auf winterliche Straßenverhältnisse mit Glätte und Behinderung sowie Staus einstellen. Selbst Hamburg oder Berlin könnten vom weißen Winternachschlag eine ordentliche Portion abbekommen. Außerdem weht in der Nordosthälfte ein mitunter eiskalter Wind mit gefühlten Temperaturen deutlich unterm Gefrierpunkt.

Welche Autobahnen sind betroffen?

Zum Beispiel einige Abschnitte der wichtigen Nord-Süd- und West-Ost-Achsen. Also die A1 zwischen Osnabrück und Hamburg oder die A2 im Großraum Hannover sowie weiter in Richtung Osten. Sobald es hier auch nur etwas Steigung gibt, könnte es bereits eng werden für Fahrzeuge ohne entsprechende Winterbereifung.

Was sagen denn die längerfristigen Wettertrends in diesem Corona-Winter: Gibt es Hoffnung auf den Frühling oder kommt der Winter doch noch mal zurück?

Da gibt es sehr unterschiedliche Ansätze. Aber eines kristallisiert sich doch heraus: Kaltluftvorstöße von Norden her sind in den kommenden Wochen bis in den März hinein alles andere als ausgeschlossen. Sie sind sogar sehr wahrscheinlich.

Warum?

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

(Foto: ntv)

Über Skandinavien hält sich nahezu durchweg richtig kalte Winterluft, die zum Teil auch sibirischen Ursprungs ist. Da hat es die richtige Kälte schon mal nicht allzu weit. Auf der anderen Seite beobachten wir in diesem Winter einen extrem instabilen Polarwirbel, der sich in den kommenden Wochen teilen dürfte. Ein lupenreiner Polarwirbel-Split von der höheren Atmosphäre bis runter an den Boden. Das könnte dann auch die letzte große Weichenstellung für den Rest des Winters werden.

Was bedeutet ein Polarwirbel-Split für unser Wetter?

Grundsätzlich kommt es darauf an, wie sich das Strömungsmuster entwickelt. Hierbei gibt es durchaus milde Varianten, die von Winter bis hinein in den März nicht viel wissen wollen. Aber es gibt auch kalte bis sehr kalte Ansätze. So sehen beispielsweise das amerikanische und das europäische Wettermodell wiederholt ausgeprägte Kaltluftvorstöße und Grenzwetterlagen bereits in der ersten Februarhälfte nahen. Und auch einen ausgeprägten Märzwinter hat uns ein Polarwirbel-Split zum Beispiel im Jahr 2013 gebracht.

Wie sah der Märzwinter 2013 aus?

Am Ende des recht durchschnittlichen Winters folgte im Februar 2013 ein Polarwirbel-Split, der Folgen bis weit in den März hatte. Kein Frühlingserwachen mit Sonne und bis zu 20 Grad, sondern ein nachhaltiger Wintereinbruch. Es folgte nämlich ein März, der über drei Grad zu kalt ausfiel und Schnee und Eis bis ins Frühjahr brachte.

Zurück zum Wetter der kommenden Tage: Wie sieht es denn am Samstag aus?

Die Hochwasserlage an Bächen und Flüssen im Südwesten bleibt angespannt. Denn auch wenn der größte Regen durch ist: über 100 Liter pro Quadratmeter, die in den Staulagen insgesamt zusammenkommen können, und das Schmelzwasser müssen jetzt erst einmal abfließen. Gleichzeitig rückt aus Norden die kältere Luft nach, sodass es entlang der Mitte - in etwa von der Eifel bis rüber zum Erzgebirge - häufiger Schnee oder Schneeregen mit entsprechender Glätte gibt. Derweil setzt sich im Norden vermehrt die Sonne durch.

Bei welchen Temperaturen?

Tagsüber werden es zwischen minus 1 Grad im Nordosten und plus 10 Grad im Südwesten. Und auch die Nacht zum Samstag bringt uns satte Kontraste bei den Temperaturen. Am Oberrhein knapp Plusgrade, während es überm Neuschnee und unter Aufklarungen in der Mitte auch mal bis in den zweistelligen Minusbereich geht. Also strenger Frost, stellenweise mit an die minus 15 Grad.

Und am Sonntag?

Ganz im Süden sind noch kompaktere Wolken mit letztem Schnee oder Regen unterwegs. Sonst sieht es aber gut aus. Denn der Sonntag könnte für viele von uns der schönste Tag der Wetterwoche werden. Oft bei vier bis sechs Sonnenstunden. Allerdings ist es auch kühl mit leichtem Dauerfrost im Nordosten und bis zu 7 Grad im Breisgau.

Was macht das Wetter nächste Woche?

Bis einschließlich Dienstag hält das freundliche Winterwetter mit teilweise dauerfrostigen Temperaturen im Norden und Osten noch durch. Im Westen und Süden rollen hingegen bereits die nächsten Tiefs mit Regen an und könnten dann eben an Rhein und Donau für ein größeres Hochwasserereignis sorgen. Zumal die Spitzentemperaturen bei um die 10 Grad liegen und damit das Tauwetter im Bergland weitergeht.

Quelle: ntv.de