Panorama

Kanzlei macht Druck auf Kardinal Woelki hält Missbrauchspapier weiter geheim

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Gutachten in der Schublade: Der Kölner Kardinal Woelki gerät immer stärker unter Druck.

(Foto: picture alliance/dpa)

Weil der Kölner Kardinal Woelki ein brisantes Missbrauchsgutachten unter Verschluss hält, steht er inzwischen selbst unter Vertuschungsverdacht. Nun bieten die Autoren des Papiers an, ihre Expertise auf eigene Gefahr hin zu veröffentlichen. Aus Köln kommt prompt ein Nein.

Im Streit um ein von dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki unter Verschluss gehaltenes Gutachten zum sexuellen Missbrauch ist die für das Gutachten verantwortliche Münchner Kanzlei in die Offensive gegangen. Rechtsanwalt Ulrich Wastl von der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl bot Woelki an, das Gutachten auf eigene Verantwortung auf der Homepage der Kanzlei zu veröffentlichen. Damit gebe es nach Einschätzung der Anwälte "keinerlei Haftungsrisiken" für das Kölner Erzbistum.

Wastl erklärte für die Kanzlei, es sei "unser dringender Wunsch, dass unser unabhängiges Gutachten zu Fällen des an Minderjährigen verübten sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln zeitnah und vollständig veröffentlicht wird." Die Einwände eines vom Erzbistum beauftragten Gutachters seien nicht stichhaltig. Aus diesem Grund, aber vor allem aufgrund des überragenden öffentlichen Interesses, sei die Veröffentlichung zwingend geboten.

Kardinal lehnt ab

Das Gutachten sollte eigentlich bereits im März vergangenen Jahres veröffentlicht werden. Bis heute hält Woelki die unabhängige Expertise zurück, zwischenzeitlich soll er den Betroffenenbeirat seines Erzbistums gedrängt haben, das Gutachten zu diskreditieren. Mittlerweile kündigte Woelki ein neues Gutachten an. Der Kölner Kardinal steht inzwischen selbst unter Vertuschungsverdacht.

Das Angebot der Kanzlei lehnte Woelki postwendend ab. Der "Veröffentlichung eines rechtswidrigen Gutachtens" durch Westpfahl Spilker Wastl könne man nicht zustimmen, teilte die Pressestelle mit. Das Gutachten sei schon wegen seiner handwerklichen Mängel "untauglich". Bekannt geworden ist bereits, dass in dem Gutachten der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße - früher Personalchef in Köln - kritisch beurteilt wird. Er bestreitet die Vorwürfe.

"Beim Umräumen": Bistum Münster findet neue Akten

In einem besonders skandalösen Fall innerhalb des Missbrauchskandals der katholischen Kirche teilte derweil das Bistum Münster einen neuen Aktenfund zu einem im Dezember aus dem Klerikerstand entlassenen Priester mit. Eine Kopie der Akte sei an das Erzbistum Köln verschickt worden, das für den 87 Jahre alten Priester A. zuständig ist.

Der Mann wurde in den 70er und 80er Jahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt und dennoch in den Bistümern Köln, Essen und Münster weiter als Priester eingesetzt. Das Bistum Münster bestritt bisher, über eigene Akten in dem Fall zu verfügen.

Wie das Bistum nun mitteilte, sei "beim Umräumen im Bistumsarchiv" eine bisher unbekannte Akte zu A. aufgetaucht. Der Interventionsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, erklärte, ein Mitarbeiter habe vor einer Woche vier bisher nicht verzeichnete Akten entdeckt, von denen eine A. betreffe.

Der Mitarbeiter habe unmittelbar den Leiter des Bistumsarchivs informiert. Dieser habe dann am Montag die Historiker der Universität Münster in Kenntnis gesetzt, die den sexuellen Missbrauch im Bistum unabhängig aufarbeiten sollen. Ein Mitarbeiter der Historikerkommission habe die Akte am Dienstag eingesehen. Frings nannte es "bedauerlich", dass diese Akte erst jetzt gefunden wurde. Die Aussagen, dass es keine weiteren Unterlagen gebe, hätten seinem Kenntnisstand entsprochen. "Es zeigt sich nun, dass sie nicht richtig waren."

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa